Moritz Greul und Jacob Winter tanzen. Fast jeden Tag drei bis vier Stunden lang: klassisches Ballett, Modern, Contemporary oder Hip-Hop. Sie tanzen auf mittlerweile so hohem Niveau, dass sie bei internationalen Wettkämpfen einen Preis nach dem anderen einheimsen. Beide möchten Profitänzer werden, an einem Theater oder Opernhaus.
Die Leidenschaft der zwei Schüler – Moritz Greul ist zwölf Jahre alt, Jacob Winter 15 Jahre – geht weit über ein Hobby hinaus. Sie trainieren hart und mit Begeisterung, sodass für andere Freizeitaktivitäten kaum Zeit bleibt. Auch die Wochenenden sind ausgefüllt: mit Fortbildungen und etlichen Wettkämpfen im In- und Ausland.
Moritz Greul hat bereits mit zwei Jahren angefangen zu tanzen – in der Ansbacher Tanzschule „Movement Revolution”, die seine Mutter Andrea Greul gemeinsam mit ihrer Kollegin Tina Rabus leitet. Jacob Winter ist dagegen erst als Elfjähriger zum Ballett gekommen, also relativ spät. In seiner Familie gab es zuvor keinen näheren Bezug zum Tanz. „Ich hatte einfach Lust dazu”, sagt der junge Mann. „Und dann habe ich schnell gemerkt, dass mir das totalen Spaß macht. Ich war noch nie irgendwo so motiviert und hatte noch nie so klare Ziele wie beim Tanzen.”
Die beiden jungen Leute haben sich in ihrer Tanzschule für das „Basisjahr” entschieden: für ein intensives Trainings- und Förderprogramm zur Vorbereitung auf Aufnahmeprüfungen an renommierten Tanzausbildungseinrichtungen. An Staatlichen Ballettschulen zum Beispiel, an denen es jedes Jahr nur ganz wenige und deshalb heiß begehrte Ausbildungsplätze gibt.
Zu diesem Förderprogramm gehört die Teilnahme an wichtigen internationalen Tanzwettbewerben: In den vergangenen paar Wochen traten Moritz Greul und Jacob Winter zum Beispiel beim Youth Grand Prix Portugal sowie beim Tanzolymp Berlin gegen andere junge Tänzer aus aller Welt an. Zudem standen sie Anfang März beim Ballettwettbewerb Goldener Schuh in Fürth auf der Bühne, nur eine Woche später beim German Qualifying in Wesseling bei Köln. Dort qualifizierten sich die beiden Ansbacher Nachwuchstalente für den Dance World Cup im Juli in Dublin.
Die Schüler brachten nicht nur Medaillen, Pokale und Urkunden mit nach Hause, sondern außerdem die Zusage für internationale Stipendien: Moritz Greul erhielt ein Stipendium für die Staatliche Ballettschule Berlin sowie für die Joffrey Ballet School in New York, Jacob Winter für das Royal Conservatoire in Den Haag in der Sparte Tanz sowie für das Nashville Ballet Contemporary Program.
Diese Stipendien dauern zwischen ein paar Wochen und sechs Monaten. Was viel Organisation bedeutet, da ja gleichzeitig Schulpflicht besteht. Moritz Greul geht in die sechste Klasse am Ansbacher Gymnasium Carolinum; er hofft nun, dass er während seines Stipendiums in Berlin das Gymnasium mit Internat, das an die Berliner Ballettschule angeschlossen ist, besuchen kann.
Klar, es sei nicht leicht, ihren zwölfjährigen Sohn für Wochen oder Monate – die genaue Zeit ist noch nicht festgelegt – allein nach Berlin ziehen zu lassen, sagt Andrea Greul. Gleichzeitig freue sie sich sehr über den großen Erfolg von Moritz und die Chance, die er mit dem Stipendium bekomme. „Da dürfen wir Eltern den Kindern nicht im Weg stehen, wenn sie das wirklich wollen”, meint die Tanzlehrerin. Und Moritz? Er strahlt beim Gedanken daran, gemeinsam mit anderen tanzbegeisterten Kindern und Jugendlichen aus verschiedenen Ländern zu trainieren und zu lernen.
Der Zehntklässler Jacob Winter macht bald die mittlere Reife an der Montessori-Schule in Rothenburg und ist daher flexibler bei der Planung der Stipendien. Für den 15-Jährigen geht es zudem demnächst nach Sachsen und in den hohen Norden: Nach Videobewerbungen wurde er zum Vortanzen an der Palucca Hochschule für Tanz in Dresden und an der Ballettschule des Hamburg Ballett eingeladen. Dort wird er jeweils mehrere Tage lang sein Können unter Beweis stellen, um vielleicht einen der raren Ausbildungsplätze zu ergattern.
„Ich mag es, auf der Bühne zu performen”, sagt Jacob Winter – eine Voraussetzung für seinen künftigen Beruf neben dem Talent. Moritz Greul steht ebenfalls gern im Rampenlicht. „Ich kann das genießen und bin nicht aufgeregt vor Publikum”, schildert er. „Tanzen macht mich glücklich. Wenn ich mal nicht die beste Laune habe, kommt die gute Laune zurück, wenn ich tanze.”