Vor 80 Jahren im Dinkelsbühler Rathaus: Eine tragische Explosion bringt den Tod | FLZ.de

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Veröffentlicht am 14.05.2025 07:00

Vor 80 Jahren im Dinkelsbühler Rathaus: Eine tragische Explosion bringt den Tod

Im Raum im Erdgeschoss, an dessen Außenfassade der Briefkasten montiert ist, geschah 1945 das Unglück. Heute befindet sich dort das Trauzimmer. (Foto: Markus Weinzierl)
Im Raum im Erdgeschoss, an dessen Außenfassade der Briefkasten montiert ist, geschah 1945 das Unglück. Heute befindet sich dort das Trauzimmer. (Foto: Markus Weinzierl)
Im Raum im Erdgeschoss, an dessen Außenfassade der Briefkasten montiert ist, geschah 1945 das Unglück. Heute befindet sich dort das Trauzimmer. (Foto: Markus Weinzierl)

Der genaue Ablauf der damaligen Ereignisse lässt sich heute nicht mehr mit letzter Sicherheit rekonstruieren: Am 14. Mai 1945 kamen bei einer tragischen Explosion im Erdgeschoss des Dinkelsbühler Rathauses sieben junge Menschen im Alter von 13 bis 17 Jahren ums Leben. Sie waren damit beauftragt, Munition zu sortieren.

Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges mussten aufgrund eines Befehls der amerikanischen Militärregierung Waffen, Munition und Explosionsstoffe abgegeben werden. In Dinkelsbühl wurden sie im heutigen Trauzimmer des Rathauses aufbewahrt.

Die Militärregierung hatte seinerzeit Hilfspolizisten eingesetzt, die ihren Dienst in der Gendarmeriestation im Dinkelsbühler Rathaus versahen. Am Samstag, 12. Mai 1945, bekamen sie den Auftrag, Unterkünfte für Kriegsgefangene herzurichten. Dazu wurden auch die Betten benötigt, die im Raum mit den Waffen und Explosivstoffen standen.

Die Tür wurde von außen verriegelt

Die sieben Jugendlichen sollten den Raum ausräumen und die Waffen und Explosivstoffe sortieren. Die Aufsicht hatten die Hilfspolizisten. Ob diese Aufgabe für die Jungen ein Abenteuer war oder ob sie zu dieser Arbeit gezwungen worden sind, lässt sich heute nicht mehr nachvollziehen. Jedenfalls waren die Arbeiten ohne Fachkunde extrem gefährlich.

Am 14. Mai wurden die Jugendlichen erneut ins Rathaus bestellt, da sie mit ihrer Arbeit nicht fertig geworden waren. Sie wurden vom Hilfspolizisten Krebs in den Raum mit den Waffen und Explosionsstoffen gebracht.

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Krebs sollte die Arbeiten überwachen, verließ dann aber offensichtlich den Raum und soll das Beaufsichtigen dem Hilfspolizisten Schug übergeben haben. Auch dieser ging wenig später weg. Die Eingangstür wurde von außen abgeschlossen. Welche Gründe es dafür gab und wer das Verriegeln veranlasst hat, ist unbekannt.

Raum stand sofort in Flammen

Nach Aussagen damaliger Augenzeugen gab es kurz nach 8.30 Uhr plötzlich eine Explosion und aus den vergitterten Fenstern des Raumes im Erdgeschoss drang Rauch. Man hörte Schreie der Jungen und Explosionen. Der Raum stand sofort in Flammen und weitere Munition explodierte.

Als die Angestellten im ersten Stock des Rathauses den Qualm bemerkten, wollten sie das Rathaus über die Treppe verlassen. Das war ihnen aber offensichtlich nicht mehr möglich. Sie mussten über Leitern das Gebäude verlassen. Amerikanische Soldaten rannten mit gezogenen Pistolen herum, aber niemand wusste zu diesem Zeitpunkt, was eigentlich passiert war.

Die panische Angst

Einer der Zeitzeugen war Hubert Fuchs, der bei dem Unglück dabei war und nur durch einen Zufall mit dem Leben davon gekommen ist. Dieser erzählte, dass kurze Zeit nach Beginn der Sortierarbeiten der Jüngste im Raum ein bengalisches Streichholz anzündete. Das brennende Streichholz fiel vermutlich in einen Behälter mit Pulver, der explodierte.

Fuchs wurde durch den Druck der Explosionen und den dabei entstehenden Feuersturm durch eine Tür in einen Nebenraum geworfen. Der Junge raffte sich auf und rannte in panischer Angst durch den Raum an eines der Fenster und zwängte sich durch das schmiedeeiserne Gitter ins Freie.

Die restlichen sieben, die versuchten, dem Inferno zu entfliehen, wollten das brennende Zimmer durch den Haupteingang verlassen. Dies war ihnen jedoch nicht möglich, da die Tür versperrt war. Als die Tür nach einiger Zeit geöffnet wurde, lagen die Opfer dicht am Ausgang gedrängt. Adolf Gabler war bereits tot. Ein anderer rannte aus dem Gebäude und durch die Koppengasse zum Lazarett hinauf, das sich in der heutigen Jugendherberge befand.

Mit den verfügbaren Fahrzeugen wurden die grässlich Zugerichteten in Krankenhäuser gebracht. Allerdings war keiner der sieben Jungen mehr zu retten. Gestorben sind neben Adolf Gabler noch Hermann Rieker, Friedrich Pfeuffer, Peter Gebhard, Rudolf Gabler, Walter Freudhöfer und Fritz Lechler.


Von Heinrich Binder
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