In Deutschland haben so viele Menschen einen Jagdschein wie noch nie. 460.711 Jägerinnen und Jäger sind hierzulande aktiv, ein neuer Rekord. Die Jägerschaft ist in Deutschland innerhalb der vergangenen 30 Jahre um mehr als ein Drittel gewachsen, bestätigt der Deutsche Jagdverband. Allein in Bayern sind es derzeit 75.000 Jägerinnen und Jäger, vor allem immer mehr Frauen machen den Jagdschein. Und das, obwohl sich die Jagd stark verändert hat.
Es gibt nach wie vor viele Gründe, warum immer mehr Menschen die Jägerprüfung ablegen. Zu nennen wären hier das Naturerlebnis, der Naturschutz, sowie der Wunsch, sich selbst mit Wildbret zu versorgen. Der Anteil der Jägerinnen liegt derzeit bei rund elf Prozent. Statistisch gesehen kommen inzwischen 5,5 Jägerinnen und Jäger auf 1000 Einwohner in Deutschland. Interessant dabei ist auch der Aspekt, dass bei vielen gänzlich der familiäre jagdliche Hintergrund fehlt. Jäger stammen gemeinhin aus Jäger- oder Försterfamilien. Jäger sind naturverbundene Menschen aus dem ländlichen Raum, und nicht zu vergessen der Adel und bestimmte bessere Kreise, wo der Jagdschein einfach zum guten Ton gehört.
Aber es zieht auch immer mehr Städter ins Waidwerk. Die Sehnsucht der Menschen, in der Natur zur Ruhe zu kommen, ist hier ein wichtiger Aspekt. Hört man sich um, sind die Jungjäger immer wieder erstaunt, was das Waidwerken mit sich bringt. So zum Beispiel beim angehenden Jungjäger Roland Förtsch (43) aus Burghaslach: „Da ich etwas Wald und Langwaffen geerbt habe, stand ich vor der Wahl. Jagdschein oder Schützenverein? Als ich mich für den Jagdschein entschieden habe, habe ich schnell gemerkt, dass ich dank des Waldbauunterrichts und den biologischen Zusammenhängen von Wald und Wild meinen Wald zukunftsfähig machen kann und profitiere schon jetzt vom Jagdkurs.“
Natürlich sind es auch die Kontakte zu Jägern, die prägen. In diesem Fall war es die Deutsch-Drahthaarhündin Asta, die das Herz von Andrea Feilner (51), ebenfalls aus Burghaslach, im Sturm in ihrer Jugend erobert hat. „Das war immer mein Traum, mit einem solchen Tier zu arbeiten. Mit 40 Jahren habe ich dann die Anmeldung zum Jagdschein unterschrieben und jetzt habe ich auch eine Asta.“
Immer wieder ist zu hören, welche Bereicherung und welchen persönlichen Bonus man aus dem Jagdwissen ziehen kann, abgesehen vom Jagen an sich. Auch der Wunsch nach nachhaltigem Essen spielt hier eine Rolle, da kann ein Wildkochkurs der Grund sein oder die selbst gemachte Wildsalami schmeckt morgens auf dem Brötchen einfach besser.
Allerdings hat sich die Jagd in den vergangenen 30 Jahren stark gewandelt. Idyllisch dem Waidwerk frönen war gestern. Die Zeit der Sonntagsjäger ist vorbei. Klimawandel setzt dem Wald zu, eine intensive Bejagung des Schalenwildes ist unerlässlich, das ist von Verpächtern und Pächtern gewünscht. Hier ist es die Kunst, die intensive Bejagung mit Achtung jedes einzelnen Geschöpfs in Einklang zu bringen.
Keine leichte Aufgabe. Die Jagd wird immer anspruchsvoller, da das Wild immer heimlicher wird. Heutzutage ist es wichtig, eine Jagdgeneration mit hoher Fachkompetenz auszubilden, um die derzeitigen und zukünftigen Probleme durch Klimawandel und Zuwanderung von Wolf und Luchs gerecht zu werden.