Als das Freiwillige Soziale Schuljahr, kurz FSSJ genannt, vor 20 Jahren von Horst Koydl im hiesigen Landkreis ins Leben gerufen wurde, hätte sicherlich niemand damit gerechnet, dass es ein solches Erfolgsmodell wird, wie es inzwischen der Fall ist.
Längst wird es deutschlandweit nachgeahmt und hat viele Jugendliche für soziale Themen sensibilisiert. Das FSSJ trug zudem dazu bei, die Persönlichkeitsentwicklung vieler Mädchen und Jungen zu fördern und praxisnahe Einblicke in den sozialen Bereich zu bieten, betont FSSJ-Koordinatorin Iris Reichel. „Es ist ein Volltreffer und für alle ein Gewinn.“ So mancher gewann dabei auch die Erkenntnis, dass ein Beruf im sozialen Bereich genau sein Ding ist.
Gestartet wurde das Projekt in der Pilotphase mit der Neustädter Dietrich-Bonhoeffer-Realschule. Inzwischen besuchen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer auch viele andere Schulen im Landkreis.
2023 haben sich mehr als 200 Jugendliche – in der Regel ab der achten Klasse – aus 18 Schulen sozial engagiert. Sie sind in Sport- und Musikvereinen, Pflege- und therapeutischen Einrichtungen, in Kindertagesstätten, beim Tierschutzverein, im Naturschutz, in der Hausaufgabenbetreuung der Schulen, für kirchliche Angebote oder im Hilfs- und Rettungswesen aktiv. Sie sind bereit, 80 Stunden pro Schuljahr von Oktober bis Juli in ihrer Einsatzstelle zu leisten. Dies kann entweder zwei Stunden in der Woche oder blockweise in den Ferien erfolgen, so Reichel. „Was sie machen, ist wichtig – egal, ob im sozialen, kulturellen oder sportlichen Bereich. „Es ist ein schönes Gefühl für die Jugendlichen, gebraucht zu werden und etwas Sinnvolles zu machen“, weiß die FSSJ-Koordinatorin aus Gesprächen mit den Absolventinnen und Absolventen.
Viele begrüßen es, so Reichel, einmal etwas Praktisches tun zu können. Auf der anderen Seite sei es wichtig, Teenager für das ehrenamtliche Engagement in der Gesellschaft zu begeistern– und zwar nachhaltig. „Dafür setzen wir uns im FSSJ ein.“ Ein Blick in die Statistik zeigt, dass dieses Ansinnen vom Erfolg gekrönt ist. In den vergangenen 20 Jahren kamen mehr als 400.000 ehrenamtliche Arbeitsstunden zusammen. Durchschnittlich waren pro Schuljahr 250 Jugendliche im Einsatz.
Im gesamten Landkreis nehmen mehr als 300 Einrichtungen teil, in denen sich die FSSJ'ler engagieren können. Über die Schulen rührt das FSSJ-Büro kräftig die Werbetrommel und lädt zu Informationsveranstaltungen ein. Infos dazu liefert ferner die Homepage des Caritasverbandes. Zudem werben viele Einsatzstellen selbst um Nachwuchs für diese Aufgabe. Im Laufe der Zeit ergaben sich immer neue Einsatzmöglichkeiten für die FSSJ'ler. So können sie inzwischen etwa als Sprachbuddy aktiv werden. In etlichen Kitas des Landkreises sind sie bereits im Einsatz. Zuvor wurden sie dafür in Workshops speziell geschult. Denn: Ihre Aufgabe besteht dabei aus mehr, als den Kleinen nur vorzulesen. Es vielmehr wichtig, die richtige Umgebung zu schaffen und mit den Kindern über das Gehörte zu sprechen. Sprachlernspiele gehören deshalb unter anderem ebenso zum Programm wie rhythmische Elemente.
Während die Mädchen und Jungen nach Abschluss des Schuljahres ihr Zeugnis üblicherweise über ihre jeweilige Schule erhalten, wird es ihnen in diesem Jahr im Rahmen der 20-Jahr-Feier übergeben, die am Donnerstag, 13. Juli, in der NeuStadtHalle stattfindet. Geehrt werden dort auch die Sprachbuddies. Los geht die Veranstaltung um 18 Uhr. Zu den Ehrengästen gehören, so Riedel und Christine Kolb, die für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig ist, unter anderem die Ehrenamtsbeauftragte der bayerischen Staatsregierung, Eva Gottstein, FSSJ-Initiator Horst Koydl, stellvertretender Landrat Reinhard Streng und Landtagsabgeordnete Gabi Schmidt. Die Besucherinnen und Besucher erwartet ein buntes Programm mit vielen Infos rund ums Erfolgsmodell Freiwilliges Soziales Schuljahr sowie ein musikalischen Rahmenprogramm.