Warnung vor Borkenkäfern: Wälder werden in kürzester Zeit zerstört | FLZ.de

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Veröffentlicht am 13.03.2024 11:00

Warnung vor Borkenkäfern: Wälder werden in kürzester Zeit zerstört

Anhand einer vom Borkenkäfer befallenen Rinde zeigte Andreas Egl (rechts), wie das Insekt den Bäumen die Lebensgrundlage raubt. Dr. Peter Pröbstle (links) schilderte die Gesamtsituation. (Foto: Thomas Schaller)
Anhand einer vom Borkenkäfer befallenen Rinde zeigte Andreas Egl (rechts), wie das Insekt den Bäumen die Lebensgrundlage raubt. Dr. Peter Pröbstle (links) schilderte die Gesamtsituation. (Foto: Thomas Schaller)
Anhand einer vom Borkenkäfer befallenen Rinde zeigte Andreas Egl (rechts), wie das Insekt den Bäumen die Lebensgrundlage raubt. Dr. Peter Pröbstle (links) schilderte die Gesamtsituation. (Foto: Thomas Schaller)

Zu Tausenden stehen sie in den Startlöchern, um den Fichtenwäldern den Garaus zu machen: Borkenkäfer könnten sich auch in diesem Jahr massenhaft vermehren, wenn die Waldbesitzer jetzt nicht wieder anfangen, ihre Bäume auf einen Befall hin zu kontrollieren.

Probleme mit Borkenkäfern hat es auch früher schon gegeben, weiß Dr. Peter Pröbstle, der Präsident der bayerischen Landesanstalt für Wald- und Forstwirtschaft. Vor allem nach großen Stürmen traten sie vermehrt auf. In den Folgejahren klang die Zahl der Insekten aber wieder ab. Jetzt, in den Zeiten des Klimawandels, müssen die Käfer dauerhaft in Schach gehalten werden. Dazu kommt, dass nun in einem Jahr drei statt bisher zwei Generationen der gefräßigen Tiere heranwachsen.

Zeit gewinnen für die neuen Mischwälder

Reine Fichtenwälder haben in Franken auf Dauer keine Zukunft. Dafür machen ihnen steigende Temperaturen, Dürre und Stürme zu sehr zu schaffen. Aber durch die Bekämpfung der Borkenkäfer gewinnt man Zeit, um zukunftsfähige Mischwälder aufzubauen, erläuterte Andreas Egl, Bereichsleiter Forsten am Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Ansbach bei einem Ortstermin im Waldgebiet „Großer Lenker“, das zu Lehrberg gehört. Gibt es noch Altbäume, bilden sie eine Art Schirm über den jungen Bäumen, die sonst konkurrierenden Pflanzen wie Gras und Brombeeren, Mäusen, Sonnenstrahlen, Hitze und Frost schutzlos ausgeliefert sind.

Die beiden Borkenkäferarten Buchdrucker und Kupferstecher unterbrechen die Nährstoffzufuhr in befallenen Bäumen. Innerhalb weniger Monate können ganze Wälder absterben. Das Holz kann nur mit Preisabschlägen verkauft werden und die Wiederaufforstung ist schwierig und aufwendig. In Bayern sind nach den Worten von Andreas Egl allein im letzten Jahr mehrere Tausend Hektar Kahlflächen.

Waldbesitzer müssen Vorgaben einhalten

Umso wichtiger ist es, dass Waldbesitzer von Anfang April bis Ende September regelmäßig alle vier Wochen nach Bohrmehl im unteren Stammbereich suchen. Auch Borkenkäferfallen kommen zum Einsatz. Wenn sie fündig werden, haben sie drei bis vier Wochen Zeit, befallene Fichten aufzuarbeiten und mindestens 500 Meter aus dem Wald heraus zu fahren. Dann geht keine Gefahr mehr von ihnen für benachbarte Baumbestände aus. Auf den Einsatz von Insektiziden will man möglichst verzichten. Im Winterhalbjahr reicht eine einmalige Untersuchung.

Um die Waldbesitzer auf ihre Pflicht zur Überwachung hinzuweisen, hat die Regierung von Mittelfranken eine entsprechende Anordnung erlassen, die Anfang des Jahres in Kraft trat und bis Ende 2028 gilt. „Der Wald ist wichtig“, sagte Regierungspräsidentin Dr. Kerstin Engelhardt-Blum dazu und nannte neben dem Wirtschaftsfaktor und der ökologischen Bedeutung auch den Erholungswert des Forstes. Wer sich als Waldbesitzer nicht an die Vorgaben hält, wird zunächst daran erinnert und ermahnt. Möglich ist aber auch eine Ersatzvornahme, wobei der Eigentümer dann eine Rechnung bekommt, erklärte Peter Pröbstle. Vorrangig setzt er aber auf eine freiwillige Zusammenarbeit.


„Unser Wald ändert sich in einer Geschwindigkeit, die wir uns nicht vorstellen konnten“.

Peter Pröbstle

Teilweise sind die Besitzer aus unterschiedlichen Gründen mit den nötigen Waldarbeiten überfordert. Unterstützung gibt es in solchen Fällen von den Forstbetriebsgemeinschaften (FBG), informierte Hans Binder, der stellvertretende Vorsitzende der FBG Ansbach-Fürth. Binder wies darauf hin, dass der Waldumbau staatlich gefördert wird.

Eine positive Botschaft hatte Peter Pröbstle auch mitgebracht: In Mittelfranken wird es weiter Wälder geben, allerdings werden sie anders aussehen als heute. „Unser Wald ändert sich in einer Geschwindigkeit, die wir uns nicht vorstellen konnten“, sagte er. Das Erfahrungswissen aus der Vergangenheit gelte nicht mehr.

Bei Neupflanzungen setzt man vorrangig auf heimische Arten, die mit dem Klimawandel zurechtkommen. Aber auch Bäume, die aus anderen Gebieten kommen, könnten gesetzt werden, wenn sie den klimatischen Bedingungen gerecht werden.


Thomas Schaller
Thomas Schaller
Redaktion Westmittelfranken/Landkreis Ansbach
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