Was Kabarettist Bernd Regenauer im Franken-Tatort verloren hat | FLZ.de

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Veröffentlicht am 31.05.2023 07:00

Was Kabarettist Bernd Regenauer im Franken-Tatort verloren hat

Hat seinen Drehbuchtext ein wenig „verfränkelt“: der Nürnberger Kabarettist und Autor Bernd Regenauer. Im neuen Franken-Tatort spielt er den Ermittler Hans Bartram. (Foto: Michael Matejka)
Hat seinen Drehbuchtext ein wenig „verfränkelt“: der Nürnberger Kabarettist und Autor Bernd Regenauer. Im neuen Franken-Tatort spielt er den Ermittler Hans Bartram. (Foto: Michael Matejka)
Hat seinen Drehbuchtext ein wenig „verfränkelt“: der Nürnberger Kabarettist und Autor Bernd Regenauer. Im neuen Franken-Tatort spielt er den Ermittler Hans Bartram. (Foto: Michael Matejka)

Für Kabarett und Comedy hat Bernd Regenauer zwei großartige Typen geschaffen: den Metzger Schorsch Boggnsagg und den fränkischen Fremdenverkehrsexperten Harald Nützel. Im neuen Tatort Franken („Hochamt für Toni“) ist er ein ganz anderer: Hans Bartram, ein Ermittler. Im Interview spricht Bernd Regenauer über seine Rolle und erklärt, was er von der Oberpfalz hält.

Sie spielen als Hans Bartram einen Exilfranken in der Oberpfalz. Wie kommt er dort hin?

Es hat ihn als Franke ermittlungstechnisch in die Oberpfalz verschlagen. Das erzeugt die Spannung, was Kompetenzgerangel angeht.

Haben Sie sich eine Biographie für Hans Bartram überlegt?

An einer Stelle wird etwas Biographisches dokumentiert. Frau Ringelhahn und er haben wohl die gleiche Ausbildung genossen und sich da kennengelernt. Das behauptet Bartram zumindest. Ansonsten geht es nicht um eine regelrechte Biographie meiner Figur. Die war auch nicht von größerer Relevanz.

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Ach, man würde den Hans Bartram trotzdem gern kennenlernen. Wohnt er in der Oberpfalz? Pendelt er aus Nürnberg ein? Hat er Familie?

Des komfortablen Lebens halber wird er schon eine Familie haben. Zu den Eigenbrötlern und Einzelgängern zählt er nicht, glaube ich.

Wem der Tatort-Ermittler ähnelt

Ist Bartram eher mit Schorsch Boggnsagg oder mit Harald Nützel verwandt?

Ich würde ihn eher zum Harald Nützel schieben. Weil ein Mensch wie Boggnsagg, der das Leben grundsätzlich missversteht, ist er nicht, der Bartram. Er weiß, was er tut. Und er weiß, was er getan hat. Er fühlt sich im „Tatort“ ein bisschen in seiner Ehre gekränkt, weil in seinem Refugium herumgearbeitet wird. Er spürt aber auch, dass das ein Stück weit zurecht geschieht. So etwas gesteht man sich ja nicht gern zu 100 Prozent ein. Auf der anderen Seite liefert er auch dem Herrn Voss Informationen, die für ihn hilfreich sind. Er ist nicht nur einer, der sich ein Versäumnis nach dem anderen geleistet hat. Diese Ambivalenz, die da entsteht, finde ich spannend.

Kann es sein, dass Ihr Hans Bartram die Oberpfälzer nicht ganz für voll nimmt?

Nein, da hört der Franke schnell, was er hören will. Die Empfindlichkeiten Franken-Oberpfalz sind einem Drehbuchautor von außerhalb nicht unbedingt geläufig, deswegen habe ich mit dem Regisseur darüber gesprochen. Ich war erleichtert, dass es nicht um Oberpfalz-Bashing ging. Denn das halte ich für völlig überholt, genauso wie solche Städtefeindschaften wie die zwischen Nürnberg und Fürth. Dieses Gekabbel hin und her hat mich immer gewundert. Aber das ist anscheinend unausrottbar. Komisch.

Und unter uns gesagt: So sehr unterscheiden sich die Franken und Oberpfälzer nicht. Es ist einzig der Dialekt. Die Oberpfalz ist eine wunderbare Gegend. Und gegen Fürth wüsste ich auch nicht, was ich sagen sollte, außer vielleicht, dass es mich ärgert, dass der Fußballverein vor dem Club steht.

Trotzdem, im Gespräch mit Voss scheint Bartram nicht ganz glücklich mit der Oberpfalz.

Das würde ich nicht an einer Region festmachen. Es ist mehr, dass er aus der Großstadt weggeschubst wurde. Wenn er nach Forndorf bei Wieseth versetzt worden wäre, hätte er wahrscheinlich genauso reagiert. Voss und Ringelhahn haben den Großstadt-Nimbus und er halt nicht. Das kennt man ja selber: Wenn einer vom Land kommt, fühlt er sich den Großstädtern gegenüber ein bisschen kleiner.

Bernd Regenauer hat Bezug zu Herrieden

Kannten Sie als Nürnberger eigentlich die Gegend, in der gedreht wurde?

Freilich. In Herrieden wohnt meine Schwiegermutter und meine Mutter lebte in Forndorf. Und wenn mein Freund Jürg Schlachter in Dinkelsbühl inszeniert, dieses Jahr den „Zauberer von Oz“, schaue ich gern vorbei. Wir waren neulich dort miteinander essen.

Haben Sie den Text Ihrer Figur mundgerecht gemacht? Verregenauert? Klingt so.

Etwas verfränkelt habe ich meinen Text. Ich hatte mit Michael Krummenacher einen wundervollen Regisseur, der da ganz offen war. Seine Bitte war nur, dass ich keine Dialektwörter reinbringe, die außerhalb Frankens niemand versteht. Der Tatort läuft ja bundesweit. Das ist immer eine Gratwanderung. Als Franke wünscht man sich natürlich mehr Fränkisch drin. Was ich toll an dem „Tatort“ finde, sind die Bilder. Die fränkische Landschaft um Ansbach, um den Hesselberg herum ist super eingefangen.

Ist jetzt aber halt die Oberpfalz.

Dem Nicht-Franken ist das so was von wurscht. Es geht um schöne Bilder. Die Kameraflüge über die Landschaften sind eine schöne Visitenkarte für Franken. Oder die Oberpfalz. Oder für beides.

Diese Pläne hat der Kabarettist

Der Tatort-Dreh war im vergangenen Sommer. Schon ein Stück her. Was machen Sie denn jetzt als Kabarettist und Autor?

Im Juno spiele ich noch viermal mein Solo, das „Fränkische Seelenland“. Dann geht es direktemang in die Wiederaufnahme-Proben zu meiner Bieroper „Zum goldenen Giger“. Ich kann jedem nur empfehlen, der sie fahrlässigerweise versäumt hat, sich eine der sechs Vorstellungen im Stadttheater Fürth zu Gemüte zu führen. Danach werde ich mich eine Zeitlang zum Schreiben zurückziehen, da entsteht was Größeres für die Bühne.

Hat Ihre Tatort-Figur auch einen Stich ins Satirische?

Sagen wir mal: ja. Vielleicht kann ich es ja nicht vollends abstreifen. Satirisch im Sinne von Überzeichnen?

Im Sinne einer ironischen Typisierung des Fränkischen.

Das nehme jetzt als Kompliment. Jemand, der sich in die Ecke gedrängt fühlt und dann ein bisschen zu viel Nachdruck gibt: Das hat schon etwas mit fränkischer Physiognomie zu tun.

Was wäre das: die fränkische Physiognomie?

Ein Franke ist nicht per se von vornherein freundlich offen der Welt gegenüber. Die fränkische Seelenlandschaft muss man sich als Außenstehender schon erarbeiten. Der Franke beobachtet erst einmal mit etwas Misstrauen um sich herum. Wenn er sein Herz öffnet, dann nachhaltig. Dann hat man ihn an der Backe.

Wird Hans Bartram wieder im Franken-Tatort auftauchen?

Das kann ich nicht steuern. Würde mich natürlich freuen, wenn ich wieder eine Anfrage bekäme, aber ich erwarte es nicht.

Franken-Tatort am Sonntag in der ARD zu sehen

Weitere Artikel zum „Tatort Franken“ sowie eine Bildergalerie zu den Dreharbeiten im FLZ-Haus sind hier zu finden. „Hochamt für Toni“ wird am Sonntag, 4. Juni, um 20.15 Uhr in der ARD ausgestrahlt.

Zu diesem Anlass öffnen auch die ehemaligen Regina-Lichtspiele in Feuchtwangen ihre Pforten. Der Verein KulturKino Feuchtwangen bietet ein „Rudelgucken“ an. Vor der Ausstrahlung des Films werden im Kino Bilder unseres FLZ-Fotografen Jim Albright vom Dreh gezeigt. Einlass ist am 4. Juni um 19.30 Uhr. Der Eintritt ist frei.


Thomas Wirth
Thomas Wirth
Redakteur im Ressort „Kultur“
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