Von Mit-Patient im Bezirksklinikum Ansbach vergewaltigt? | FLZ.de

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Veröffentlicht am 08.01.2025 18:41

Von Mit-Patient im Bezirksklinikum Ansbach vergewaltigt?

Im Raucherzimmer des Bezirksklinikums Ansbach wurden im vergangenen Mai nicht nur Zigaretten, sondern wohl auch mindestens ein Joint geraucht. Sowohl beim mutmaßlichen Opfer als auch beim Angeklagten wurde THC im Blut nachgewiesen. (Symbolfoto: Tizian Gerbing)
Im Raucherzimmer des Bezirksklinikums Ansbach wurden im vergangenen Mai nicht nur Zigaretten, sondern wohl auch mindestens ein Joint geraucht. Sowohl beim mutmaßlichen Opfer als auch beim Angeklagten wurde THC im Blut nachgewiesen. (Symbolfoto: Tizian Gerbing)
Im Raucherzimmer des Bezirksklinikums Ansbach wurden im vergangenen Mai nicht nur Zigaretten, sondern wohl auch mindestens ein Joint geraucht. Sowohl beim mutmaßlichen Opfer als auch beim Angeklagten wurde THC im Blut nachgewiesen. (Symbolfoto: Tizian Gerbing)

Eigentlich wollte eine 21-Jährige nur eine Zigarette rauchen. Stattdessen konsumierte sie im Bezirksklinikum Ansbach trotz des dort geltenden Drogenverbots wohl die ersten Joints ihres Lebens. Mit schrecklichen Folgen: Der Mann, der ihr das Cannabis angeboten haben soll, steht wegen Vergewaltigung vor dem Landgericht Ansbach.

Filterzigaretten, Selbstgedrehte, Gestopfte – und im Mai vergangenen Jahres wohl auch ein paar Joints – wurden im Raucherzimmer des geschützten sozialtherapeutischen Bereich des Bezirksklinikums konsumiert. Es sei in dieser Zeit üblich gewesen, dass die Patienten die Rauchwaren untereinander ausgetauscht haben, berichtet ein Zeuge vor der Großen Strafkammer am Landgericht Ansbach. „Jeder hat das mitgebracht, was er hatte“, meint der Mann, der im Mai 2024 als Patient im Klinikum war. Am Abend vom 25. auf den 26. Mai war anscheinend Cannabis dabei.

Es schmeckte nicht wie normaler Tabak

„Es hat anders geschmeckt. Man hat mitgekriegt, dass es kein normaler Tabak war“, berichtet der Mann, der die Klinik inzwischen wieder verlassen hat, gegenüber dem Vorsitzenden Richter Matthias Held. Einige Personen seien aufgekratzt gewesen, „aber im Raum sind auch Leute eingeschlafen“, schildert er.

Unter denen, die schläfrig wurden, war Sabrina M. (Name geändert). Am besagten Abend befand sich die 21-Jährige bereits seit neun Wochen in der Klinik. Sie war wegen einer posttraumatischen Belastungsstörung, Depressionen und Selbstmordgefahr in Behandlung. Nach ihrem Aufenthalt im Raucherzimmer hatte sie ein weiteres Trauma zu verarbeiten: Vor der Polizei und dem Klinikpersonal sagte sie am Tag danach aus, dass sie vergewaltigt wurde. Dafür vor Gericht verantworten muss sich ein 46-Jähriger. Vergewaltigung, gefährliche und vorsätzliche Körperverletzung wirft ihm die Staatsanwaltschaft vor.

Zum mutmaßlichen Tatzeitpunkt hatte sich der Mann wegen eines Gerichtsbeschlusses bereits seit mehreren Jahren im Bezirksklinikum aufgehalten. Unter anderem Schizophrenie wurde bei ihm laut Anklage diagnostiziert.

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„Er hat mich nur angestarrt”

Am 25. Mai wurde er auf die Station verlegt, auf der sich Sabrina M. befand. Die beiden lernten sich im Raucherzimmer kennen. „Wir haben nicht viel geredet, er hat mich nur angestarrt“, erinnert sich die 21-Jährige. Als Zeugin sagt sie vor dem Landgericht über ihre eigene Vergewaltigung aus. Obwohl es ihr schwerfällt, bittet Richter Held um die Aussage, um Beweise für die Vorfälle an jenem Abend im Mai zu haben.

Sabrina M. spricht leise und stockend. Der Angeklagte habe sie im Raucherzimmer gefragt, ob sie einen Kaffee möchte. Nachdem sie zugestimmt hatte, ging er aus dem Zimmer. Er kam laut ihrer Aussage mit dem Getränk und selbstgedrehten Zigaretten zurück – zumindest dachte Sabrina M. das. Die 21-Jährige nahm eine und rauchte. „Ich habe mir nichts dabei gedacht. Vorher hatte ich noch nie Gras geraucht“, sagt sie.

Dass es ein Joint und keine Zigarette war, da bestehen kaum Zweifel. Sowohl bei M. als auch bei ihrem mutmaßlichen Vergewaltiger wurde THC, also die Wirksubstanz von Cannabis, im Blut nachgewiesen. Das Cannabis wirkte bei Sabrina M. heftig: Ihr wurde so übel, dass sie das Raucherzimmer verließ, um sich zu erbrechen. Anschließend kehrte sie ins Zimmer zurück. „Ich wollte noch eine Zigarette rauchen“, erklärt sie.

Dort befand sich nach wie vor der 46-Jährige. Er ermutigte M., weiter zu kiffen. Sie folgte seiner Aufforderung – und sackte anschließend am Tisch im Raucherzimmer zusammen.

Ins falsche Zimmer geführt

„Er sagte, ich sollte in mein Zimmer gehen und schlafen“, denkt die 21-Jährige zurück. Hand in Hand verließen die beiden demnach den Raucherraum. Der 46-Jährige führte M. jedoch nicht in ihr Zimmer, sondern in seines. Dort soll er sie vergewaltigt haben, obwohl sie mehrfach „Nein, hör auf“, sagte und schrie und weinte.

Die mutmaßliche Vergewaltigung hat dazu geführt, dass sich Sabrina M.s Zustand verschlechtert hat. Seit längerer Zeit ist sie aus der Klinik entlassen. In der Lage zu arbeiten, war sie seitdem nicht mehr. „Ich habe meinen Job verloren. Weil ich die Miete nicht mehr zahlen konnte, auch die Wohnung“, sagt sie In therapeutischer Behandlung ist sie nicht mehr. „Ich bin auf mich gestellt“, flüstert sie im Gerichtssaal.

„Es war keine gewollte Vergewaltigung“, sagt der Angeklagte selbst über die Ereignisse. Auch eine Körperverletzung – einen Nasenbeinbruch, den er einer anderen Patientin zugefügt haben soll – streitet er ab. Geht es nach der Staatsanwaltschaft, bleibt der 46-Jährige weiter in der psychiatrischen Einrichtung. Ansonsten sei damit zu rechnen, dass er weitere (Sexual-)Straftaten begeht. Der Prozess wird fortgesetzt.

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