Die Schokoladenmanufaktur „Wawi“ mit Standort in Burghaslach will sich ein zweites Standbein aufbauen. Konkret geht es um High-Protein-Produkte wie Snacks, Aufstriche, Riegel und Pulver. Eine zentrale Rolle soll dabei das Werk in Burghaslach spielen. Allein dort plant die Gruppe durch die Neuerungen ein Umsatzplus von rund zehn Millionen Euro jährlich.
Seit Jahren firmiert Wawi Innovation – mit Hauptsitz in Pirmasens – am Laubanger. Pralinen, Figuren, Adventskalender: Das bisherige Portfolio ist breit, auch die neuesten Neuigkeiten für die Märkte in Großbritannien, den USA und Australien stammen aus dem Steigerwald-Dorf. Doch die Preise für den Rohkakao – gehandelt an der Londoner Börse – fahren Achterbahn, mit einer klaren Tendenz: deutlich steigende Kurse – der geschäftsführende Gesellschafter Markus Kühlwein spricht gar von einer Verdreifachung. „Der Absatz sinkt, der Verkaufsdruck steigt.“
Und so haben sich die Wawi-Verantwortlichen bereits nach Kakao-Alternativen umgeschaut und produzieren unter dem Label „ChoViva“ mittlerweile kakaofreie Schokolade aus Sonnenblumenkernen – vor allem auch aus Nachhaltigkeitsgründen. Trotzdem bleibt der Markt ein Risiko-Geschäft. „Wir bauen uns deshalb neben der konventionellen Schokolade ein zweites Standbein auf“, betont Kühlwein.
Seit zwei Jahren wird im Hintergrund bereits daran gearbeitet. Ab dem Sommer soll auch in der Burghaslacher Fabrik der Startschuss für „Functional Food“, also „Naschen mit Funktion“, fallen. Genauer gesagt geht es um Produkte mit hohem Proteinanteil, die vor allem beim Muskelaufbau unterstützen sollen. Der Hype sei enorm, so Kühlwein. Bereits 2023 generierten solche Artikel weltweit einen Umsatz von fünf bis sechs Milliarden Euro, mit einer zehnprozentigen Wachstumsprognose Jahr für Jahr. Zusammengefasst: eine potenzielle Goldgrube.
Einen Kooperationspartner fand Wawi im mehrfachen Schwimm-Weltmeister Mark Warnecke, der auch Arzt und Ernährungsspezialist ist. Mit seiner Marke „AM-Sport“ hat der 55-Jährige einen Schwerpunkt auf Nahrungsergänzungsmittel – neudeutsch Supplements – gelegt. Für ihn will die Wawi-Gruppe als Lohnhersteller auftreten. Das soll auch Auswirkungen auf Burghaslach haben – im positiven Sinn.
„Wir bedienen den Kundenstamm, den wir schon mit Schokolade beliefern“, erklärt Markus Kühlwein. Schließlich hätten einige von ihnen – vor allem bekannte Supermarkt-Ketten und Discounter – auch an solchen High-Protein-Lebensmitteln Interesse.
In einem ersten Schritt werden beide Kernkompetenzen in einem Produkt vereint, mit sogenannten Protein-Snacks, hergestellt in der Burghaslacher Schokoladenfabrik. Verarbeitet wird hierfür besagte Sonnenblumen-Schokolade. Kein weißer Zucker soll hinzugefügt werden, „der Zucker kommt über die natürlichen Komponenten, vor allem durch die Laktose“. Und: 20 Prozent der Kalorien des Produkts müssen aus dem Eiweiß kommen, um es „High Protein“ labeln zu dürfen. „Das ist auch unser Anspruch.“
Für die Schokoladensnacks wurden zwei spezielle Füllungen entwickelt, sagt Kühlwein: eine auf Whey-Basis, also aus Molkenprotein, und eine aus Kollagen. Kollagen – „das war auch für uns komplettes Neuland“. Ein Produkt, das aus den Überbleibseln der Rinderschlachtung hergestellt wird. „Das ist ein sehr spannender Stoff.“
Und Rinderkollagen deshalb, um mehr Verbraucher anzusprechen, zum Beispiel Muslime. Denn Schweineteile wären als Grundlage ebenfalls möglich. „Das Kollagen ist dann Basis für unsere Füllung“, etwa Erdnussbutter oder Haselnuss. Auf der weltweiten größten Süßwarenmesse, der ISM in Köln, hatte Wawi das neue Segment bereits präsentiert – und gute Rückmeldung erhalten, sagt Kühlwein. Er sieht es als „Naschartikel – kleine Pralinen, um sich etwas zu gönnen, ohne Zucker“. Im Sommer soll die Produktion starten.
Die zweite Kategorie sollen Cremes und Aufstriche mit hohem Proteinanteil sein, beispielsweise als Nutella-Alternative, mit verschiedenen Geschmacksrichtungen. Produziert in Burghaslach, geplant ab dem dritten Quartal 2026. Die Proteinriegel-Produktion wird hingegen im Wawi-Werk nahe Düsseldorf aufgebaut, informiert der geschäftsführende Gesellschafter. Bei den Nahrungsergänzungskapseln wird der Standort Steigerwald im Fokus stehen.
In einem ersten Schritt wird schon jetzt der Burghaslacher Betrieb etwas umgebaut, neue Geräte werden installiert. Alleine für die Technik werden dort laut Kühlwein rund zwei Millionen Euro investiert – als Bekenntnis zum Burghaslacher Standort. Womöglich, das steht aber noch in den Sternen, siedelt sich auch die Proteinpulverproduktion in Burghaslach an. „Wir sind noch in der Ausarbeitung. Durch den Staub in der Produktion lässt sich das aber nicht in die bestehende Schokoladenproduktion integrieren.“
Bedeutet: Die Chancen stehen nicht schlecht, dass eine zweite Fabrik gebaut wird und neue Arbeitsplätze entstehen. „Ich habe schon mit Bürgermeister Armin Luther gesprochen“, sagt Kühlwein, „es gibt sehr interessante Flächen.“ Denkbar wäre ein Neubau in der Erweiterung des Gewerbegebiets „Am Schopfensee“ in Burghaslachs Westen.
Kühlwein: „Ob dieser Schritt tatsächlich kommt, klärt sich noch.“ Das zweite Standbein soll jedenfalls allein für den Standort Burghaslach ein Umsatzplus von zehn Millionen Euro erwirtschaften. Welcher Gesamtumsatz dort dann jährlich generiert wird? Über solche Zahlen redet die Branche nicht gerne in der Öffentlichkeit.
Nächste Woche reist Managing-Director Kühlwein in die Türkei, um verschiedene Maschinenlieferanten zu besuchen. „Dann verfolgen wir unseren Stufenplan. Priorität haben heuer die Snacks, aber dafür haben wir schon fast alles da.“