Seine Liebe zu Pflanzen hatte keinen bestimmten Auslöser oder ein Startdatum, sagt Mirco Franz. Sie war einfach schon immer da. Vor vier Jahren machte sich der gelernte Gärtner zum ersten Mal in Unterfranken selbstständig. Nun folgt ein zweites Geschäft – in seiner Heimatgemeinde Ipsheim.
Auf dem Anwesen, das er für den Laden ausgewählt hat, war schon früher eine Gärtnerei betrieben worden, erzählt Mirco Franz – und zwar von seinen Großeltern Horst und Irmgard Thienel. 1999 haben sie das Geschäft aufgegeben. Besonders den alten Ipsheimern sind sie noch bestens bekannt. Heute ist von der damaligen Gärtnerei nur ein Gewächshaus übrig.
Die Leidenschaft für Grünes wurde Mirco Franz also quasi ein wenig in die Wiege gelegt. Er will an die Geschichte seiner Großeltern anknüpfen. Zwei Wohnhäuser stehen auf dem Grundstück in der Waldstraße. Das ältere der beiden, das Elternhaus des Opas, war bislang ungenutzt, der 29-Jährige hat es über Monate zur Blumenwerkstatt umgebaut. „Ich bin jemand, der keinen Leerstand mag“, sagt er.
Hier und da helfen nun auch die Großeltern wieder mit. Beispielsweise beim Selbstbedienungsstand, der im März öffnete. „Der Zusammenhalt ist da. Aber ich möchte, dass ich sie größtenteils aus dem Geschäft raushalte, damit sie ihren Ruhestand genießen können”, sagt der Enkel. „Die haben genug geschafft in ihrem Leben.“
Am 24. Dezember 2023 hatte Mirco Franz begonnen, die Räume auszuräumen. Seitdem arbeitet er kontinuierlich an deren Renovierung. Eröffnen will er den Laden mit einem kleinen Fest an diesem Samstag. Die Renovierung „läuft bis Freitag“, sagt er, lacht und zeigt sich zuversichtlich: „Das kriegen wir hin.“ 90 Prozent hat er in Eigenleistung gestemmt – „von der Elektrik bis zu Wanddurchbrüchen“. Teils halfen ihm Freunde und Bekannte mit handwerklicher Expertise. Rund 25.000 Euro hat Mirco Franz investiert.
Der 29-Jährige ist gelernter Gärtner mit der Fachrichtung Baumschule. Tätig war er aber bereits in verschiedenen Berufsfeldern, arbeitete als Baumschulgärtner, als Zierpflanzengärtner, als Leiter der Gartenabteilung eines Baumarktes sowie eines Flora- und Aqua-Gartenmarktes, als leitender Parkgärtner in einem Privatpark oder auch als Stadtgärtner im öffentlichen Dienst.
Der Laden in Ipsheim ist das zweite eigene Geschäft des 29-Jährigen. Das erste Mal wagte er im Corona-Jahr 2020 den Schritt in die Selbstständigkeit mit der Eröffnung eines Blumenladens im unterfränkischen Ebelsbach. Der Liebe wegen hatte es ihn dorthin gezogen. „Ich wollte immer mein eigenes Ding machen. Das war immer mein Traum.“ Sein Umfeld hat das stets mitgetragen, sagt er, gibt aber zu: „Es hat gedauert, bis ich alle überzeugt hatte. Ich hab’ dran geglaubt, und es ist geworden. Und das wird jetzt auch wieder.“
Teils liegen herausfordernde Zeiten hinter ihm. Als gerade einmal 25-Jähriger gründete er mitten in einer Pandemie – „ohne Kredite oder Zuschüsse“ –, ging damit ein Risiko ein. Immer wieder reinvestierte er. „Wir sind ganz klein herausgewachsen“, erzählt Franz.
Mittlerweile steht das Geschäft gut da, hat sich etabliert. „Jetzt war der Moment da, an dem ich gesagt habe: Wir vergrößern uns in der Heimat.“ Schönes für Wohnen und Garten will er den Menschen in der Region in der Blumenwerkstatt bieten.
Die Distanz zwischen Ipsheim und Ebelsbach ist für Mirco Franz Fluch und Segen zugleich. Jede Woche legt er etliche Kilometer zurück, andererseits kommen sich die beiden Geschäfte gegenseitig nicht in die Quere. „Dienstagabend sperre ich den Laden in Ebelsbach zu, fahr nach Ipsheim, bleibe bis Donnerstagfrüh. Dann geht es über den Großmarkt wieder nach Hause. Und samstags um 13 Uhr mache ich den Laden wieder zu und fahr wieder hierher. Ein straffer Zeitplan, aber es ist zu schaffen.“ So praktiziert Mirco Franz das nun seit Heiligabend 2023.
Aufgrund des Betriebsurlaubs im unterfränkischen Geschäft, stemmt der 29-Jährige Ipsheim zunächst alleine. Im September löst ihn eine angestellte Floristin ab. „Wir schauen erstmal, wie das funktioniert und stocken bei Bedarf das Personal auf.“ Seine Angestellten haben für Mirco Franz Priorität, denn es ist schwer, gute Leute zu finden, berichtet er.
Eine „anständige Preisgestaltung“ will der 29-Jährige anbieten. „Ich bin außerdem Fan davon, Orte zu beleben“, erklärt er, ist das sonstige Angebot an Geschäften – mit Ausnahme zahlreicher Winzer – in der Weinbaugemeinde doch überschaubar.
Einen Ort schaffen, den man gerne besucht, das ist das Ziel von Mirco Franz. Aufgrund der Konkurrenz, sei es in Supermärkten oder Baumärkten, ist die Blumenbranche freilich keine leichte. „Aber ich glaube daran, dass es nach wie vor einen Kundenstamm gibt, der Qualität und die Nähe zum Verkäufer schätzt.”