Maximilianeum statt Rathaus. Helmut Schnotz ist nun seit fast einem Jahr Landtagsabgeordneter und nicht mehr Bürgermeister der Marktgemeinde Bechhofen. „Das war für mich der richtige Schritt“, stellt er als erste Zwischenbilanz fest.
„Ich bin angekommen“, schiebt der 57-Jährige hinterher. Das hört sich im ersten Moment ein bisschen sehr pathetisch an. Doch wer ihn ein wenig kennt, weiß um seine Fähigkeit, seine Begeisterung für Themen und Entwicklungen nach außen zu zeigen. Das gilt auch für seine Selbstwahrnehmung. „Ich kann mich weiterentwickeln“ – so klingt die Analyse schon etwas nüchterner.
Um zu verstehen, warum es Helmut Schnotz wichtig ist, das Positive an seiner Wahl in den Landtag herauszustellen, muss man ein paar Schritte in die Vergangenheit gehen. Schnotz war nicht der Favorit in der Kandidatenfrage (siehe auch Kasten „Die inoffizielle Absprache“), aber er ist es auch leid, sich immer wieder zu rechtfertigen, dass er es dann doch wurde. Vielleicht lässt er daher fast keine Gelegenheit aus, bei offiziellen Veranstaltungen ein Grußwort zu sprechen: Er will von den Menschen als ihr Landtagsabgeordneter im Stimmkreis Ansbach-Süd/ Weißenburg-Gunzenhausen wahrgenommen werden.
Denn neben der Arbeit im Gremium selbst gehört es zum Abgeordneten-Dasein, draußen unterwegs und ansprechbar zu sein. „Das ist mir total wichtig. Ich lerne sehr gerne neue Dinge kennen“, unterstreicht Schnotz. In dem riesigen Stimmkreis, der sich von Dinkelsbühl bis hinter Weißenburg erstreckt, hat er viel Gelegenheit dazu. Im Ansbacher Landkreis kannte er sich als Kreisrat vorher schon gut aus, doch hinter Gunzenhausen wartete noch einmal eine neue Welt auf ihn.
„Mit den Bürgermeistern hat das von Anfang an gut funktioniert. Da spricht man auf Augenhöhe.“ Und zwar unabhängig von der Parteizugehörigkeit, wie der CSU-Abgeordnete betont.
Für die Anliegen der Bürgerinnen und Bürger nimmt Schnotz sich bei Sprechstunden Zeit. Die ursprüngliche Idee, ein Büro in Gunzenhausen, als der groben Mitte im Stimmkreis, einzurichten und die Sprechstunden dort abzuhalten, hat er schnell wieder verworfen. „Da wäre aus Dinkelsbühl kaum jemand rüber gefahren.“ Also tourt er nun mit seiner Sprechstunde durch die Lande.
Auf ein Stimmkreis-Büro hat der 57-Jährige deshalb gleich ganz verzichtet. Das gibt es nur virtuell. Mit den Mitarbeitern tauscht er sich in Telefonaten und Video-Chats aus. Alle Unterlagen werden Online abgelegt. So hat der Mitarbeiter in München ebenso Zugriff wie die Kollegin in Weißenburg oder der Chef in Thann. Der kleine Ortsteil von Bechhofen ist nach wie vor die Basis von Helmut Schnotz. Hier wohnt er. Und das Dorf mit seinen rund 120 Einwohnern erdet den Berufspolitiker auch.
Nach wie vor organisiert er dort die weithin bekannte Kult-Kirchweih. Am Freitagabend ging es wieder los. Bis Montag kommen mehr als 10.000 Besucher. Nur das erste Fass Bier hat der Landtagsabgeordnete diesmal nicht angestochen. Das ist die Aufgabe des amtierenden Bürgermeisters. „Dafür konnte ich mal wieder beim Aufbau dabei sein“, sagt Schnotz schmunzelnd.
Das Kapitel Bürgermeister – ein Job, den er immerhin 15 Jahre gemacht hat – hat er zugeklappt. Seinem Nachfolger redet er nicht rein. Was er aus dieser Zeit mitnimmt, ist viel Wissen über Dinge, die nah am Bürger sind. „Ob das jetzt Kindergartengesetze, Breitbandausbau oder Abwasserfragen waren – ich musste mich in diesem Amt in alle Themen einarbeiten.“ Das kommt ihm nun zugute, findet der Abgeordnete.
Dieses Vorwissen hat ihm den Sprecherposten in der Projektgruppe kommunale Praxis der CSU-Landtagsfraktion eingebracht. „Letztendlich geht es da um Bürokratieabbau“, sagt Schnotz. Bürokratie sei entstanden, weil Menschen feste Regeln wollten, nachdem etwas passiert ist. Aber inzwischen nehme der Wunsch, alles zu regeln, überhand. „Wir müssen wieder weg von der Vollkaskomentalität. Die Gesellschaft muss wieder lernen, auch Fehler zu akzeptieren.“ Schnell werde das aber nicht gehen.
Mit der Arbeitsgruppe macht sich Schnotz nun auf die Suche nach kleinen Maßnahmen, die idealerweise das Leben einfacher machen. Ein erstes Beispiel sind neue Radwege außerorts. Bislang ist eine Entwässerung in den Straßengraben fest vorgeschrieben. Schnotz und seine Mitstreiter wollen mehr Flexibilität. Der Regen soll auch auf einen angrenzenden Acker fließen dürfen. In Zeiten mit immer weniger Niederschlag könne das Wasser dort besser genutzt werden. Und die Genehmigungsverfahren würden dadurch deutlich entschlackt.
Ein anderes Beispiel ist das Ladenschlussgesetz. Gerade im ländlichen Raum sei es für die neu entstandenen Dorfläden, die häufig mit Automaten ausgestattet sind, wichtig, auch abends und an den Wochenenden verkaufen zu dürfen. „Die brauchen diese Randzeiten bis 23 Uhr abends und ab 5 Uhr morgens. Da machen sie das meiste Geschäft.“ In den Städten hingegen habe man Angst vor zusätzlichem Lärm, den solche aufgeweichten Öffnungszeiten mit sich bringen. Ein Aspekt, den Schnotz in der fraktionsinternen Diskussion thematisieren konnte.
Auch wenn nach außen der Fraktionszwang in der CSU – zu der Schnotz nach Jahren in einer Unabhängigen Wählergemeinschaft erst 2014 gefunden hat – gelebt wird, gebe es intern sehr wohl intensive Diskussionen, betont er. Dass auf höheren politischen Ebenen die Parteipolitik eine größere Rolle spielt als im Marktgemeinderat, liege in der Natur der Sache. „Das muss man akzeptieren. Wir setzen in München schließlich die Rahmenbedingungen.“
Dort, in München, führt er anders als im Stimmkreis ein Büro. Sehr funktional konzipiert hat er es. Die 22 Quadratmeter dienen Helmut Schnotz auch als Schlafstätte, wenn er in den Sitzungswochen jeweils für zwei Nächte in der Landeshauptstadt bleibt. „Mehr brauche ich nicht.“
Im südlichen Landkreis Ansbach und im Nachbarkreis Weißenburg-Gunzenhausen waren sich die Verantwortlichen in der CSU sicher, dass Landtags-Nachrücker Alfons Brandl aus Herrieden bei der Wahl 2023 kandidieren würde. Doch der hatte nach drei Jahren genug vom Politzirkus in München und verzichtete.
Die CSU hatte ein Problem. Rasch tauchte der Name Johanna Serban aus Herrieden als potenzielle Bewerberin auf. Doch die kam in Weißenburg-Gunzenhausen als unter 30-Jährige nicht gut an.
Aktuell kommt mit Artur Auernhammer der Bundestagsabgeordnete aus Weißenburg, doch grundsätzlich gibt es zwischen den beiden Kreisverbänden seit dem Doppel Josef Göppel und Gerhard Wägemann die stillschweigende Absprache: für den Bundestag bewirbt sich jemand aus dem Raum Ansbach, für den Landtag jemand aus Weißenburg-Gunzenhausen. Zu dieser Verteilung wollen die Christsozialen aus dem Nachbarlandkreis zurück, sobald Auernhammer aufhört.
Deshalb wollten sie Serban nicht als Kandidatin. Sie könnte ja etliche Wahlperioden lang Abgeordnete bleiben. Deshalb einigte man sich schließlich auf Helmut Schnotz als Übergangskandidat. Rein alterstechnisch wird in der CSU erwartet, dass er zwei Perioden als Abgeordneter machen will. Das wäre dann bis zum Jahr 2033.