Weiltinger Heimatmuseum erinnert an das bäuerliche Leben | FLZ.de

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Veröffentlicht am 24.05.2024 07:00

Weiltinger Heimatmuseum erinnert an das bäuerliche Leben

Museumsleiterin Erika Kränzlein erläuterte bei der Ausstellungseröffnung die Auswahl alter Gesangbücher. (Foto: Jürgen Eisen)
Museumsleiterin Erika Kränzlein erläuterte bei der Ausstellungseröffnung die Auswahl alter Gesangbücher. (Foto: Jürgen Eisen)
Museumsleiterin Erika Kränzlein erläuterte bei der Ausstellungseröffnung die Auswahl alter Gesangbücher. (Foto: Jürgen Eisen)

Mit gleich zwei neuen Sonderausstellungen lockt das Heimatmuseum in Weiltingen die Besucher. Diese können einen Blick in Gesangbücher vergangener Jahrhunderte werfen sowie Eindrücke vom früheren Alltag auf den Bauernhöfen gewinnen.

Museumsleiterin Erika Kränzlein freute sich bei der Eröffnung über die zahlreichen Gäste. Um 1523/24 seien die ersten Gesangbücher veröffentlicht worden, erläuterte sie. Martin Luther und seinen Weggefährten sei es damals ein Anliegen gewesen, dass das „gemeine Volk“ in deutscher Sprache am Gottesdienst teilnehmen könne. Die Erfindung des Buchdruckes erleichterte eine Verbreitung von Texten und Notenzeilen.

Übergabe an die Herzöge von Württemberg

Die ersten Gesangbücher hatten noch wenige Lieder enthalten. Nach und nach kamen Ausgaben mit größeren Umfängen dazu. In Weiltingen wurde die Reformation unter den Herren von Knöringen eingeführt. Mit der Übergabe der Herrschaft an die Herzöge von Württemberg erlebte der Ort eine Blüte und erfuhr auch in Sachen Geistlichkeit einen Aufschwung.

Verwandte von Herzogin Juliane aus dem Haus Delmenhorst dichteten schließlich im 17. Jahrhundert einige hundert Liedtexte – aufgrund von verschiedenen Trauer- und Sterbefällen in der Familie oft mit eher düsteren Texten. Einige sind noch ebenso erhalten wie Biografien, die in der Ausstellung zu sehen sind. Gesangbücher waren früher beliebte Konfirmationsgeschenke und wurden in Ehren gehalten. Neben Liedern sind Texte, Psalmen oder der Katechismus darin zu finden. Ein Gesangbuch war oft Wegbegleiter in frohen und traurigen Tagen.

Blick auf die Menschen in der Landwirtschaft

Die zweite Sonderausstellung, die das Heimatmuseum in der alten Turnhalle im Rathaus zeigt, beschäftigt sich mit dem Wandel in der Landwirtschaft über die Jahrhunderte. Dabei sei es ihr, wie die Museumsleiterin berichtete, nicht um reine Fakten und Zahlen gegangen, sondern um die Menschen und deren Geschichten.

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Gesammelt hat Erika Kränzlein eine Vielzahl von Bildern, die Bäuerinnen und Bauern bei der Arbeit zeigen. Dazu kommen Auszüge aus den Lebenserinnerungen von Erna Beck aus Frankenhofen, von Dr. Kurt Rieder, der lange am Landwirtschaftsamt in Dinkelsbühl tätig war, oder vom früheren bayerischen Landwirtschaftsminister Hans Maurer, der in „Mein Mosbach“ Erinnerungen an seine Kindheit auf einem fränkischen Hof niederschrieb.

Schwere Arbeit einst mit Pferden

Wer erinnert sich noch an das Kartoffeldämpfen oder die Dreschmaschine? Schwere Arbeit wurde einst mit Pferden oder Kühen, die Gerätschaften zogen, bewältigt. Der Einzug der Traktoren veränderte viel in den Dörfern. Schritt für Schritt verschwanden die kleinen Betriebe. Früher hatte jeder Handwerker, Gastwirt oder Arbeiter noch einige Kühe im Stall stehen und versorgte sich weitestgehend selber.

Mit dem Strukturwandel verschwanden auch die ortseigene Molkerei, die Regiebullenhaltung, der Gemeindeschäfer und andere der Landwirtschaft dienende Handwerker. Die Felder wurden größer, andere Früchte wurden angebaut. Flachs, Ackerbohnen, Futterrüben oder Lupinen verschwanden – und mit ihnen auch das Bild der vielen Menschen, die einst auf den Feldern zum Hacken der Kulturen unterwegs waren. Ein kleiner Teil der Schau widmet sich den Weiltinger Tierärzten und ihrer Geschichte.

Das Weiltinger Heimatmuseum ist immer sonntags in der Zeit von 13 bis 17 Uhr geöffnet. Es können unter der Telefonnummer 09853/584 aber auch Besichtigungstermine vereinbart werden.


Von Jürgen Eisen
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