Was ist mit dem Glasfaserausbau passiert, den die Telekom Anfang 2023 angekündigt hat? Eigentlich sollte zumindest im südlichen Stadtgebiet seit Ende des vergangenen Jahres alles funktionieren. Doch die Pläne von damals liegen längst im Papierkorb. Wie geht es nun weiter?
„Der Ausbau hat noch nicht begonnen”, teilte die Telekom auf FLZ-Anfrage mit. „Wir suchen derzeit nach einem Baupartner, mit dem wir das Projekt umsetzen können”, schreibt Dr. Markus Jodl von der Unternehmenskommunikation.
Die Arbeiter hatten im Frühjahr 2024 mit dem Aufreißen der Oberhäuserstraße und dem Verlegen erster Leitungen begonnen – knapp ein halbes Jahr später als eigentlich angekündigt. Doch das war ein kurzes Intermezzo. Zunächst gab es einen Wechsel der Firma, wie Anwohner berichten. Dann waren die Bautrupps komplett verschwunden. Das ist nun mehr als ein Jahr her.
„Wir waren mit der Qualität des ursprünglichen Baupartners nicht zufrieden”, stellte die Telekom-Pressestelle auf FLZ-Anfrage unverblümt fest. Zum aktuellen Zeitpunkt lasse sich zum weiteren Zeitplan wenig sagen. Da noch keine Baufirma gefunden sei, gebe es keine seriöse Einschätzung, wann der erste Bauabschnitt fertiggestellt wird. Von den weiteren Teilabschnitten, in die die Telekom Ansbach eingeteilt hat, gar nicht erst zu reden. Das ist erst Thema, „wenn wir den ersten Teilabschnitt abgeschlossen haben”.
Auf der Seite www.telekom.de/glasfaser bekommt man für Adressen in diesem Bereich die vage Auskunft, dass der Anschluss zwischen „Ende März 2026 bis Ende Dezember 2028” zur Verfügung stehen soll. Trotz allem will der Konzern den Glasfaserausbau in Ansbach auf eigene Kosten durchziehen. „Die Entscheidung steht und daran halten wir fest.”
Sollte es gelingen, im Vorfeld möglichst viele Bürgerinnen und Bürger von einem Glasfaseranschluss bei der Telekom zu überzeugen, würde das den Druck auf einen schnellen Ausbau natürlich erhöhen, lässt Jodl durchblicken. „Natürlich wird eine erfolgreiche Vermarktung bei der Bewertung von Ansbach bei zukünftigen Ausbauvorhaben eine Rolle spielen.”
Der erste Bauabschnitt, den die Telekom in ihren Planungen vorsieht, umfasst das Gebiet südlich der Rezat und erstreckt sich zwischen dem Hohenzollernring und dem Hofgarten bis zum südlichen Ortsausgang. In zwei weiteren Schritten sollen ein Gebiet östlich des Brücken-Centers bis nach Eyb und schließlich der Nordwesten mit dem Weinberg erschlossen werden. Der Zeitplan ist allerdings durch den entstandenen Stopp völlig offen.
Wer sein Haus in der Ausbauphase anschließen lässt, muss nichts bezahlen. Wer das später nachholen will, muss sich mit etwa 800 Euro an den Kosten beteiligen. Um den Anschluss ins Haus legen zu können, braucht die Telekom die Erlaubnis der Grundstückseigentümer. Grundsätzlich ist es möglich, nur den Anschluss legen zu lassen und erst später einen Vertrag abzuschließen. Allerdings zeigt die Erfahrung, dass man bei den Beratern, die an der Tür klingeln, gezielt danach fragen muss.
Und auch bei einem Antrag im Internet ist die Option gut versteckt. Man muss erst einmal so tun, als wolle man auch einen Tarif haben und kann dann an einer Stelle kleingedruckt den Punkt „Anschluss ohne Tarif für Vermieter“ finden.Je nach Geschwindigkeit kostet ein Vertrag für die Glasfasernutzung bei der Telekom zwischen knapp 50 und fast 80 Euro im Monat, wenn die vergünstigte Startphase vorbei ist.
Die Angst, mit einem jetzt abgeschlossenen Glasfaservertrag über den Tisch gezogen zu werden, ist immerhin unbegründet. „Wenn ein Glasfasertarif beauftragt wird, wird dieser freigeschaltet, sobald Glasfaser verfügbar ist. Bis dahin bleibt der bisherige Vertrag beim alten Anbieter bestehen”, stellt die Telekom klar. „Niemand muss sich Sorgen machen, dass er in einen schlechteren Vertrag hineingezogen wird oder für eine Leistung zahlen muss, die er nicht nutzen kann.”
In jüngster Zeit haben sich in der FLZ-Redaktion wieder mehrere Leserinnen und Leser gemeldet, weil die Berater an der Haustür sehr vehement auftraten, um einen Vertrag abzuschließen. Angeblich wird immer wieder behauptet, der Glasfaseranschluss sei nur nutzbar, wenn man direkt einen Vertrag abschließt. Natürlich kann man nur mit einem entsprechenden Vertrag das bis zu 1 Gigabit schnelle Glasfasernetz nutzen, aber den Anschluss kann man eben sehr wohl auch nur ins Haus legen lassen, um später noch einen Vertrag abzuschließen. Das kann dann auch bei einem anderen Anbieter sein, wenn diese mit der Telekom kooperieren.
„Wir müssen beim Glasfaserausbau in jedes Haus und in jede Wohnung. Deshalb ist der Vertriebskanal ,Direktvermarktung' beim Glasfaserausbau sehr wichtig”, betont Jodl. Parallel setze das Unternehmen auf Postwurfsendungen, Pressearbeit und Werbung. Aber: „Wenn wir von dem Kunden keine Zusage erhalten, können wir sein Haus, seine Wohnung nicht anschließen.”
Die Telekom arbeite für die Direktvermarktung seit Langem mit der Firma Ranger als Partner zusammen. Ranger hat sich auf das Marketing im großen Stil spezialisiert. Es gibt im Netz allerdings zahlreiche Klagen über unseriöses Auftreten von Mitarbeitern der Firma. Jodl rät in einem solchen Fall den Verstoß direkt bei der Firma Ranger zu melden (www.ranger.de). Es werde jedem Fall nachgegangen, versichert die Telekom, gegebenenfalls würden auch personelle Konsequenzen gezogen.