Mindestens 59 Einwohner Wallersdorfs waren bitter enttäuscht, als der Ansbacher Stadtrat auf seiner Sitzung am 31. Januar den Weg frei gemacht hat für den Neubau einer Häuserzeile am östlichen Rand des Ortsteils. Diese 59 Anwohner stehen auf einer Unterschriftenliste, die sich gegen den Bau dieser fünf Häuser wendet.
Auf der Liste stehen sowohl Anwohner des bestehenden, angrenzenden Neubaugebiets als auch Bewohner des Altorts. „Ich habe Angst, dass wir absaufen“ sagt Susanne Frieß. Schon jetzt bekommen die Wallersdorfer bei Starkregen nasse Füße, weil die Wassermassen von den hochgelegenen landwirtschaftlichen Flächen ungehindert abfließen.
„Schon jetzt liegen im Dorf die Sandsäcke bereit“, sagt Michael Stock, da sei die Frage, ob die vorhandenen Rückhaltebecken ausreichen. Noch mehr Bodenversiegelung, ist die Befürchtung, kann das bestehende Abwassersystem nicht schaffen. „Es wird ja nicht bei den fünf Häusern bleiben“, befürchtet Stock. Für Susanne Frieß sind auch weitere Fragen noch ungeklärt: „Wie kommt das Müllauto dann hier rein – und wer räumt im Winter den Schnee?“
Eine ganze Reihe Gegner der Bebauung kommen aus dem Altort. Dort in der Dorfmitte muss der gesamte Verkehr für das bereits bestehende Baugebiet durch eine enge, unübersichtliche Kreuzung.
Zusätzlicher Verkehr, so die Befürchtung, könnte bei weiterer Bebauung die kritische Situation noch verschärfen. Im Jahr 2015 sei die geplante Bebauung schon einmal Thema gewesen, erinnert man sich in Wallersdorf. Damals sei der Stadtrat zum Augenschein-Termin erschienen und habe sich schließlich gegen das Projekt entschieden. „An der Situation hat sich aber nichts geändert“, sagt Michael Stock, „also warum hat man jetzt anders entschieden?“
Was damals galt, gelte noch heute und mache das Bauprojekt extrem teuer: Denn um die fünf geplanten Eigenheime auf dem jetzigen Acker zu erschließen, muss der bestehende Feldweg mit der entsprechenden Infrastruktur zu einer Straße ausgebaut werden. Und von dieser Straße muss eine Erschließungsstraße mit Wendehammer Richtung Süden gebaut werden. Darüber hinaus müsse man noch einen Fußweg zur Ortsmitte erstellen. Hinzu komme, wenden die Gegner ein, dass der Flächenverbrauch für fünf Häuser immens wäre.
Zusätzlich geht es auch um die 15 Jahre alte Randbegrünung der bestehenden Siedlung, die Ausgleichsfläche ist. Sie ist zu erhalten oder bei Verlust durch die neue Bebauung auszugleichen. Außerdem muss auch die neue Häuserzeile eine Eingrünung erhalten und eine Ausgleichsfläche geschaffen werden.
Der Stadtrat hat mit seinem Beschluss aber festgelegt, dass diese ganzen Kosten ausschließlich vom Bauwerber zu tragen sind und der Stadt und den Nachbarn keine Kosten entstehen dürfen.
„Das rechnet sich nicht“, sind sich die Anwohner sicher. Eigentlich müsse man die Bauwerber vor sich selbst schützen: „Man kann das natürlich laufen und an den Kosten scheitern lassen.“
Pikant: Beim Vergleich der bestehenden Bebauungspläne mit Luftbildern haben die Gegner des Projekts neun freie, fertig erschlossene Bauplätze im Ort entdeckt.