In vielen Traditionen dient Keramik als Spiegelbild der Werte und Überzeugungen der Gemeinschaft. Das ist bei den Siebenbürger Sachsen nicht anders. Einen Einblick in die Symbolik gibt die Ausstellung „Bruder mein, schenk frisch ein – lass uns alle lustig sein“ im Haus der Geschichte.
Bei der Zusammenstellung der Exponate haben das Dinkelsbühler Museum und das Siebenbürgische Museum Gundelsheim sowie der Verband der Siebenbürger Sachsen in Deutschland kooperiert. Am Vorabend der Eröffnung des Heimattags fand eine Midissage statt, bei der Dr. Irmgard Sedler in das Thema einführte. Die Fülle der Symbolik könne die Ausstellung nur streifen, betonte sie. Auch werde darüber erst seit einigen Jahren eingehender geforscht. Und doch seien die gezeigten Stücke „Ausdruck unverwechselbarer Wohnkultur“ der Siebenbürger Sachsen.
Sedler ließ in ihrem Vortrag die frühere Welt der Menschen in Siebenbürgen lebendig werden, die für ihre Taufen und Hochzeiten, Geburten und Beerdigungen spezielle Rituale pflegten, bei denen Keramik stets eine Rolle spielte.
Zum Beispiel ist das Ritual des Topfzerschlagens bei einer Hochzeit dem Polterabend ähnlich: Damit sollte die Zuversicht des Neubeginns ausgedrückt werden. Oder das Essentragen für Wöchnerinnen: Auch dafür gab es Keramik in einer bestimmten Form, die nur zu diesem Zweck verwendet wurde und die in den Stuben der Siebenbürger Sachsen einen exponierten Platz einnahm. Auch bei den Totenritualen kam besondere Keramik zum Einsatz. „So schließt sich mit den Krügen ein Brauchtums- und ein Lebenskreis“, erklärte Sedler, die lange Jahre das Gundelsheimer Museum geleitet hat.
Unverzichtbar in den Häusern der Siebenbürger Sachsen war auch der „Krügelrähm“: ein schlichtes und mit Nägeln versehenes Holzbrett an der Wand, an dem bunte Krüge aufgereiht sind. Später eher mit repräsentativen Funktion, wurden laut Sedler die Krüge im 16. Jahrhundert noch praktisch genutzt.
Die Expertin ging auf die Vielfalt der Volksgruppen in Südsiebenbürgen ein, die zwar zumeist bäuerliche Gesellschaften gewesen seien und ein ähnliches Wertesystem gehabt hätten, sich aber doch in Sprache und Religion unterschieden hätten. Innerhalb der Gruppen seien es die verwendeten Symbole gewesen, die eindeutig waren. So war jeder Dorfgemeinschaft eine Farbe zugeordnet.
Ute Heiß, die Leiterin des Hauses der Geschichte, freute sich, in Dinkelsbühl dieses „tolle Thema“ zeigen zu können. Durch die Exponate werde das Miteinander und der Zusammenhalt der Siebenbürger Sachsen beschrieben. Rainer Lehni, der Bundesvorsitzende des Verbands der Siebenbürger Sachsen, pflichtete ihr bei: „Die Keramik ist eine besondere Leistung der Gemeinschaft.“ Außerdem freute er sich über die „sehr positive Zusammenarbeit“ der beiden Museen, die seit einigen Jahren praktiziert werde.
Dinkelsbühls Bürgermeisterin Nora Engelhard erinnerte an die Exkursion nach Schäßburg.
Die Ausstellung „Bruder mein, schenk frisch ein – lass uns alle lustig sein – Keramik und Ritual“ ist zu sehen bis 6. Juli, täglich von 10 bis 17 Uhr.