Vorbildliche Sanierung des Weinturms in Bad Windsheim | FLZ.de

foobarious
arrow_back_rounded
Lesefortschritt
Veröffentlicht am 16.05.2025 17:00

Vorbildliche Sanierung des Weinturms in Bad Windsheim

Der Weinturm wurde immer wieder zerstört und neu aufgebaut. Das Ergebnis ist ein ziemlicher Material-Mix. (Foto: Bezirk Mittelfranken/Julia Krieger)
Der Weinturm wurde immer wieder zerstört und neu aufgebaut. Das Ergebnis ist ein ziemlicher Material-Mix. (Foto: Bezirk Mittelfranken/Julia Krieger)
Der Weinturm wurde immer wieder zerstört und neu aufgebaut. Das Ergebnis ist ein ziemlicher Material-Mix. (Foto: Bezirk Mittelfranken/Julia Krieger)

Acht vorbildlich renovierte Denkmäler in den Landkreisen Neustadt/Aisch-Bad Windsheim und Ansbach sowie in der Stadt Ansbach hat der Bezirk Mittelfranken in diesem Jahr ausgezeichnet. Die FLZ stellt sie in loser Folge vor.

Überregional bekannt geworden ist der Weinturm auf einer Anhöhe oberhalb von Bad Windsheim vor allem als Wahrzeichen des gleichnamigen Open-Air-Festivals, das seit 1977 im Schatten der weithin sichtbaren Landmarke stattfindet. Ursprünglich war er ein Wartturm der ehemaligen Reichsstadt, heißt es in der Laudatio des Bezirks zur Auszeichnung der gelungenen Sanierung. Der Meldeturm ist zweischalig aufgemauert, mit einer Mauerdicke von etwas mehr als einem Meter. Auf dem gemauerten Rundturm sitzt das verputzte Fachwerkobergeschoss mit Zeltdach.

Schon 1428 ist an dieser Stelle ein hölzerner Wartturm belegt, 1489 ein Neubau aus Stein, der aber bei einem Angriff zerstört wurde. Sein 1496 errichteter Nachfolger erlitt 1634 das gleiche Schicksal. In seiner heutigen Form wurde der Turm 1674 nochmals aufgebaut. Seither hat man den Turm immer wieder repariert.

Eigene Rezepturen entworfen und beprobt

Bedingt durch seine aus Aufbau und Zerstörung bestehenden Geschichte ist das Mauerwerk eine reiche Baustoffmischung: Natursteine wie Schilfsandstein, Backsteinreparaturen, dazu Gipssteine und gipshaltiger Fugenmörtel. Das miteinander reagierende Steinmaterial war zuletzt stark verwittert und ausgewaschen. Darüber hinaus hatte der Weinturm massive Risse sowohl im Mauerwerk als auch in der Fachwerkkonstruktion. Der Zugang war daher seit nahezu einem Jahrzehnt gesperrt.

2020 begann endlich die langerwartete Sanierung, zunächst mit der zimmermannsmäßigen Instandsetzung von Dach- und Tragwerk. Für die Mauerwerkssanierung mussten die unterschiedlichen Gesteine und Mörtel zunächst identifiziert werden. Dann begann die Suche nach der richtigen Materialwahl.

Das könnte Sie auch interessieren
Heimat-Erlebnistag im Kreis Neustadt/Aisch-Bad Windsheim: Was Familien geboten ist38. Mittelfränkisches Jugendfilmfestival: Erfolg für Filmteams aus AnsbachSauna und Schwimmbecken: Erweiterungspläne für Fitnessstudio in DinkelsbühlSanierung und Neubau: Lebenshilfe plant Umbau des früheren Forstamts DinkelsbühlSchuld und Sühne: Über spezielle Kreuze und Gedenksteine im Altlandkreis UffenheimSanierung des Grünen Baums in Dinkelsbühl: Fachleute untersuchen Mittelalter-HausDas Kriegerdenkmal in Obersulzbach bleibt an seinem bisherigen StandortEin dem Abriss geweihtes altes Haus in Dombühl hat plötzlich ZukunftSpVgg Ansbach und TuS Feuchtwangen verpassen das U17-BezirksfinaleFacelift für Roßbrunnengasse in Dinkelsbühl: 120.000 Euro für Sanierung eingeplantStudierende aus Aachen testen Rothenburg: Mit welchen Ideen geht die Stadt voran?Pascale Hugues: Bummel zwischen Deutschland und Frankreich im Retti-Palais AnsbachBayerische Jungbauernschaft Mittelfranken will die Zukunft mitgestaltenProjekt Denkmaldetektive: Rothenburger 7. Klassen werden zu GeschichtsfachleuchtenVerwaltungsgericht untersagt schwarze PV-Anlagen in Rothenburgs Altstadt

Spezielle Rezepturen wurden gemischt und beprobt. Schließlich entschied man sich für eine Art Kalkspatzenmörtel und stellte eigens Hochbrandgipse her. Mit mineralischen Steinergänzungen schloss man die Risse.

Heute ein „Wartturm” in anderem Wortsinn

Bewusst aber hielt man auch Spuren – wie etwa einen großen, allerdings nur oberflächigen Riss – sichtbar.

Die sensible Materialsuche sei dem „für Stadt und Umgebung identifikationsstiftenden Baudenkmal absolut zu Gute“ gekommen, lobt der Bezirk. Aufgrund des inhomogenen Steinmaterials werde er auch künftig immer wieder gewartet werden müssen. Damit bleibe der Weinturm „ein echter Wartturm, wenn auch heute in anderem Wortsinn“.


Thomas Schaller
Thomas Schaller
Redaktion Westmittelfranken/Landkreis Ansbach
north