Die hohe Inflation und die teure Energie schmälern nicht nur den Geldbeutel aller, sie drängen auch immer mehr Ansbacher in die Wohnungslosigkeit. Ein Trend, der sich bereits jetzt in den Statistiken der Sozialbehörden abzeichnet. Die Stadt muss gegensteuern, um Bedürftigen eine Notunterkunft anbieten zu können.
Seit 1. Dezember 2022 ist Markus Schlötterer für die Wohnungsnot- und Obdachlosenhilfe bei der Stadt Ansbach verantwortlich. Im Sozialausschuss des Stadtrates hat er jetzt seine Arbeit vorgestellt und auch Zahlen genannt, die die Verantwortlichen beunruhigen müssen.
Stichwort Zwangsräumungen: In den ersten vier Monaten seiner Tätigkeit registrierte Schlötterer bereits 15 Räumungen. Zum Vergleich: Im gesamten Jahr 2022 waren es nur 19 Zwangsräumungen. „Ich hoffe, dieser Trend setzt sich nicht fort“, sagt Sozialreferent Holger Nießlein. Dann wäre in der Tat eine Verdoppelung zu befürchten.
Markus Schlötterer beobachtet auch immer wieder, dass junge Menschen zu Hause nicht mehr willkommen sind und auf der Straße landen. „Wir haben viele junge Betroffene“, sagt Schlötterer zu den Bewohnern der städtischen Notwohnungen.
Noch sieht sich Oberbürgermeister Thomas Deffner bei den Notunterkünften „gut aufgestellt“. Vor allem, dass die Stadt fünf ehemalige Werkswohnungen der insolventen Firma OSA-Druck in der Draisstraße mieten konnte, bezeichnet der Sozialreferent als Glücksfall: „Die Wohnungen sind auf einem guten Niveau renoviert.“ Hier gibt es eine Männer- und eine Frauen-WG, außerdem leben dort zwei Pärchen, eine Familie mit Kind und Oma sowie ein alleinerziehender Vater mit Kind.
Hinzu kommt eine Wohnung in der Schreibmüllerstraße, wo eine Familie mit drei Kindern untergekommen ist. Außerdem gibt es noch die Wohnungsanlage des Freistaats in der Schlesierstraße, wo die Stadt Ansbach Belegungsvorschläge für 30 Prozent der Wohnungen geben kann. Rechnerisch entspricht das 19 Wohnungen. Von den zwölf Schlichtwohnungen am Haldenweg sind neun belegt.
Verschärft wird die Lage allerdings dadurch, dass die Notunterkünfte in der Knebelstraße, wo noch zwei Betroffene wohnen, nicht mehr belegt werden können. Auf Nachfrage von Grünen-Stadträtin Meike Erbguth-Feldner erklärte Markus Schlötterer, die Unterkünfte seien nicht mehr bewohnbar und würden demnächst abgerissen. „Deshalb brauchen wir was Neues“, sagte Oberbürgermeister Deffner. Das sei wichtig, um nicht auf Pensionen angewiesen zu sein, so Sozialreferent Nießlein.
Die städtische Wohnungshilfe will sich aber nicht erst kümmern, wenn die Kündigung auf dem Tisch liegt oder gar die Räumungsklage läuft. Präventiv zu arbeiten und im Kontakt mit Vermietern das Schlimmste noch zu verhindern, zählt Markus Schlötterer ebenso zu seinen Aufgaben wie die Hilfe bei der Wohnungssuche, Vermittlung von Hilfen im Umfeld und die Begleitung der Betroffenen bei Behördengängen. Ganz wichtig sei es aber auch, ein guter Zuhörer zu sein.
Dass die Wohnungsnot in Ansbach viele Gesichter hat, beweisen weitere Zahlen Schlötterers: Unter den Bewohnern der städtischen Notunterkünfte befinden sich zwei Rentner und drei Personen, die einen festen Job haben und trotzdem keine Wohnung finden.