Vom Geschäftsleiter in Bad Windsheim zum Bürgermeister in Röttingen? | FLZ.de

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Veröffentlicht am 11.09.2024 08:00

Vom Geschäftsleiter in Bad Windsheim zum Bürgermeister in Röttingen?

Jürgen Boier, Geschäftsleiter der Stadt Bad Windsheim, will Bürgermeister in Röttingen werden. (Foto: Gerhard Krämer)
Jürgen Boier, Geschäftsleiter der Stadt Bad Windsheim, will Bürgermeister in Röttingen werden. (Foto: Gerhard Krämer)
Jürgen Boier, Geschäftsleiter der Stadt Bad Windsheim, will Bürgermeister in Röttingen werden. (Foto: Gerhard Krämer)

Der Stadt Bad Windsheim laufen die Mitarbeiter davon. Nur noch knapp eine Woche, dann könnte auch der Posten des Hauptamtsleiters in Bad Windsheim frei sein. Jürgen Boier hat sich um die Stelle des Bürgermeisters von Röttingen im Landkreis Würzburg beworben. Gewählt wird am Sonntag, offiziell ist Boier der einzige Kandidat. Im Hintergrund mischt aber ein Zweiter mit.

CSU/Freie Bürger Röttingen und Unabhängige Bürger Röttingen hatten die Stelle des Bürgermeisters gemeinsam ausgeschrieben, nachdem Amtsinhaber Hermann Gabel seinen Posten krankheitsbedingt niedergelegt hatte. Boier habe die Anzeige zufällig gesehen, nicht explizit nach etwas Neuem gesucht. Es sei eine „reizvolle Aufgabe“, der er sich gerne stellen würde, sagt der 45-Jährige, der seit Juli 2019 Geschäftsleiter der Stadt Bad Windsheim und zuvor für die Regierungen von Ober- und Mittelfranken gearbeitet hat.

Das Tagesgeschäft reicht aus

Dass es einen Zusammenhang mit der entzogenen Prokura für die Landesgartenschau 2027 in Bad Windsheim gibt, dazu äußert sich Boier nicht näher. Die Stelle hatte er sich anfangs mit Kämmerin Melanie Greifenstein geteilt, er war für den rechtlichen Bereich zuständig, Greifenstein für den finanziellen. Im Juli wurde Boier dann nach eigenen Angaben vom Aufsichtsrat „von der Aufgabe entbunden. Ich hab’ es auf meinem Gehaltszettel vom August gesehen. Offiziell hab’ ich noch keine Information.“

Aber auch ohne diese Aufgabe werde ihm nicht langweilig, sagt Boier. Das Tagesgeschäft laste ihn voll aus, zumal er seit vielen Monaten auch Aufgaben aus vakanten Stellen im Rathaus mit übernehme. Am Bodensee geboren und aufgewachsen, kam er 1999 nach Uffenheim und engagiert sich dort seit 2013 in der Kommunalpolitik für die CSU, 2020 kandidierte er für den Stadtrat, schaffte es aber nicht ins Gremium.

Röttingen hat rund 1700 Einwohner (darf sich aber historisch bedingt dennoch Stadt nennen) und drei Ortsteile, das sei eine „überschaubare Größe“, man könne als Bürgermeister „nah an den Leuten“ sein. Bisher habe er nur „unheimlich nette Begegnungen“ mit den Röttingern gehabt, sagt Boier. Der 45-Jährige gerät ins Schwärmen, wenn er von der tollen Altstadt und den gepflegten Grünanlagen erzählt.

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Zusammenhalt und Ehrenamt begeistern

Freilich kämpfe man auch dort gegen Leerstände, ein Problem, das derzeit fast alle kleineren Orte haben. Was Boier begeistert, sei der Zusammenhalt und das Ehrenamt in der Gemeinde. Die bekannten Frankenfestspiele würden ohne dieses Engagement gar nicht existieren. Die Bürger seien in vielen Vereinen aktiv und stemmen gar das Gauvolksfest aus eigener, ehrenamtlicher Kraft. Röttingen habe Ärzte, Zahnärzte, Nahversorger und „ist für seine Größe unheimlich gut belegt“, so Boier.

An was es fehlt, sei Wohnraum. Deshalb werde der 45-Jährige, sollte er Bürgermeister werden, zunächst in Uffenheim wohnen bleiben. Die 23 Kilometer einfach seien eine „überbrückbare Distanz“. Ein Platz im Gewölbekeller des Rathauses sei ihm zwar schon angeboten worden, einen 45-Jährigen solle man aber „besser lagern“, findet er und lacht. Auf lange Sicht werde er sich aber etwas in Röttingen suchen.

„Ich bin nicht mit der CSU verheiratet”

Sehr gut findet er, dass die Stadtratsfraktionen gemeinsam einen Kandidaten gesucht haben. Er hoffe auf ein „harmonisches Miteinander“ und wolle mit „neutralem Blick offen ins Amt“ gehen. „Ich bin nicht mit der CSU verheiratet, in meinen Adern fließt kein schwarzes Blut und ich hab auch keinen Söder im Goldrahmen über meinem Bett hängen“, sagt Boier.

Den Wahlkampf sei er eher gelassen angegangen. Drei Wahlversammlungen habe es gegeben, bei denen er sich vorgestellt habe und ansonsten habe er sich bei Festen umgeschaut. So auch beim Gauvolksfest, bei dem er viele Gespräche mit Bürgern habe führen können.

Da ist ihm auch erstmals zu Ohren gekommen, dass es Konkurrenz geben könnte. Bereits bei der Aufstellungsversammlung im Juli hatte es bei einigen Bürgern Unmut gegeben. „Ein Kommunikationsfehler“, sagt Boier. Denn bei der Versammlung wurden er und eine weitere auswärtige Kandidatin, Sitta Kaufmann, vorgestellt. Knapp setzte Boier sich bei der Abstimmung durch und wurde Kandidat. Den Leuten sei das Prozedere aber nicht klar gewesen. „Sie dachten, wir werden beide aufgestellt“, erklärt Boier, und sie hätten dann am 15. September die Wahl.

Konkurrenz aus dem Untergrund

Zunächst wurde gemunkelt, dass wohl Kaufmann über „eine andere Liste“ ebenfalls antreten werde. Am 1. August verstrich die Frist für die Abgabe weiterer Wahlvorschläge allerdings, ohne dass sich ein weiterer Kandidat gemeldet hätte. Dann war man sich bei den Fraktionen eigentlich ziemlich sicher. Bis nun anscheinend doch noch Konkurrenz „aus dem Untergrund“ aufgetaucht ist.

In „innerstädtischen WhatsApp-Gruppen“ werde „Wahlkampf im Verborgenen“ betrieben, sagt Boier. Bei der Wahl am Sonntag steht zwar nur er auf dem Zettel, das heißt aber nicht, dass „der Bürger auch dort sein Kreuzchen machen muss“. Es bleibt immer noch die Möglichkeit, einen anderen Namen aufs Papier zu bringen. 50,1 Prozent der Stimmen braucht Boier, oder eben ein anderer Kandidat. Tauchen auf den Zetteln gar noch mehr Namen auf, kann es sogar zur Stichwahl kommen.

Das werde den Bürgern derzeit über WhatsApp und andere Medien erklärt. Gut heißt Boier das Vorgehen nicht: „Ich kämpfe gern einen Kampf mit offenem Visier.“ Nach Informationen unserer Redaktion, soll es sich bei dem „Gegenkandidaten“ um Steffen Romstöck handeln, der von 2014 bis 2020 bereits Dritter Bürgermeister in Röttingen war und für die Unabhängigen Bürger im Stadtrat saß.

Stelle war bereits ausgeschrieben

Und was sagt Bad Windsheims Stadtoberhaupt, Jürgen Heckel? Wird Boier am Sonntag gewählt, ist er ab Montag, 16. September, raus als Geschäftsleiter. Jürgen Heckel wolle einem Ergebnis nicht vorgreifen, für ihn zähle der Wahltag, hatte er vor zwei Wochen noch gegenüber unserer Redaktion gesagt. Boier habe ihn nun in seinem Urlaub angerufen und gefragt, ob man nicht jetzt schon eine Anzeige schalten sollte und sie hätten sich gemeinsam dafür entschieden, auch im Hinblick auf den Sitzungsplan des Stadtrats, der die Entscheidung über eine mögliche Neubesetzung der Stelle treffen müsste.

Am vergangenen Samstag wurde die Stelle in unserer Zeitung nun zum nächstmöglichen Zeitpunkt ausgeschrieben. Ob sie dann auch besetzt werden muss, wird am kommenden Sonntag von den Röttingern entschieden.


Katrin Merklein
Katrin Merklein
Redakteurin
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