2017 hat der Bayerische Landtag die Rückkehr zum neunjährigen Gymnasium (G9) beschlossen. Die Folge: Das Abitur fiel 2025 größtenteils aus. Das hat nun auch Auswirkungen auf Freiwilligendienste in Stadt und Landkreis Ansbach.
Denn Abiturientinnen und Abiturienten sind die Hauptanwärter für das Freiwillige Soziale Jahr (FSJ), das Freiwillige Ökologische Jahr (FÖJ) oder den Bundesfreiwilligendienst (BFD). Eine Nachfrage bei verschiedenen Stellen in Stadt und Landkreis ergab ein nicht ganz einheitliches Bild.
Ganz deutlich spürt das Platen-Gymnasium in Ansbach den fehlenden Abiturjahrgang und den damit einhergehenden Mangel an Bewerbungen für ein FSJ. Bislang gab es pro Schuljahr für gewöhnlich eine Person für diesen Posten. Diesmal wurde niemand gefunden.
Der Grund ist deutlich: Weil es „keinen aktuellen Abiturjahrgang zu rekrutieren gibt”, fasst es Tobias Herber zusammen, der die Schulleitung am Platen-Gymnasium zum 1. August übernommen hat. „Aber die Zahl der Stellen bleibt natürlich gleich, die gerne einen FSJ-ler hätten.” An Schulen wird das FSJ außerdem gerne von eigenen ehemaligen Schülerinnen und Schülern übernommen.
Am 1. September wäre es am Platen-Gymnasium losgegangen. Wie Herber informiert, wäre aber auch ein späterer Start noch möglich, falls sich noch jemand findet. Angestellt und bezahlt werden die Helfenden übrigens von der Stadt Ansbach.
Die Aufgaben sind vielseitig. So geht es zum Beispiel um Organisatorisches, aber auch um die Betreuung der Sportangebote in den Pausen, Unterstützung von Schülerinnen und Schülern mit Förderbedarf oder die Ausgabe von Spielgeräten. Der Zeitaufwand gleicht etwa einem Vollzeitjob. So einfach ist die fehlende Person also nicht zu ersetzen.
Die FSJ-ler sind an Schulen also auch immer eine große Unterstützung. „Da ist einfach jemand, der frei ist und anpacken kann”, sagt Herber, „man wird stark merken, wenn er fehlt”. Trotzdem ist sich der neue Schulleiter sicher: „Das Platen-Gymnasium wird auch in diesem Schuljahr ein schönes Angebot haben.”
Beim Bayerischen Roten Kreuz (BRK) im Kreis Ansbach kommen die Freiwilligen hauptsächlich im Rettungsdienst unter. Wolfgang Decker, Leiter des Rettungsdienstes beim Kreisverband teilt auf Nachfrage mit, dass auch das BRK den fehlenden Jahrgang spürt. „Wir merken das stark. Meistens sind es ja Abiturienten, diesmal ist es ein anderes Personenklientel.”
Trotzdem sind die FSJ-Stellen beim BRK im Kreis bis auf ein oder zwei Stellen weniger besetzt worden, sagt Decker. Statt der Abiturientinnen und Abiturienten handelt es sich jetzt eher um Menschen, die zum Beispiel aus anderen Bereichen kommen und gemerkt haben, ihre Ausbildung passe nicht zu ihnen oder ähnliches.
Beim BRK-Kreisverband ist der Start ins FSJ aber auch zeitlich flexibler möglich. So ging es im September für fünf Personen los, im Oktober kommen nochmal etwa so viele und auch im Dezember ist noch ein Beginn des FSJ möglich. Das Interesse am Rettungsdienst ist also weiterhin groß. Einzelne FSJ-lerinnen oder FSJ-ler arbeiten in Kindertagesstätten.
Bei Diakoneo aus Neuendettelsau sieht die Lage trotz der ungewöhnlichen Situation ganz gut aus, wie Stephanie Bräunlein auf Nachfrage erklärt. Sie ist als Regionalleiterin für die Freiwilligendienste zuständig. Dass ein Abiturjahrgang wegfällt, merkt aber auch Diakoneo. Bräunlein schätzt, dass normalerweise etwa die Hälfte der Bewerbenden frisch vom Gymnasium stammen.
Was also jetzt? „Wir haben uns im Vorfeld Gedanken dazu gemacht”, sagt Bräunlein. Wenn Bewerbungen ausbleiben, rücken andere Zielgruppen für ein FSJ in den Vordergrund. Nun haben sich viele Menschen aus dem Ausland beworben, die ein FSJ antreten.
Start ist auch hier in der Regel der September. Unter gewissen Bedingungen ist es aber auch möglich, zu anderen Zeitpunkten anzufangen. Pro Jahrgang sind es etwa 100 Personen. Jetzt ein bisschen weniger, aber die Seminargruppen sind gefüllt. „Wir haben unser Bestes getan”, sagt Stephanie Bräunlein, „trotzdem ist die Situation schwierig, viele Träger haben damit Probleme”.
Auch bei Diakoneo ist das FSJ ein Vollzeitjob. Bezahlt wird ein Taschengeld, ein Verpflegungsgeld und ein Wohnungszuschuss. Eingesetzt sind die Freiwilligen vor allem im sozialen Bereich, wie zum Beispiel Seniorenheimen. „Die jungen Leute sind ein Gewinn”, sagt Bräunlein. Denn schließlich gibt es durch die FSJ-lerinnen und FSJ-ler immer zwei Hände mehr, die anpacken können.