Die Hauptstädte aller 16 deutschen Bundesländer hat Karl-Heinz Fischer jetzt im Rahmen einer Radtour besucht: „Dass das 4620 Kilometer werden, habe ich mir nicht vorstellen können“, wundert sich der 61-Jährige aus Schnelldorf-Oberampfrach rückblickend.
Es sei schon seit etwa 15 Jahren sein Traum gewesen, diese Deutschland-Tour an einem Stück durchzuziehen, erzählt der begeisterte Radfahrer. Die Landeshauptstädte sollten sein „Roter Faden“ sein, an dem er sich orientierte.
Er habe mit seiner Familie schon immer gerne mehrtägige Radtouren unternommen. Selbst mit den kleineren Kindern seien seine Frau Renate und er auf dem Donauradweg bis nach Wien gekommen. Renate Fischer ist mittlerweile allerdings auf ein E-Bike umgestiegen, weil ihr ein Knie Probleme bereitet hatte. Doch bei einer wochenlangen Tour durch Deutschland wollte sie selbst mit Elektroantrieb nicht mitmachen. Vielmehr wollte sie per Mobiltelefon ständig Kontakt mit ihrem Mann halten und auf einer Karte jeden Abend notieren, wie weit er gekommen war.
Nachdem ihm sein Arbeitgeber die Altersteilzeit ermöglicht hatte, startete Karl-Heinz Fischer am 5. Juni vor seiner Haustür in Schnelldorfs Ortsteil Oberampfrach zu der Reise durch Deutschland. Das Reiserad war schwer bepackt mit Sattel- und Vorderradgabeltaschen. Auch für die Campingausrüstung fand sich ein Platz auf dem Gepäckträger.
Vorab hatte er keine exakte Routenplanung ausgearbeitet. Sein konkretes Ziel war lediglich, alle 16 Hauptstädte der deutschen Bundesländer zu besuchen. Als früherer Marathonläufer gut trainiert, ging er von einer Tagesleistung von etwa 100 Kilometern aus. Trotzdem wollte er so weit wie möglich steigungsarme Flussradwege nutzen.
Jeder Tag verlief etwa gleich. „Das Zelt war morgens immer nass – innen und außen,“ berichtet Karl-Heinz Fischer. Dann suchte er eine Bäckerei für sein Frühstück und kaufte in einem Supermarkt die Lebensmittel für den jeweiligen Tag.
Unterwegs orientierte er sich grob auf seiner Karte und folgte den Schildern von Radwegen. Im Zweifel half Google-Maps auf dem Smartphone. Rechtzeitig vor Einbruch der Dunkelheit steuerte er dann stets einen Campingplatz an, den er aber nicht im Voraus gebucht hatte. Wetter und Tagesform entschieden über den jeweiligen Übernachtungsort.
Entlang der Tauber erreichte Fischer zunächst rasch das Maintal, wo er nach 100 Kilometern die erste Nacht verbrachte. Am vierten Tag kam er dann in Erfurt an. Vor seinem nächsten Ziel Dresden musste er wegen eines Speichenbruchs in eine Werkstatt. Nun bedauerte er, trotz seines schweren Gepäcks minderwertige Teile am Rad nicht vorher ersetzt zu haben. Derweil nahm er die touristischen Highlights von „Elbflorenz“ nur am Rande mit.
Der Elbradweg führte ihn weiter nach Magdeburg, der Elbe-Havel Kanal anschließend nach Potsdam. Nach zwei Wochen stand Fischer in Berlin vor dem Brandenburger Tor. Aber die nächste Hauptstadt wartete: Schwerin. Am 21. Juni kam der Oberampfracher bei Lübeck an die Ostsee. Indem er dem Küstenverlauf folgte, konnte er in der Nähe von Kiel die ersten 2000 zurückgelegten Kilometer feiern. Weil ihm der Radweg gefiel, nahm er auch Flensburg auf seiner Reise mit. Die schöne Hafenstadt ist ihm in bester Erinnerung.
Dann wandte er sich gen Westen: Die Nordsee und die Elbe brachten Fischer in die Hansestadt Hamburg. Ab Bremen musste er sich an mehreren Regentagen quälen: „Eine Pause im Regen kannst du vergessen“, weiß Fischer aus Erfahrung: „Wenn du anhältst, frierst du nur.“ Also strampelte er völlig durchgeweicht fast eine Woche lang über Hannover bis Düsseldorf.
Auf dem Rhein-Radweg kam er dann gut voran und konnte abends in Rüdesheim sogar den „Rhein in Flammen“ bestaunen. Am 7. Juli besuchte er die benachbarten Hauptstädte Wiesbaden und Mainz.
Eigentlich hätte er von dort bequem im Rhein- und Neckartal nach Stuttgart fahren können, wäre da nicht noch Saarbrücken gewesen: Entlang der Nahe gelangte er auf dem Glan-Blies-Radweg ins Saarland. Von dort fuhr er über die Hügel des Pfälzer Waldes zurück an den Rhein bei Mannheim und folgte dem Neckar bis Stuttgart. Das war mit 174 Kilometern seine längste Tagesetappe.
Um die schwierige Bergstrecke über die Schwäbische Alb zu vermeiden, nutzte Fischer weiter das Neckartal und erreichte nach insgesamt 4000 Kilometern den Bodensee. Dort wartete eine der schönsten Routen auf ihn: der Bodensee-Königssee-Radweg. Nach 42 Tagen im Sattel gönnte er sich einen Ruhetag bei seiner Tochter in Isny, wo ihn auch Ehefrau Renate erwartete. Sie begleitete ihn dann entlang der Isar zur letzten Hauptstadt: München.
„Auf der ganzen Reise hatte ich unheimlich Glück,“ freut sich Karl-Heinz Fischer rückblickend. „Ich musste zwar Pedale, Bremsbeläge und einen Schaltzug erneuern. Außerdem mussten gebrochene Speichen und eine Felge mit Mantel repariert werden. Aber ich habe es immer noch in eine Werkstatt geschafft, die mir helfen konnte.“
Auf seine weiteren Pläne angesprochen verrät der Radfahrer, dass er gerne noch auf der „Via Claudia Augusta“ die Alpen in Richtung Gardasee überqueren möchte. Seine Frau Renate würde dann auch mitfahren. „Aber er ist jetzt leider so fit, dass ich selbst mit Motor kaum mithalten kann“, bedauert sie.