Warum Feuchtwangen in Fußgängerzonen weltweit präsent ist – und es niemand merkt | FLZ.de

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Veröffentlicht am 06.03.2026 07:00

Warum Feuchtwangen in Fußgängerzonen weltweit präsent ist – und es niemand merkt

Der 38-jährige Simon Schulte-Rentrop ist Vorsitzender der Geschäftsführung bei den Vereinigten Papierwerken, deren Hauptstandort sich in Feuchtwangen befindet.  (Foto: Thomas Schaller)
Der 38-jährige Simon Schulte-Rentrop ist Vorsitzender der Geschäftsführung bei den Vereinigten Papierwerken, deren Hauptstandort sich in Feuchtwangen befindet. (Foto: Thomas Schaller)
Der 38-jährige Simon Schulte-Rentrop ist Vorsitzender der Geschäftsführung bei den Vereinigten Papierwerken, deren Hauptstandort sich in Feuchtwangen befindet. (Foto: Thomas Schaller)

In diesem Monat feiern die Vereinigten Papierfabriken (VP) ihr 130-jähriges Bestehen. Ihren Hauptstandort hat die Gesellschaft in Feuchtwangen, wo Simon Schulte-Rentrop, der Vorsitzende der Geschäftsführung (CEO), einen Blick hinter die Kulissen des traditionsreichen Unternehmens ermöglichte.

Beim Pressegespräch präsentierte der 38-jährige Schulte-Rentrop eine Auswahl der Produkte, die von VP hergestellt werden. Auf den Tragetaschen vor ihm prangen die Logos vieler weltbekannter Marken. Welche es genau sind, soll hier nicht verraten werden, denn die Konkurrenz in diesem Geschäft ist hart und Wettbewerber könnten versuchen, VP Aufträge abspenstig zu machen.

Einer der innovativsten Mittelständler

Stolz ist man im Unternehmen, das nach wie vor in Familienbesitz ist, darauf, dass es im Februar in einem Wettbewerb als einer der 100 innovativsten Mittelständler in Deutschland aufgenommen wurde.

Viele der Produkte, die in Feuchtwangen hergestellt werden, werden gar nicht der VP zugeordnet, weiß der noch relativ junge Manager, der seine aktuelle Position 2023 übernahm. Gegründet wurde die Firma 1896 allerdings in München. Die Tragetasche war damals schon eines der ersten Produkte, für das man auch ein Patent bekam. Bis heute ist dieses Produkt als Markenbotschafter in den Fußgängerzonen der Welt bedeutungsvoll: „Mehrere hundert Millionen Taschen gehen pro Jahr bei uns raus”, weiß Schulte-Rentrop, der in Münster wohnt und für seine berufliche Aufgabe nach Feuchtwangen pendelt. Die aufwendige Veredelung sei eine der großen Stärken der Vereinigten Papierfabriken, meint er.

Auch im Papierhandel war man seinerzeit aktiv. Im Lauf der Jahre wurden über zehn Produktionsstätten zugekauft. Dies und die allzu große Produktpalette führten zu Ineffizienzen, erläutert Schulte-Rentrop. Gegenmaßnahmen waren eine Zentralisierung und eine Bereinigung des Portfolios. So verzichtete die Firma zum Beispiel auf die Herstellung von Filtertüten für Kaffee.

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Werk in Feuchtwangen im Jahr 1974 begonnen

1974 begann man mit dem Bau des geografisch günstig gelegenen Werkes in Feuchtwangen. Die Stadt habe außerdem einen attraktiven lokalen Arbeitsmarkt gehabt, berichtet der CEO Schulte-Rentrop, was auf Englisch für Chief Executive Officer steht.

An Bedeutung gewonnen haben in den letzten Jahren medizinische Verpackungen, die hohe qualitative Anforderungen mit sich bringen. Deswegen stieg man in die Reinraumproduktion ein, die es heute in zwei Stufen in Feuchtwangen gibt. Massenprodukte werden hingegen eher im Ausland hergestellt. Werke gibt es unter anderem in Polen und in Großbritannien. „Wir wollen organisch und durch Zukäufe wachsen”, informiert Schulte-Rentrop.

Zurzeit werden an den sechs Standorten der VP Group mit etwa 800 Mitarbeitenden jährlich 150 Millionen Euro Umsatz erzielt. Etwa 450 Mitarbeitende sind am größten Standort Feuchtwangen tätig. „Qualitativ hochwertige Verpackungslösungen” aus Papier und Folie sind das Metier der VP-Group. Dabei sei man „materialoffen”, betont der CEO. Was besser ist, komme auf den individuellen Fall an: „Nachhaltigkeit muss auch ökonomisch Sinn machen”, lautet die Botschaft.

Kunden in über 80 Ländern

Einen Jutebeutel müsse man zum Beispiel 100-mal nutzen, bevor er den ökologischen Fußabdruck einer Papiertüte übertreffe. Papier sei außerdem das Material mit einer der höchsten Recyclingquoten. Um noch nachhaltiger zu werden, setzt das Unternehmen verstärkt auf leichter wiederverwertbare Mono-Produkte aus einheitlichem Material statt auf eine Mischung verschiedener Materialien.

Vier Bereiche gibt es in der VP-Group: Tragetaschen, medizinische Verpackungen vor allem für die Pharmaindustrie, flexible Verpackungen und medizinische Verpackungen für Krankenhäuser, bei denen es vor allem auf die Sterilität ankommt. In letzterem Feld setzt man besonders auf einen guten Kontakt mit den Kliniken, zu denen die Bindung mit deinem vergrößerten Sortiment gestärkt werden soll. So will das Unternehmen im Wettbewerb mit der Konkurrenz aus Asien bestehen. Die Produkte gehen an mehrere Tausend Kunden in über 80 Ländern.

Nachhaltig auf wissenschaftlicher Basis

Die VP Group gehört der Science Based Targets-Initiative an, die eine CO₂-Reduktion auf wissenschaftlicher Basis anstrebt. Dabei geht es darum, die Emissionen tatsächlich zu minimieren, statt nur eine Kompensation über Zertifikate zu erreichen. So deckt das Unternehmen in Feuchtwangen 30 Prozent seines Strombedarfs in Zusammenarbeit mit den Stadtwerken aus einem Solarpark in der Nähe.

Als Belastung empfindet Schulte-Rentrop die nach wie vor wuchernde Bürokratie, bei der sich keine Besserung abzeichne. Vieles, was von der europäischen Ebene komme, sei im Grunde sinnvoll, schieße aber in der Umsetzung weit über das Ziel hinaus.


Thomas Schaller
Thomas Schaller
Redaktion Westmittelfranken/Landkreis Ansbach
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