Das Bezirksklinikum in Ansbach war früher wie ein eigenes kleines Dorf, das sich weitgehend selbst versorgte. Eine Vielzahl von Berufen gab es dort, die dies möglich machten – und unter den Beschäftigten entstand eine regelrechte Familiendynastie, die bis heute bei diesem Arbeitgeber vertreten ist.
Die Berufswelt an den mittelfränkischen Bezirkskliniken hat sich in den letzten Jahrzehnten stark gewandelt. Manche Handwerksberufe sind nicht mehr vertreten, dafür gibt es viel mehr spezialisierte Fachleute, die sich um die Menschen mit psychischen Erkrankungen kümmern oder Verwaltungsaufgaben erledigen.
Dieser Wandel spiegelt sich auch in einer Familiengeschichte, die am Bezirksklinikum im Jahr 1903 mit Rosa Sixt begann. Sie sei auf der Suche nach Arbeit aus dem Bayerischen Wald nach Mittelfranken gekommen und habe hier als Pflegekraft ihre Berufung gefunden, erzählen die aktuellen Familienmitglieder bei einem Treffen in der Alten Bibliothek der Unternehmenszentrale.
Sophia Lummer folgte dem Vorbild ihrer Tante und arbeitete von 1926 bis 1963 in der Psychiatrie. Lummer wiederum war die Urgroßmutter von Justus Zach, der heute die Interne Revision der Bezirkskliniken Mittelfranken leitet. Damit ist er der erste in der Familie, der sich nicht für einen Beruf in der Pflege entschieden hat und dessen Weg trotzdem zu den Bezirkskliniken geführt hat.
Aber zurück zu Sophia Lummer. Sie gründete an den Bezirkskliniken auf eigene Initiative die Beschäftigungstherapie, sammelte Stoffe und brachte Patientinnen und Patienten das Stricken und Nähen bei. Damit wurde der Grundstein für die heutige Ergotherapie gelegt. Auch Justus Zachs Urgroßvater war von 1925 bis 1927 in der Pflege tätig, wechselte aber nach zwei Jahren in einen Handwerksberuf.
In der nächsten Generation waren alle vier Großeltern von Justus Zach in den Bezirkskliniken tätig – Elfriede und Norbert Lummer ebenso wie Andreas und Elfriede Zach. Sie waren Bereichsleitungen, Stationsleitungen, engagierte Mitarbeitende – und lebten teilweise sogar auf dem Klinikgelände. Man habe Unterkunft und Verpflegung gehabt, aber das Schwesternheim sei streng überwacht gewesen, erinnert sich die Familie heute. Die Schwestern hätten beim Ausgehen den Schlüssel an der Pforte abgeben und vor 22 Uhr wieder abholen müssen.
„Mein Großvater Norbert Lummer wuchs in einer Dienstwohnung auf, spielte als Kind in den unterirdischen Gängen und musizierte an Weihnachten für die Patientinnen und Patienten mit seiner Zither”, schreibt Justus Zach in einem Bericht, der zum 75-jährigen Jubiläum der Bayerischen Krankenhausgesellschaft veröffentlicht wurde. „Für uns waren die Patienten ganz normale Leute”, berichtet Norbert Lummer. Er wollte eigentlich Polizist werden. Dann wäre er aber in Rothenburg eingesetzt worden, so dass er dann doch bei den Bezirkskliniken landete.
Später wurde Norbert Lummer Stationsleiter und Personalratsvorsitzender. In dieser Position baute er das Mitspracherecht der Beschäftigten erheblich aus. Justus Zachs Großmutter Elfriede Lummer war über 40 Jahre lang im selben Haus tätig – von der Ausbildung bis zur Bereichsleitung. Auch väterlicherseits führten die Großeltern gemeinsam „mit viel Herz und Verstand” einen Bereich, Stationen und Teams. Jeweils beide Opas und Omas waren gemeinsam in der Pflegeausbildung – erst Klassenkameraden, dann Kollegen und schließlich Schwiegereltern.
Sigrid Lummer-Zach, die Tochter von Norbert und Elfriede Lummer, ist seit 1984 bei den Bezirkskliniken beschäftigt. Sie begleitete schon als Kind ihre Mutter gern zum Dienst, spielte mit Patientinnen und Patienten, ließ sich Geschichten vorlesen oder bekam von ihnen die Haare geschnitten.
Während ihrer Pflegeausbildung lernte sie Peter Zach kennen, der in der Ausbildungsklasse neben ihr saß. Sie heirateten später in der Kirche des Bezirksklinikums. Jakob Zach, der Zwillingsbruder von Justus Zach, ist Fachpfleger in Weiterbildung am Bezirksklinikum und hat dort seine Partnerin Ronja Gastner, ebenfalls Pflegekraft, kennengelernt.
Justus Zach stieg 2018 als erster „Nicht-Pfleger” der Familie bei den Bezirkskliniken ein und absolvierte ein duales Studium im Gesundheitsmanagement. Wenn er in der Mittagspause mit seinem Berner Sennenhund Nila über das Klinikgelände streift, auf dem noch viele weitere Verwandte arbeiten, bewegt ihn nach eigenen Worten das Gefühl, Teil einer Familie zu sein – im doppelten Sinn, denn das ganze Klinikum sieht er als Familie.