Ein Tor, eine Vorlage und eine traurige Botschaft: Serhou Guirassy war nach dem 2:0 (2:0) von Borussia Dortmund gegen Atalanta Bergamo in aller Munde. Trotz eines Trauerfalls in der Familie lieferte der Torjäger beim verdienten Sieg im Play-Off-Hinspiel der Champions League einen starken Auftritt und erhielt dafür viel Lob von den BVB-Bossen.
„Serhou hat nicht nur ein Tor erzielt und eins vorbereitet, sondern auch die Bälle gehalten und den Gegner unter Druck gesetzt. Er ist viel gelaufen und hat ordentlich Betrieb gemacht“, schwärmte Trainer Niko Kovac über den Nationalspieler aus Guinea.
Auch Sportdirektor Sebastian Kehl war angetan von der Leistung des Torjägers, der sein monatelanges Formtief überwunden hat. „Er hat hart gearbeitet und an sich geglaubt. Heute war er wieder extrem schwer zu verteidigen. Und sein Näschen hat er nicht verloren. Champions League ist ein bisschen sein Ding. Ich bin heilfroh, dass er im richtigen Moment wieder in Fahrt kommt“, lobte Kehl.
Dabei hatte Guirassy im Vorfeld des Duells mit dem Europa-League-Gewinner von 2024 eine traurige Nachricht zu verarbeiten. Seine Nichte sei gestorben, berichtete der 29-Jährige nach dem Abpfiff. Deshalb habe er nach seinem frühen Führungstor in der 3. Minute eine emotionale Botschaft an seinen Bruder geschickt. „Möge er sie in seinem großen Paradies willkommen heißen“, hatte Guirassy auf das Shirt unter seinem Trikot in Französisch geschrieben.
Kovac hatte von dem Trauerfall nichts mitbekommen. „Davon weiß ich wirklich nichts. Deshalb kann ich dazu nichts sagen“, sagte der BVB-Trainer. Über Guirassy selbst sprach Kovac dagegen ausführlich.
„Stürmer müssen irgendwann mal durch eine Talsohle gehen. Das Entscheidende ist, dass man da wieder herauskommt. Dass er Qualitäten hat, haben wir immer schon gesehen, selbst in den Spielen, in denen es nicht geklappt hat“, sagte Kovac.
Der 54-Jährige wollte aber ausdrücklich auch den zweiten BVB-Torschützen Maximilian Beier in sein Lob einbeziehen. „Was der Junge gegen den Ball arbeitet, was der Junge läuft, ist toll. Er tut viel für die Mannschaft, stellt sein Ego in den Hintergrund - und belohnt sich trotzdem. Ich mag diesen Charakter. Das gefällt mir“, lobte Kovac.
Beier selbst machte von seinem Formhoch kein großes Aufheben. „Ich mache nichts anders als vorher. Ich spiele einfach mehr“, sagte der 23 Jahre alte Offensivmann und ergänzte mit Blick auf das gesamte Team: „Momentan läuft es einfach sensationell.“
Trotz der Freude über die gute Ausgangslage für das Rückspiel am kommenden Mittwoch in Bergamo mahnten alle Beteiligten jedoch zur Vorsicht. Kehl erwartet dann „eine sehr, sehr schwere Aufgabe. Wir müssen uns auf einen riesigen Fight einstellen und von der ersten Minute an voll da sein. Nur dann werden wir weiterkommen.“
Wie der Sportdirektor hätte sich auch Julian Brandt ein drittes Tor gewünscht. „Ein 2:0 ist gut, aber auch immer gefährlich, wenn man noch ein Auswärtsspiel vor der Brust hat“, sagte der Mittelfeldspieler. Ähnlich sah es Kovac. „Wir haben ein gutes Ergebnis erzielt. Aber das ist noch keine Bank. In Bergamo müssen wir wieder alles investieren - dann können wir es schaffen“, sagte der BVB-Coach und prophezeite: „Es wird sicher ein heißer Tanz.“
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