Was dieser kleine Falter über den Zustand unserer Natur aussagt | FLZ.de

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Veröffentlicht am 24.07.2024 19:34

Was dieser kleine Falter über den Zustand unserer Natur aussagt

Ein Fünffleck-Kleewidderchen labt sich an einer Blüte. Bei den Rotwidderchen handelt es sich um kleine schwarze Falter mit roten Flecken und Punkten. Im Volksmund heißen sie „Blutströpfchen“. (Foto: Richard Ittner)
Ein Fünffleck-Kleewidderchen labt sich an einer Blüte. Bei den Rotwidderchen handelt es sich um kleine schwarze Falter mit roten Flecken und Punkten. Im Volksmund heißen sie „Blutströpfchen“. (Foto: Richard Ittner)
Ein Fünffleck-Kleewidderchen labt sich an einer Blüte. Bei den Rotwidderchen handelt es sich um kleine schwarze Falter mit roten Flecken und Punkten. Im Volksmund heißen sie „Blutströpfchen“. (Foto: Richard Ittner)

Widderchen sind nicht groß. Die Schmetterlinge erreichen eine Flügelspannweite von höchstens drei Zentimetern. Mit den Blüten, deren Nektar sie bevorzugen, bilden sie oft eine wunderschöne Einheit. An Widderchen lässt sich auch Naturschutz hautnah beobachten. Richard Ittner aus Weigenheim hat diese Tiere ins Herz geschlossen.

Vielleicht kommt das daher, dass sie wie Ittner vor allem eine Eigenschaft haben: Sie sind sehr standorttreu, wie man das von Franken so kennt. Und wer standorttreu ist, der ist auch leicht nachzuweisen. An Widderchen ist laut Ittner auch abzulesen, wie der Zustand eines Lebensraumes beschaffen ist. Solche Wesen nennt man „Bioindikatoren“. 67 Widderchen-Arten sind in Europa bekannt, davon 31 in Mitteleuropa. Ittner hat bereits ein Dutzend davon im westlichen Landkreis Neustadt/Aisch-Bad Windsheim gefunden.

Bevorzugt auf violetten Blüten

Die Falter fliegen im Hochsommer. An Spätnachmittagen sitzen sie oft in größeren Gruppen bevorzugt auf violetten Blüten, welche die anderen Pflanzen überragen. Dort saugen sie Nektar. Ihr Lebensraum sind sowohl trockener Magerrasen, wo sie gerne auf Witwenblumen, Tauben-Skabiosen und Disteln landen, als auch das nasse Grünland und feuchte Waldlichtungen, wo sie auf Kratzdisteln sitzen. Allerdings sind sie nicht wählerisch und besuchen auch andere Pflanzen, wenn ihre Favoriten fehlen.

Der Bestand an Widderchen nimmt insgesamt ab, da durch die Stickstoffdüngung und die intensivierte Nutzung der Wiesen durch die Landwirtschaft immer mehr Raupennährpflanzen verschwinden, sagt Ittner. Auch durch Trockenlegung feuchter Wiesen und durch den Verlust weiterer Biotope wie Hecken und Magerrasen wird ihr Lebensraum immer weiter eingeschränkt. Aus diesen Gründen sind nahezu alle Widderchen in Mitteleuropa gefährdet oder stark gefährdet.

Laut Richard Ittner gibt es zwei Gruppen – die Rotwidderchen, im Volksmund auch „Blutströpfchen“ genannt, und die Grünwidderchen. Bei den Rotwidderchen handelt es sich um kleine schwarze Falter mit roten Flecken und Punkten. Der wissenschaftliche Name lautet „Zygaeninae“. Drei heimische Arten leben vorwiegend in Mittelwäldern, die auch als „lichte Wälder“ bezeichnet werden. Ihre Raupen halten sich an Platterbsen und Kleearten auf, die oft auch an Wegsäumen im Wald stehen.

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Keine besonders gute Situation für Widderchen

Die anderen Rotwidderchen besiedeln Halbtrockenrasen, Schafweiden und trockene Weinbergsböschungen. Bei diesen Arten handelt es sich um Esparsetten-, Thymian-, Pimpinell- und Sechsfleck-Rotwidderchen.

Bei den Grünwidderchen leben die Raupen auf Sonnenröschen, Flockenblumen oder Schlehen. Diese kleinen Falter versammeln sich gern auf blauen Blüten. „Die Situation bei vielen Schmetterlingen ist auch dieses Jahr, bedingt durch die vergangenen Trockenjahre, nicht besonders gut“, beklagte der Weigenheimer Naturfreund.

Weiteren Schaden an den Raupen haben laut Ittner vermutlich auch die Nachtfröste im Mai angerichtet, in denen auch die meisten Blüten der Obstbäume erfroren sind. Jedoch konnte er heuer alle Arten nachweisen, die ihm vor Ort bekannt waren, wenn auch nur in geringen Zahlen. „Nachdem es dieses Jahr bisher mehr geregnet hat, hoffe ich, dass sich die Situation wieder verbessert.“ Die Widderchen im südlichen Steigerwald leben vorwiegend auf Gipskeuper. Dieser kommt hauptsächlich im westlichen Landkreis Neustadt/Aisch-Bad Windsheim vor. Auch weiter westlich – im Main- und im Taubertal – fliegen sie dort, wo Muschelkalk zu finden ist.

Wichtig: Extensive Bewirtschaftung

Wichtig, sagte Ittner, sind vor allem extensiv bewirtschaftete Flächen wie schafbeweidete Magerrasen und trockene Böschungen, die nicht zu früh gemäht werden. Flächen, die gar nicht genutzt werden und deshalb verfilzen und verbuschen, sind nur kurzzeitig für Falter als Lebensraum geeignet. Ittner: „Deshalb wurde auch das Kulturlandschaftsprogramm eingeführt, und zwar auch für Flächen ohne Düngung und Pflanzenschutz sowie verschiedene Schnittzeitpunkte.“

Er ist, wie der Naturschützer selbst betonte, nicht speziell auf Widderchen fokussiert, sondern freut sich generell über alles, was (noch) kreucht und fleucht, wächst und blüht. Ob Kulturpflanzen wie Obst oder Orchideen, ob Ackerwildkräuter, Käfer, Libellen, Vögel – alles hat seinen Reiz.

„Vor kurzer Zeit war ich erfolglos auf der Suche nach Raupen von Dickkopffaltern, dafür konnte ich das erste mal einen Hornklee-Glasflügler entdecken und auch ablichten, aber nur, weil es leicht geregnet hat, sonst wäre er sicher nicht so fotogen gewesen.“ Manchmal braucht es eben Glück – und die Umstände müssen passen, um ein Insekt gut vor die Linse zu bekommen.

Nachtfalter, die am Tag aktiv sind

Der Lebenszyklus der Widderchen ist wie bei anderen Schmetterlingen auch: Eiablage und Überwinterung der Jungraupe in der Laub- oder Moosschicht. Im folgenden Frühjahr frisst die Raupe dann, bis sie erwachsen ist und sich verpuppt.

Obwohl die Widderchen zu den Nachtfaltern gezählt werden, sind fast alle Arten am Tag aktiv, nur sehr wenige fliegen nachts und lassen sich durch künstliches Licht anlocken – eigentlich nur die grünen, die roten nicht, so Ittner.

Ihr Flug ist je nach bewohntem Klimabereich unterschiedlich. Die meisten in Europa, Afrika und Asien lebenden Arten haben einen langsamen, trägen Flug, tropische Arten fliegen sehr schnell und legen kaum Pausen ein.

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