Wasserwacht hilft seit 30 Jahren bei Ansbachs Bachwoche: Was die Aktiven erleben | FLZ.de

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Veröffentlicht am 13.08.2025 10:40

Wasserwacht hilft seit 30 Jahren bei Ansbachs Bachwoche: Was die Aktiven erleben

Martin und Petra Schuster sowie Birgit und Hardy Zießler (von links) stehen bei der Bachwoche im Notfall bereit. Das Team arbeitet ehrenamtlich – und liebt die Musik von Johann Sebastian Bach.  (Foto: Lara Hausleitner)
Martin und Petra Schuster sowie Birgit und Hardy Zießler (von links) stehen bei der Bachwoche im Notfall bereit. Das Team arbeitet ehrenamtlich – und liebt die Musik von Johann Sebastian Bach. (Foto: Lara Hausleitner)
Martin und Petra Schuster sowie Birgit und Hardy Zießler (von links) stehen bei der Bachwoche im Notfall bereit. Das Team arbeitet ehrenamtlich – und liebt die Musik von Johann Sebastian Bach. (Foto: Lara Hausleitner)

Warum ist die Wasserwacht in der Kirche? Weil die Kirche ein Schiff hat? Oder sogar drei Schiffe? Der Gag ist alt, schon 30 Jahre alt. 1995 übernahm die Wasserwacht die ersten Sanitätsdienste bei der Bachwoche. Mittlerweile organisiert und bestreitet das Team der Rettungsschwimmer alle Dienste bei dem Musikfest.

Die Krankenschwester Petra Schuster und ihr Mann, der Rettungssanitäter Martin Schuster, sind eine feste Größe bei der Bachwoche schon seit drei Jahrzehnten. Fast alle Gäste kennen das Ehepaar, das wegen der Dienstkleidung mit der Aufschrift „Wasserwacht” stets auffällt bei den Konzerten. Seit 2017 stehen den Schusters die Ärztin Birgit Zießler und deren Mann Hardy Zießler, im Hauptberuf Pflegedienstleiter, zur Seite. Ab und zu sind noch weitere Kolleginnen und Kollegen dabei: Denn wenn in St. Johannis und in St. Gumbertus gleichzeitig Konzerte mit hunderten Besuchern stattfinden, werden drei Helfer pro Kirche gebraucht. Sie alle arbeiten ehrenamtlich.

Bereitschaft im Hintergrund

„Anfangs waren die Dienste der Wasserwacht nur eine Aushilfe bei der Rot-Kreuz-Bereitschaft”, denkt Martin Schuster zurück. „Seit 2007 organisiert und stemmt die Wasserwacht als Teil des Roten Kreuzes den Sanitätsdienst bei der Bachwoche eigenständig.” Da kommt einiges zusammen: Über 30 Veranstaltungen – Konzerte, Vorträge, Empfänge, Workshops – sind es jedes Mal.

„Unsere Aufgabe ist es, im Hintergrund bereit zu sein, um im Notfall helfend einzugreifen”, schildert Martin Schuster. „Von der unterstützenden Hand an der Treppe, einem Pflaster auf der Blase am Fuß bis zum Kreislaufkollaps: Wir haben schon öfter den Konzertbesuch retten können beziehungsweise die Patienten im Foyer der Orangerie oder im Grün des Hofgartens wieder aufgepäppelt.” Allerdings habe es auch schon schlimmere Vorfälle gegeben: Herzinfarkte, sogar während der Konzerte, einen Schlaganfall oder schwere Stürze. Hier galt es, die Patienten nach der Erstversorgung schnellstens in die Klinik zu bringen.

Bei der diesjährigen Bachwoche sei alles recht glimpflich verlaufen, erzählt Petra Schuster. Eine Besucherin sei nach einer Bachsprechstunde gestürzt und habe mit Gesichtsverletzungen ins Krankenhaus gefahren werden müssen. Dagegen blieb ein betagter Gast, der mitten in der Kirche hinschlug, zum Glück unverletzt. Insektenstiche wurden gekühlt, und Birgit Zießler kümmerte sich in vollbesetzten Kirchenbänken mehrmals um Gäste, die Symptome von Klaustrophobie entwickelten. Ein Teenager aus den Reihen des Windsbacher Knabenchores geriet ins Schwanken, wurde aber von den Sängern neben ihm gestützt und konnte auf der Bühne bleiben, nachdem die Sanitäter kurz nach dem Rechten gesehen hatten.

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Das Publikum immer genau im Blick

Auch bei kleineren Problemen sucht das Sanitätsteam Lösungen: Es organisiert Hustenbonbons gegen fiesen Hustenreiz im Konzert. Oder eine Decke, wenn eine Besucherin in Sommerkleidung in der kühlen Kirche bibbert. „Wir geben immer unser Bestes”, versichert Martin Schuster. Aber warum hilft ausgerechnet die Wasserwacht, die man im August doch eher an einem See vermutet? Dazu gibt es einige wilde Theorien der Gäste und Künstler: Das Kirchenschiff könnte ja sinken, die Rezat könnte bei Starkregen die Säle fluten oder der Springbrunnen im Hofgarten könnte zu weit spritzen. „Der Trompeter Touvron hat sogar eine Verbindung zum Kondenswasser in den Trompeten gemutmaßt.”

Tatsächlich sei die Erklärung ganz einfach. „Wir sind Sanitäter, die schwimmen können, also Rettungsschwimmer”, so Schuster. Wegen der Sanitätsausbildung kann die Wasserwacht aber natürlich auch auf dem Trockenen tätig werden – und dann steht eben „Wasserwacht” auf den weißen T-Shirts und auf dem Einsatzfahrzeug. Dass die Schusters und die Zießlers bei der Bachwoche so aktiv sind, liegt auch an ihrer persönlichen Begeisterung für die Konzerte und „für das besondere Flair” während des Musikfests. „Wir haben Freude an der Musik und daran, uns in der Gemeinschaft der Bachwochenhelfer einzubringen.”

Wenn es allen Gästen gut geht, haben die Wasserretter durchaus Zeit und Muße, die Konzerte zu genießen. Allerdings behalten sie dabei das Publikum im Blick und achten darauf, ob sich jemand sichtlich unwohl fühlt, vielleicht ächzt, sich Hilfe suchend umschaut.

Gute Zusammenarbeit des gesamten Teams

Und wenn es richtig ernst wird? „Vor ein paar Jahren hat sich das Codewort ,Sichtschutz‘ bei den Bachwochenhelfern etabliert, nachdem eine Person gestürzt war und stark blutete. Bei den Erste-Hilfe-Schulungen der Bachwochenhelfer wird das seitdem vermittelt”, erklärt Schuster. „Wenn das Wort ausgesprochen wird, steht ruckzuck eine Mauer der Helfer wie belanglos um uns herum und schirmt den Patienten und unsere Arbeit vor den Blicken anderer ab. Das klappt so gut, dass nicht einmal die Musiker auf der Bühne etwas von einem medizinischen Notfall mitbekommen haben, als wir in unmittelbarer Nähe agierten.”

Diese Gemeinschaftsarbeit sei essenziell. „Die Hilfeleistungen und eine möglichst diskrete medizinische Versorgung sind nur möglich, weil alle Helfer – ob Sanitäter, Bachwochenhelfer, Security, Feuerwehr, Polizei oder Bauhofmitarbeiter – anpacken”, betont Martin Schuster. „Wir sind ein Team, nur mit unterschiedlichem Outfit.”


Lara Hausleitner
Lara Hausleitner
Redakteurin für Lokales und Kultur - und Reisende aus Leidenschaft.

"I have never written a word that did not come from my heart. I never shall."
Nellie Bly
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