Von Schnelldorf in die ganze Welt: Merck verdoppelt seine Fläche | FLZ.de

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Veröffentlicht am 06.06.2024 18:26

Von Schnelldorf in die ganze Welt: Merck verdoppelt seine Fläche

Landrat Dr. Jürgen Ludwig, Bürgermeister Tobias Strauß, Eric Goulet, Dr. Matthias Heinzel, Prof. Dr. Simon Thelen, Ivan Donzelot sowie Christoph Karkossa von Merck (von links) enthüllten die Stele aus Holz und Stein, die an die Eröffnung erinnert. (Foto: Thomas Schaller)
Landrat Dr. Jürgen Ludwig, Bürgermeister Tobias Strauß, Eric Goulet, Dr. Matthias Heinzel, Prof. Dr. Simon Thelen, Ivan Donzelot sowie Christoph Karkossa von Merck (von links) enthüllten die Stele aus Holz und Stein, die an die Eröffnung erinnert. (Foto: Thomas Schaller)
Landrat Dr. Jürgen Ludwig, Bürgermeister Tobias Strauß, Eric Goulet, Dr. Matthias Heinzel, Prof. Dr. Simon Thelen, Ivan Donzelot sowie Christoph Karkossa von Merck (von links) enthüllten die Stele aus Holz und Stein, die an die Eröffnung erinnert. (Foto: Thomas Schaller)

Mit einem Aufwand von 180 Millionen Euro hat das Wissenschafts- und Technologieunternehmen Merck sein Distributionszentrum in Schnelldorf um 25.000 Quadratmeter erweitert und damit die Fläche fast verdoppelt. Gestern wurde die Inbetriebnahme mit Gästen aus der Konzernspitze und der Politik gefeiert.

Der global tätige Konzern beschäftigt in Schnelldorf nun 470 Mitarbeiter, etwa 200 mehr als vor der Erweiterung. Das Werk umfasst jetzt einen neuen Abfüllbetrieb und zusätzlichen Platz für die Verteilung an Labore und Forschungseinrichtungen auf der ganzen Welt. Das Life-Science-Geschäft von Merck umfasst mehr als 50 Produktions- und Teststandorte sowie 64 Vertriebszentren weltweit und beschäftigt mehr als 27.000 Mitarbeiter in 65 Ländern.

Über eine Milliarde Euro Umsatz pro Jahr

Ziel des Projekts war es, die Produktverfügbarkeit und das Liefertempo für die Kunden zu erhöhen. Dies sei entscheidend, um sicherzustellen, dass Medikamente die Patienten schneller, sicherer und effizienter erreichen, meinte Dr. Matthias Heinzel, Mitglied der Geschäftsleitung von Merck. Nach seinen Worten werden an dem mittelfränkischen Standort über eine Milliarde Euro Umsatz pro Jahr generiert.

2019 habe man sich für die Investition entschieden, informierte Standortdirektor Christoph Karkossa, der wie sein Kollege Eric Goulet die gute Zusammenarbeit mit den örtlichen regionalen Behörden lobte. In der Bauphase, die unter anderem durch die Corona-Pandemie gekennzeichnet gewesen sei, hätten sich praktisch alle Arbeitsplätze vor Ort stark verändert.

Das Unternehmen ist mehrheitlich in Familienbesitz. Als Vertreter der Gründerfamilie meinte Prof. Dr. Simon Thelen, man verstehe sich nicht als Investoren, sondern als Treuhänder. Mit der Erweiterung in Schnelldorf habe man einen „Knotenpunkt im globalen Lieferkettennetzwerk“ geschaffen.

Herzstück der Investition sind die 16 hochmodernen Abfüllkabinen, in denen Chemikalien grammweise abgefüllt werden können, aber auch ganze Fässer, meinte Ivan Donzelot, der den Titel „Head of Integrated Supply Chain Operations, Life Science“ trägt. Neue Technologien und digitale Lösungen kommen zum Einsatz, um dem Standort-Motto „schnell, schneller, Schnelldorf“ weiterhin gerecht zu werden.

Mitarbeitergewinnung als Herausforderung

Angesichts der niedrigen Arbeitslosigkeit in der Region und der anfänglich noch nicht allzu hohen Bekanntheit von Merck als Arbeitgeber sei die Anwerbung der zusätzlichen Mitarbeiter eine Herausforderung gewesen, erklärte Barbara Jenny, die als Projektleiterin dafür verantwortlich war. Zudem seien wegen der hohen Sicherheitsanforderungen Zuverlässigkeitsprüfungen erforderlich gewesen. Mit kreativen Ideen und innovativen Mitteln sei es gelungen, die nötigen Mitarbeitenden zu finden. Ein relativ großer Teil der Stellen konnte zudem intern besetzt werden.

„Der Landkreis Ansbach ist ein Industrielandkreis“, meinte Landrat Dr. Jürgen Ludwig. Er verwies nicht nur auf die „gute Verkehrsanbindung“ über die Autobahnen A6 und A7, sondern auch darauf, dass die Schulen gut aufgestellt seien. Die Wirtschaft profitiere zudem davon, dass viele Bürger ehrenamtlich engagiert seien und dabei viele Kenntnisse erwerben.

Bürgermeister Tobias Strauss sieht Schnelldorf sogar als „Nabel der Welt“. Man sei stolz darauf, ein „starker Wirtschaftsstandort“ mit vielen Arbeitsplätzen zu sein. Positiv hob er hervor, dass Merck stets bereit sei, die Gemeinde zu unterstützen.

Wachstum bringt Herausforderungen

Dennoch bringe das wirtschaftliche Wachstum auch Herausforderungen mit sich. Der Nachfrage nach Wohnraum begegnet die Kommune mit der Ausweisung eines Baugebiets. Aber auch das Angebot an Kindergartenplätzen wurde ausgebaut und die Grundschule auf die höheren Anforderungen ausgerichtet.

Ein Problem sei auch die Verkehrssituation. Derzeit arbeite man an einer Verkehrskonzeption, damit der Schwerverkehr nicht mehr durch den Ort fahren muss. Wie genau das gelinge, sei aber noch offen. Jedenfalls strebe die Gemeinde Schnelldorf an, den Innenort durch die Entlastung vom Verkehr wieder attraktiver zu machen.

Im Anschluss an die Ansprachen enthüllte die Werksleitung gemeinsam mit den prominenten Gästen eine Säule, die an das Ereignis erinnern soll und pflanzte einen Baum auf dem Gelände. Danach hatten die Gäste bei Rundgängen Gelegenheit, sich einen eigenen Eindruck von den erweiterten Räumen zu machen.


Thomas Schaller
Thomas Schaller
Redaktion Westmittelfranken/Landkreis Ansbach
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