Das Bewerberfeld um die Erststimmen bei der Bundestagswahl ist diesmal im Vergleich zum Urnengang von 2021 deutlich ausgedünnt. Waren vor dreieinhalb Jahren noch 13 Kandidaten (im Wahlkreis Fürth) beziehungsweise 14 (im Wahlkreis Erlangen) am Start, so sind es diesmal nur neun (Fürth) beziehungsweise acht (Erlangen).
Neben den in den Parlamenten bereits vertretenen Parteien CSU, SPD, Grüne, FDP, AfD, Linke und Freie Wähler sind in der hiesigen Region nur noch Direktkandidaten von ÖDP und Volt im Rennen. Die relativ junge Partei Volt gelang dabei in beiden Wahlkreisen eine Kandidatur. Die ÖDP kann nur im Wahlkreis Fürth um Erststimmen werben; im Erlanger Wahlkreis scheiterten sie an einer Zulassungshürde: Sie hatte nur 198 statt der nötigen 200 Unterstützungsunterschriften.
Der Kandidat der Ökodemokraten im Fürther Wahlkreis ist Tristan Billmann. Der 28-Jährige ist ledig und führt – seit dem Abschluss seines Landwirtschaftsstudiums in Triesdorf – im Emskirchener Ortsteil Gunzendorf einen Hof als Biolandwirt im Vollerwerb. Billmann war bereits bei den bayerischen Landtagswahlen 2023 der Direktkandidat seiner Partei, in deren Landesvorstand er seit vorigem Jahr Beisitzer ist.
Als zentrale Themen listet er den Klimawandel und das Artensterben auf. Er merkt an, Deutschland könne das Weltklima nur marginal beeinflussen, aber: „Wir können als Vorbild anderen Ländern zeigen, dass es geht“, weshalb er für eine „großzügige und langfristiger Unterstützung der Forschung und Entwicklung“ plädiert. Ohne sollten politische Entscheidungen „die wissenschaftliche Erkenntnisse berücksichtigen“, findet Billmann
Soziale Gerechtigkeit (vor allem bezahlbare Mieten) und ein verstärkter Ausbau erneuerbaren Energien sind ihm ebenfalls wichtig. Eine Verkehrswende hält er ganz im Sinne der ÖDP für unumgänglich, wofür er ein „Moratorium für den Straßenneubau“ fordert, um Gelder für „die dringend benötigte Sanierung von Bahninfrastruktur und Brücken“ freizumachen. Vom künftigen Kanzler erwartet Billmann, dass dieser die künftig unausweichlichen Einschränkungen einer luxuriösen Lebensweise „schonungslos mitteilt“.
Der 26-jährige Andreas Schmidtell aus Fürth ist von Beruf Prüfelektroniker. Er hatte schon 2021 für Volt als Direktbewerber im Fürther Wahlkreis kandidiert, allerdings nur wenig mehr als 600 Stimmen (0,3 Prozent) bekommen. Er lag damit auf Platz elf unter den damals 13 Kandidatinnen und Kandidaten.
Als seine politischen Schwerpunkte nennt er die Außen-, Verteidigungs- und Klimapolitik sowie die Reform Europas. Insbesondere plädiert er für gemeinsame europäische Streitkräfte. Eine stärkere Zusammenarbeit in Europa soll zum langfristigen Ziel einer vereinten Föderation führen. Die Stromproduktion in Europa solle unabhängig von äußeren Faktoren werden.
Seine Parteikollegin Verena Röckelein tritt im Wahlkreis Erlangen an, zu dem auch die VG Uehlfeld gehört. Volt hatte bei den 2021er-Wahlen dort keinen Direktmandatsbewerber am Start.
Die 39-Jährige aus Höchstadt ist Lehrerin, verheiratet und Mutter dreier Kinder. Sie plädiert für einen sozialen Ausgleich durch die erneute Einführung einer Vermögenssteuer und die Reform der Erbschaftssteuer. Das Bildungswesen soll reformiert werden, um Bildungserfolge unabhängig von der Herkunft zu gewährleisten und Familien zu entlasten. Und auch Röckelein will mehr europäische Zusammenarbeit.
Die europäische Perspektive ist ohnehin ein Kennzeichen von Volt, jedenfalls unterstreichen Röckelein und Schmidtell diesen Aspekt. Man wolle „ein starkes Europa, das sich gegen Autokratien in der Welt behaupten kann“, so Röckelein. Volt, so erklären sie, stehe für Pragmatismus und Optimismus. Eine smarte und klimaneutrale Wirtschaft steht laut Röckelein ebenso auf der Volt-Agenda wie eine Entbürokratisierung durch Digitalisierung.