Acht vorbildlich renovierte Denkmäler in den Landkreisen Neustadt/Aisch-Bad Windsheim und Ansbach sowie in der Stadt Ansbach hat der Bezirk Mittelfranken in diesem Jahr ausgezeichnet. Die FLZ stellt sie in loser Folge vor.
Überregional bekannt geworden ist der Weinturm auf einer Anhöhe oberhalb von Bad Windsheim vor allem als Wahrzeichen des gleichnamigen Open-Air-Festivals, das seit 1977 im Schatten der weithin sichtbaren Landmarke stattfindet. Ursprünglich war er ein Wartturm der ehemaligen Reichsstadt, heißt es in der Laudatio des Bezirks zur Auszeichnung der gelungenen Sanierung. Der Meldeturm ist zweischalig aufgemauert, mit einer Mauerdicke von etwas mehr als einem Meter. Auf dem gemauerten Rundturm sitzt das verputzte Fachwerkobergeschoss mit Zeltdach.
Schon 1428 ist an dieser Stelle ein hölzerner Wartturm belegt, 1489 ein Neubau aus Stein, der aber bei einem Angriff zerstört wurde. Sein 1496 errichteter Nachfolger erlitt 1634 das gleiche Schicksal. In seiner heutigen Form wurde der Turm 1674 nochmals aufgebaut. Seither hat man den Turm immer wieder repariert.
Bedingt durch seine aus Aufbau und Zerstörung bestehenden Geschichte ist das Mauerwerk eine reiche Baustoffmischung: Natursteine wie Schilfsandstein, Backsteinreparaturen, dazu Gipssteine und gipshaltiger Fugenmörtel. Das miteinander reagierende Steinmaterial war zuletzt stark verwittert und ausgewaschen. Darüber hinaus hatte der Weinturm massive Risse sowohl im Mauerwerk als auch in der Fachwerkkonstruktion. Der Zugang war daher seit nahezu einem Jahrzehnt gesperrt.
2020 begann endlich die langerwartete Sanierung, zunächst mit der zimmermannsmäßigen Instandsetzung von Dach- und Tragwerk. Für die Mauerwerkssanierung mussten die unterschiedlichen Gesteine und Mörtel zunächst identifiziert werden. Dann begann die Suche nach der richtigen Materialwahl.
Spezielle Rezepturen wurden gemischt und beprobt. Schließlich entschied man sich für eine Art Kalkspatzenmörtel und stellte eigens Hochbrandgipse her. Mit mineralischen Steinergänzungen schloss man die Risse.
Bewusst aber hielt man auch Spuren – wie etwa einen großen, allerdings nur oberflächigen Riss – sichtbar.
Die sensible Materialsuche sei dem „für Stadt und Umgebung identifikationsstiftenden Baudenkmal absolut zu Gute“ gekommen, lobt der Bezirk. Aufgrund des inhomogenen Steinmaterials werde er auch künftig immer wieder gewartet werden müssen. Damit bleibe der Weinturm „ein echter Wartturm, wenn auch heute in anderem Wortsinn“.