Weinparadies Franken: Den Genuss mit Archäologie verbinden | FLZ.de

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Veröffentlicht am 05.07.2023 16:36

Weinparadies Franken: Den Genuss mit Archäologie verbinden

Die Weinparadiesscheune auf dem Bullenheimer Berg ist stark frequentiert. Rund um sie herum liegen archäologische Sehenswürdigkeiten, die vom Weinparadies aus erfassbarer gemacht werden sollen. (Foto: Carmen Lechner)
Die Weinparadiesscheune auf dem Bullenheimer Berg ist stark frequentiert. Rund um sie herum liegen archäologische Sehenswürdigkeiten, die vom Weinparadies aus erfassbarer gemacht werden sollen. (Foto: Carmen Lechner)
Die Weinparadiesscheune auf dem Bullenheimer Berg ist stark frequentiert. Rund um sie herum liegen archäologische Sehenswürdigkeiten, die vom Weinparadies aus erfassbarer gemacht werden sollen. (Foto: Carmen Lechner)

Wein und Genuss sind die Elemente, die sieben Winzerdörfer am Westrand des Naturparks Steigerwald seit 2000 im „Weinparadies Franken“ miteinander vereinen. Geht es nach den Köpfen der Werbegemeinschaft, kommen bald mit „Archäologie und Geschichte“ noch zwei hinzu.

Jetzt wurde im Nenzenheimer Feuerwehrsaal eine Machbarkeitsstudie vorgestellt. Darin rückt vor allem der zentrale Bullenheimer Berg mit seiner großen archäologischen Bedeutung in den Blickpunkt. Silke Petzold und Sarah Dietz vom beauftragten Büro „Erlebniskontor“ aus Hamburg und Bremen ließen keinen Zweifel: Es mache für die rund 50 Direktvermarkter und 250 Winzer in den Gemeinden Unter- und Mittelfrankens absolut Sinn, die Potenziale des Bergs, in dem sich in der Urnenfeldzeit um 2000 vor Christus eine Höhensiedlung befand, für touristische Zwecke zu nutzen.

Funde vom Bullenheimner Berg sind in Museen übers Lasnd verstreut

Allerdings auf sanfte Weise. „Das Ziel muss sein, den Menschen, die wegen der Kulinarik und der Natur hierher kommen noch etwas Zusätzliches zu bieten“, erklärte Silke Petzold. Und mit einer anschaulichen Aufarbeitung des geschichtlichen Potenzials der Gegend könne man auch den Einheimischen einen Mehrwert ihrer Region nahe bringen. Sarah Dietz sprach von „qualitativen ökonomischen Effekten“, die auch ohne zusätzliches Personal erreicht werden könnten.

Die Region rund um den Bullenheimer Berg habe aber ein Problem: Viele der hier gemachten Entdeckungen wie der „Berliner Hut“ oder Hortfunde seien in Museen über das ganze Land verstreut. Dagegen seien die Bodendenkmäler wie das „Brandgrab“ zwar allgegenwärtig, aber bisher nur unzureichend beschrieben.

Die Scheune als Zentrum

Hier gelte es also anzusetzen, um das Bestehende sichtbar, das damit Verbundene erlebbar zu machen. In ihrer Studie schlagen die Fachfrauen unter anderem einen Infopavillon vor, der am Parkplatz von Nenzenheim kommend in Richtung Schloss Frankenberg stehen sollte. Von dort aus könnten verschiedene Wander- und Erlebnistouren starten – im Übrigen auch bereits bestehende zu Natur und Wein.

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Die Weinparadiesscheune als gastronomischer Treff mitten in den Weinbergen direkt auf der Gemarkungsgrenze der beiden fränkischen Regierungsbezirke sei schon mal ein idealer Treffpunkt, meinten Petzold und Dietz. Neu zu schaffen wäre ein Aktionspfad mit sieben Stationen, an denen man eventuell mittels einer Brille und virtueller Realität alte Siedlungsanlagen wieder auferstehen lassen könnte. Für die Kinder könne es Sandkästen geben, in denen archäologische „Funde“ versteckt sind oder interaktive Stationen zum Hören oder Tasten. Foto-Points oder Digitale Stelen auf dem Weg, auf denen ein QR-Code mithilfe einer App zu weiterführenden Informationen führt, seien weitere Bausteine.

„Geschichte zum Nacherleben“, fassten die Fachfrauen zusammen – und zwar geeignet für Familien, Gruppenreisende und auch archäologisch interessierte Gäste. Wer tiefer in die Materie einsteigen und beispielsweise auf die Spuren der keltischen Siedlungen nachgehen oder die Geschichte der Ruine der Kunigundenkapelle erfahren wolle, müsse ebenso Angebote haben wie solche, die zwischen Wandern und Wein noch ein wenig Anreiz für das Wissen wünschen.

Am besten alles auf einmal

Ihren Maßnahmenkatalog für ein rundes Konzept hat „Erlebniskontor“ mit Kosten von rund 430.000 Euro kalkuliert, in die neue Bauten, die Installation der Stationen, aber auch zusätzliches Marketing mit einfließen. „Wir empfehlen, alles auf einmal zu machen, sonst wird es langfristig teurer“, sagte Dietz.

Petzold ergänzte, man müsse sich auch gleich Gedanken um die Pflege der neu geschaffenen Einrichtungen machen. Fördermittel könnten aus dem europaweiten LEADER-Programm oder dem bayerischen Tourismusförderprogramm RÖFE kommen. Vertreter der Landkreise Neustadt/Aisch-Bad Windsheim und Kitzingen sagten in der Versammlung, die von rund 50 interessierten Personen aus Politik und Gastronomie besucht war, spontan ihre Unterstützung zu.

Als Nächstes werden die Bürgermeister der sieben Gemeinden Bullenheim, Iphofen, Ippesheim, Reusch, Seinsheim, Weigenheim, Willanzheim in Klausur gehen und sich abstimmen, wie mit der Machbarkeitsstudie weiter umgegangen wird. „Wir sind erst am Anfang des Weges, aber es lohnt sich“, sagte Ingrid Reifenscheid-Eckert, Sprecherin der Werbegemeinschaft.


Von Carmen Lechner
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