Pro Schwein entsteht den Halterinnen und Haltern derzeit aufgrund gestiegener Kosten und sinkender Erlöse ein Verlust in Höhe von 45 Euro. Das hat die Interessengemeinschaft der Schweinehalter Deutschlands (ISN) ermittelt und auf der Jahreshauptversammlung des Fleischerzeugerrings Mittelfranken vorgestellt.
Schweinehalterinnen und -halter haben es auch mit zunehmenden Auflagen und Einbrüchen in ihren Ställen zu tun. Deshalb holte der Fleischerzeugerring mit Geschäftsführer Dr. Torsten Staack von der ISN in Damme in Niedersachsen einen Experten mit Erfahrungen in diesem Bereich zur Versammlung des Fleischerzeugerrings Mittelfranken.
Dass die Einbrüche immer noch zunehmen, führt er auch darauf zurück, dass Gerichte Stalleinbrüche von Tierrechtsorganisationen oft als weniger gravierend bewerten wie heimlich gefilmte Verstöße gegen den Tierschutz. Stalleinbrüche können jeden treffen, warnte er und mahnte, wachsam zu sein.
Oft nähern sich mehrere Personen einem Stall, schilderte Dr. Staack, und wenn sich keine Aufsichtsperson blicken lässt, bringe ein Mitglied der Gruppe eine kleine, kaum sichtbare Kamera im Stall an. Übergriffe oder Verdachtsfälle sollten der Polizei gemeldet werden, um das Ausmaß solcher Vorfälle aktenkundig zu machen. Der Referent empfahl, ein Krisen-Logbuch zu führen, in dem auch beobachtete Personen, die sich dem Stall nähern, registriert werden. Ställe sollten seiner Ansicht nach unbedingt abgesperrt und mit Bewegungsmeldern ausgestattet werden.
Staack hofft, dass die Preise am Schlachtschweinemarkt wieder anziehen, geht aber davon aus, dass die Schließung von Schlachthöfen sich fortsetzt und damit die Wege zur nächsten Schlachtstätte länger werden. Er fürchtet, dass es zu Problemen bei der Versorgung mit Ferkeln kommen könnte, weil Dänemark selbst die Schweinemast ausweiten wolle und mehr Ferkel nach Polen gehen.
Dies vor dem Hintergrund, dass mit einem Rückgang der Sauenhaltung um 41 Prozent bis zum Jahr 2036 gerechnet wird. Die schwierige Marktlage für Schlachtschweine komme auch daher, dass Spanien die Schweinehaltung stark aufstocke und wegen rund 8000 Schweinepestfällen in Spanien der Export erschwert sei.
Für den Fleischerzeugerring Mittelfranken ist die schwierige wirtschaftliche Lage ein Grund mehr, mit den von ihm angebotenen Dienstleistungen eine bestmögliche Unterstützung zu leisten, sagte Vorsitzender Dieter Förster.
Wie aus den Ausführungen von Harald Willer vom Landeskontrollverband (LKV) und Stefan Köpplinger als Berater vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten hervorging, rechnen die Fachleute damit, dass sich der Markt nach einem schwierigen Start erholen wird. Da auch saisonal das Angebot abnimmt, werde eine Preiserholung erwartet.
Unabhängig davon, dass 2024 eine gewisse Stabilisierung im Schweinebestand eingetreten ist, rechnen die Sachverständigen doch damit, dass die Ausstiegswelle aus der Schweinehaltung weitergehen wird. Das habe auch damit zu tun, dass infolge der neuen Vorschriften für die Aufstallungsformen die Stallbaukosten weiter anziehen. Nach neuesten Daten belaufen sich die Baukosten pro Stallplatz in der Schweinehaltung in Mittelfranken bei der Haltungsstufe 1 auf 900 bis 1100 Euro sowie in der Haltungsstufe 4 auf 2000 bis 2500 Euro.