Wenn Seifenblasen übers Bad Windsheimer Weinturm-Plateau ziehen, an der Turmbar Cocktails geschlürft werden und an einem Tag verschiedenste Musik-Genres zu hören sind – dann ist wieder Weinturm Open Air. Bei der 47. Auflage hält das Organisationsteam an vielem fest, doch auch ein paar neue Elemente werden zu sehen sein.
Treue Gäste des dreitägigen Open Airs, das heuer von Freitag bis Sonntag, 7 bis 9. August, gefeiert wird, schätzen an dem Festival neben der Familienfreundlichkeit, vor allem die Beständigkeit: Zwar gleicht die Musikauswahl jedes Jahr einer bunten Konfetti-Kanone, auf die Rahmenbedingungen und die geliebte, entspannte Atmosphäre bei dem Open Air kann man sich aber stets verlassen.
Evolution statt Revolution, fasst es Martin Bauer vom Organisationsteam zusammen. Klar wagt man immer wieder mal etwas Neues, „aber grundsätzlich bleibt der Weinturm der Weinturm. Bei allem Willen, nicht stehenzubleiben, wollen wir auch eine gewisse Verlässlichkeit bieten.”
Im vergangenen Jahr habe man bei vier Bereichen angesetzt und dadurch das Gelände etwas anders gestaltet: Ein neuer Biergarten bot Schattenplätze in Blick- und Hörweite zur Hauptbühne. Er und auch die Turmbar, die vom Weinturm-Team selbst bespielt wird, wurden zum Treffpunkt und Ort der Begegnung. Die Familienwiese, die ans Gruselgewusel andockte, war indes angenehm beschattet. Und eine Rampe für Rollstuhlfahrerinnen und -fahrer kam ebenfalls gut an.
Sehr genossen habe man es, wie die Veränderungen angenommen wurden, sagt Bauer. Deshalb sollen diese Punkte auch heuer wieder umgesetzt werden – möglicherweise mit kleineren Anpassungen. Bewährt hat sich zudem das Awareness-Team. „Es ist gut, dass wir das haben”, sagt Bauer.
Ein, zwei Neuerungen wird es auch 2026 geben. Etwa optische Veränderungen. Entstanden sind sie durch eine Kooperation mit dem P-Seminar des Georg-Wilhelm-Steller-Gymnasiums in Bad Windsheim, das von Susanne Seitz geleitet wird. „Eine wunderbare und spannende Zusammenarbeit” sei das gewesen. Und irgendwie auch passend, ist doch der Bad Windsheimer Jugend- und Kultur Förderverein Veranstalter des Festivals.
Dekoration, Gestaltung und Kunst im öffentlichen Raum standen bei dem P-Seminar im Fokus. Die Schülerinnen und Schüler erarbeiteten in mehreren Runden eigene Vorschläge. Ein oder zwei Ideen sollen beim diesjährigen Weinturm Open Air umgesetzt werden.
Was genau sich dahinter verbirgt, verrät Martin Bauer noch nicht. Kleinere und größere Installationen werden das sein. „Es wird auffallen, dass sich etwas verändert.” Manches dagegen wird man wohl erst bei genauerem Hinsehen entdecken.
Auch musikalisch wird es heuer wieder bunt beim Weinturm Open Air, verspricht Martin Bauer. Ein Teil des Line-ups ist schon veröffentlicht. Hier bleibt sich das Team treu und will eine spannende Mischung präsentieren. Rock'n'Roll wird es ebenso zu hören geben wie soulige Einflüsse oder Brass mit Elektro-Einschlag.
Eine Gegebenheit ist heuer übrigens besonders: Nur in seltenen Fällen spielt eine Band zweimal beim Weinturm Open Air. Heuer kehrt „My Baby” zurück aufs Plateau, die vor zehn Jahren schon einmal zu Gast waren. „Die haben uns damals speziell überzeugt und angesprochen. Das war ein ganz famoser Auftritt.” Weil die Band nun ohnehin auf Tour sein wird und es zeitlich passt, entschied man, sie noch einmal zu buchen.
Tickets für die 47. Auflage sind noch zu haben. Das Kontingent umfasst 2850 Wochenendtickets und 150 Tagestickets pro Festivaltag. Bisher wurden über 80 Prozent der Wochenendtickets verkauft. Der Tagesticket-Verkauf startete erst Ende Mai. Ja, bei den Ticketverkäufen merke man durchaus Veränderungen, sagt Martin Bauer. Waren die Wochenend-Tickets noch vor ein paar Jahren binnen kurzer Zeit ausverkauft, dauert das jetzt länger. Eine Entwicklung, die auch andere Festival-Macher kennen, weiß Martin Bauer aus Gesprächen.
Ein kleiner Prozentsatz der Käuferinnen und Käufer legt sich jetzt lieber später fest und hält sich damit Optionen offen. Verschiedene Gründe kommen bei dieser Entwicklung zusammen, schätzt Bauer. „Die Menschen spüren die Inflation, die Reallöhne sinken stetig.” Der finanzielle Spielraum wird bei vielen kleiner. Zudem gibt es schlichtweg ein großes Alternativangebot durch andere Festivals oder Veranstaltungen.
Martin Bauer ist trotzdem wichtig zu betonen, dass sich ein großer Teil der Weintürme – so werden die Besucherinnen und Besucher gerne genannt – dennoch seine Tickets direkt sichert. Das gibt dem Team Rückendeckung und Planungssicherheit, „die einen entspannter in die Sommermonate gehen lässt”. Extrem dankbar sei man für diese Mehrheit, die dem Team einen ordentlichen Motivationsschub beschere. Dass das Festival am Ende dennoch ausverkauft sein wird, da ist Martin Bauer guter Dinge.
Mit den Preisen sei man heuer leicht nach oben gegangen, dennoch aber nicht in dem Maße, wie man sie eigentlich hätte anpassen müssen. Auch, weil man ein „sozialverträgliches Festival” sein will. Deshalb hat das Team auch die Soli-Tickets ins Leben gerufen, die allerdings schon ausverkauft sind. „Wir verstehen und sehen, dass sich die Lebensrealität der Menschen verändert hat. Uns ist aber wichtig, dass gesellschaftliche und kulturelle Teilhabe nicht vom Geldbeutel abhängt.”