Warme Wollsocken für alle: Neue Handarbeits-Gruppe in Bad Windsheim | FLZ.de

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Veröffentlicht am 01.01.2026 14:13

Warme Wollsocken für alle: Neue Handarbeits-Gruppe in Bad Windsheim

Diese Hände haben in ihrem Leben schon unzählige Maschen angeschlagen und viele Wollsocken vollendet.  (Foto: Nina Daebel)
Diese Hände haben in ihrem Leben schon unzählige Maschen angeschlagen und viele Wollsocken vollendet. (Foto: Nina Daebel)
Diese Hände haben in ihrem Leben schon unzählige Maschen angeschlagen und viele Wollsocken vollendet. (Foto: Nina Daebel)

Nach Weihnachten ist vor Weihnachten. So sehen es zumindest die Frauen, die sich immer dienstags im Steinhaus in Bad Windsheim treffen, um gemeinsam ihrem schönsten Zeitvertreib nachzugehen: dem Stricken. Sie stricken so viel und gerne, dass sie die fertigen Handarbeiten verschenken. Und zwar das ganze Jahr über.

„Stricken dauert seine Zeit”, sind sich die fünf Frauen einig, die sich diesmal um einen Tisch herum gesetzt und ihr Nähzeug ausgepackt haben. Mittlerweile kommen bis zu acht Handarbeiterinnen. Das leise Klimpern der aufeinander schlagenden Nadeln zieht durch den Raum. Alle sind konzentriert, trotzdem wird immer wieder nebenbei geplaudert. „Das geht gleichzeitig, wir sind Frauen, wir können das”, sagt eine von ihnen, die anderen stimmen dem zu und dann wird gemeinsam gelacht.

Auch neben dem Fernsehgucken könne man dieser Handarbeit wunderbar nachgehen. Vor allem, wenn mal wieder nichts Vernünftiges gesendet wird. Doch gemeinsam zu stricken, sei sehr viel unterhaltsamer. Es wird immer wieder ein Thema gefunden, manchmal fällt irgendein Stichwort und es folgt eine lange Unterhaltung, zu der jeder im Kreis etwas beiträgt.

„Hier geht die Zeit ganz anders vorbei”

Dass es diese Handarbeitsgruppe nun seit einigen Wochen im Steinhaus in Bad Windsheim gibt, war die Idee der 77-jährigen Elfriede aus Obernzenn, die dort ebenfalls eine solche Gruppe ins Leben gerufen hat. Denn sich nebenbei zu unterhalten und die anderen nach Tipps und Tricks zu fragen, wenn man mal nicht weiter wisse, sei eine willkommene Abwechslung. „Daheim sitzt man allein, hier geht die Zeit ganz anders vorbei”, sagt Elfriede, die ihren Nachnamen nicht in der Zeitung lesen will.

Doch egal, wann und wo man der Handarbeit nachgeht, eines sei gewiss: Wer strickt, tue etwas Sinnvolles und etwas Gutes für sich selbst. „Es beruhigt den Kreislauf, die Hände sind beschäftigt und dann kann man auch keine Schokolade essen”, sagt Monika Kulas. Für die 70-Jährige ist Stricken wie Meditation. Man konzentriert sich auf das Wesentliche und lasse dabei etwas entstehen.

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Die Ergebnisse werden meist innerhalb der Familie verteilt oder an Freundinnen und Freunde verschenkt. Längst vorbei seien die Zeiten, in denen Enkelinnen und Enkel die gestrickten Präsente von der Oma mit einem gepressten Lächeln dankend annahmen und sie anschließend in der hintersten Ecke des Schranks verstauten. Das Gegenteil ist der Fall. Die Einzelstücke sind bei den Jungen mittlerweile begehrt und liegen voll im Trend.

Enkel bestellte eine „Clubberer-Mütze”

„Ich arbeite nur auf Bestellung”, sagt Monika Kulas. Die würden ihre Enkelinnen und Enkeln regelmäßig einreichen und seien durchaus sehr konkret. Beliebt seien Bettsocken oder warme Socken zum Skifahren. Aber auch eine „Clubberer-Mütze” hat sie schon gestrickt. Die Vorlage dazu kam von ihrem Enkel, der sie mit Buntstiften gezeichnet hatte. Was die 70-Jährige dabei gelernt hat: Rot ist nicht gleich Rot. So dürfe man beispielsweise rote Wolle für Mützen des FC Bayern München auf keinen Fall auch für eine Mütze des FCN verwenden. „Das sind zwei völlig verschiedene Rot-Töne.”

Dass ihr Enkel mit der Mütze zum Clubspiel nach Nürnberg gegangen ist und von vielen Fans gefragt wurde, woher er denn „die coole Mütze” hätte und wo man die kaufen könnte, hat die 70-Jährige sehr gefreut. Und dass ihr Enkel stolz gekontert hätte, dass seine Oma das gute Stück nur für ihn gestrickt hat und es damit nirgends zu kaufen sei, hat ihre Freude geradezu gekrönt.

Ähnliche Geschichten haben auch die anderen Frauen des Strick-Kreises zu erzählen. Bei der Enkelin von Elfriede war es der außergewöhnliche Motiv-Pullover mit Enten, Schilf, einer Katze und einem Pferd, der Begehrlichkeiten bei den Mitschülerinnen weckte. Dass ihre Handarbeiten derart geschätzt, getragen und gewünscht werden, bestätigt die Frauen und zeigt ihnen immer wieder aufs Neue, dass ihr Tun einen Sinn hat.

„Socken für alle” ist bei jeder von ihnen ein Muss. Die werden das ganze Jahr über gestrickt. Dabei bleibt aber immer noch Zeit für nicht Alltägliches, darunter eine Star-Wars-Baby-Mütze, eine Babydecke, Norwegerpullover, Frühchensocken oder Loops. Was indes keine gerne strickt, sind Fingerhandschuhe. „Das ist eine Strafe”, sind sie sich einig. Doch die Welt werde ja besser. So seien aktuell nur Handstulpen gewünscht, weil das Handy ja noch bedient werden müsse.

Wohnzimmerdecke und Norwegerpullover

Das Stricken von Socken geht den Frauen leicht von der Hand. Die Ferse sei anfangs aber durchaus eine Herausforderung gewesen. Denn es gebe fünf verschiedene Arten, sie zu stricken. Die 67-jährige Karoline, die ihren Nachnamen ebenfalls nicht verrät, hatte sich die Ferse einst von ihrer Mutter zeigen lassen. Doch als sie es daheim selbst machen wollte, hatte sie die einzelnen Schritte schon wieder vergessen. Die Mutter noch einmal danach fragen, wollte sie nicht. Stattdessen ist sie zur Nachbarin gegangen, die ihr den Vorgang noch einmal detailliert und langsam gezeigt hat.

Für sich selbst stricken die Frauen auch immer mal wieder. Es bleibt allerdings eher die Ausnahme. Eine hat sich fest vorgenommen, sich eine Wohnzimmerdecke anzufertigen. „Ich hoffe, dass ich das noch erlebe”, sagt sie und schmunzelt. Eine andere plant einen Norwegerpullover für sich selbst. Das Zeitfenster dafür hat sie schon geplant und will daran festhalten. „Egal, was passiert.”

Aktuell sind es bis zu acht Frauen, die sich dienstags zwischen 14 und 16 Uhr im Steinhaus in Bad Windsheim treffen und gemeinsam stricken. Weitere Interessierte sind willkommen – und zwar unabhängig davon, wie viel Vorerfahrung jemand hat. Man muss aber nicht zwangsläufig jede Woche kommen. „Wir machen das fränkisch: Wer kommt, ist da”, heißt es. Und wichtig: Auch Männer sind willkommen.

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