Hollywood in Bad Windsheim: Menschen in historischen Gewändern streifen derzeit nicht nur über das Gelände des Freilandmuseums, sogar ein ganzes Hotel wurde für die Crew geblockt. Gedreht wird der Blockbuster „The Uprising” – mit örtlicher Unterstützung.
Im Freilandmuseum ist derzeit emsiges Treiben der Filmschaffenden zu beobachten. Drehorte wechseln innerhalb des Geländes, auch bei Dunkelheit leuchten die Scheinwerfer. Hauptdarsteller Andrew Garfield (bekannt als „Spiderman”) wurde von einem Besucher des Museums schon erkannt, wie die FLZ erfuhr. Das Freilandmuseum hat – von den für den Dreh gesperrten Bereichen abgesehen – regulär geöffnet.
Und trotzdem ist die Geheimniskrämerei groß: Wer auch immer mit dem Filmprojekt zu tun hat, muss eine Verschwiegenheitsklausel unterschreiben, damit nichts nach außen dringt. „The Uprising”, das teilweise auch unter dem Arbeitstitel „The Rage” firmiert, ist eine Top-Secret-Geschichte. Die Dreharbeiten in Bad Windsheim sollen wohl noch die gesamte nächste Woche andauern.
Am Regiepult sitzt Paul Greengrass, der in Hollywood mit der Bourne-Filmreihe oder „Captain Philipps” große Erfolge feierte. In seinem Film geht es um den Bauernaufstand in England 1381. Neben Garfield gehören auch Stars wie Thomasin McKenzie („Old”), Stephen Dillane („Game of Thrones”) und Tom Hollander („Pirates of the Caribbean”) zum Aufgebot. Hinzu kommt eine große Entourage an Filmschaffenden, außerdem Tausende Statistinnen und Statisten. Die Beteiligten sind dabei zum Teil auch direkt in Bad Windsheim untergebracht.
Das Arvena Reichsstadt Hotel in der Altstadt ist oft ausgebucht, jetzt wurde es „für längere Zeit” komplett von der Agentur geblockt, um dort die Filmcrew unterzubringen, erzählt Geschäftsführer Heiko Dilger. Rund hundert Statisten werden dort beherbergt. Ansonsten darf Dilger nicht viel verraten – Stichwort Verschwiegenheitsklausel. Bei ihm werden „die beherbergt, die im Hintergrund eine Rolle spielen. Die, die man später im Fernsehen eventuell auch gar nicht sieht”. Auch seien sie nur zum Schlafen und eben in Drehpausen dort. Die Verpflegung übernehme ein Cateringservice.
„Die Filmwelt ist eine kleine Welt für sich, die sind weitestgehend autark”, sagt Dilger. Im Goldenen Schwan in Bad Windsheim sollen ebenfalls laut Informationen unserer Redaktion Personen untergekommen sein, ebenso in einem Hotel in Neustadt. Die großen Stars werden laut Dilger, der laut eigener Aussage früher in der Branche tätig war, „eher nicht an den Drehorten untergebracht”.
Den Hollywood-Shuttle hat das Taxiunternehmen Toni aus Bad Windsheim übernommen. Das zumindest postete der Betrieb auf der eigenen Facebook-Seite. „Hollywood-Stars zu Gast in Bad Windsheim” ist dort zu lesen. Zu sehen ist ein Bild von der „ersten Fahrt fürs Set”. Startpunkt: Nürnberg Airport. Die Schauspielerin Jenna Jalonen und Crew-Mitglied Scout Woursley wurden demnach „direkt vom Flughafen zum Drehstart” gefahren.
Auf FLZ-Anfrage verweist auch Taxi Toni auf die Verpflichtung zur Verschwiegenheit. Auf Facebook erklärt das Unternehmen: „Wir dürfen als exklusiver VIP-Fahrdienstpartner mit an Bord sein”. Vier Wochen lang bringe das Unternehmen Schauspieler und Schauspielerinnen, Mitglieder von Crew, Regie und Gäste ans Set und zurück zum Flughafen.
Und was machen die Stars ansonsten in Deutschland? Eine Ahnung davon vermittelt Schauspielerin McKenzie: Auf ihrem Instagram-Profil teilte sie am Dienstag ein Foto von sich vor einem Käfig auf Rädern. Ihre 380.000 Follower lässt sie rätseln, wo sie sich wohl gerade befinden könnte. Den Westmittelfranken fällt das allerdings deutlich leichter als den Fans aus aller Welt: Es ist eindeutig ein Ausstellungsstück im Rothenburger Kriminalmuseum.
Ob McKenzie dort privat während einer Drehpause vorbeischaute oder sich mit dem Blick auf mittelalterliche Folterinstrumente auf ihre Rolle vorbereitet – das dürfte wieder einer Verschwiegenheitsklausel unterliegen.
Die Produzenten des Hollywood-Blockbusters „The Uprising” haben mit speziellen Verträgen alle, die in irgendeiner Weise in die Dreharbeiten involviert sind oder als Dienstleister mit den Darstellern und der Crew zu tun haben, dazu verpflichtet, sich nicht öffentlich zu Inhalten des Films, zu den Dreharbeiten oder zu den Protagonisten zu äußern. Das hat unserer Redaktion die Recherchearbeit natürlich sehr erschwert. Zum Set gelangen wir zwar schnell, werden allerdings genauso schnell auch wieder verscheucht. „The tourists. Get away.” Ob es Regisseur Paul Greengrass ist oder ein Kameramann, dem wir im Weg sind, können wir nicht erkennen. Ein hörbar genervtes Crewmitglied verscheucht uns per Handbewegung. Der Facebookpost eines örtlichen Taxiunternehmens zeigt eine Schauspielerin am Flughafen. „Wir fahren die Hollywoodstars” steht dabei. Der Firmenchef sagt uns telefonisch zunächst ein Interview zu, doch wenig später wird ihm dies von der Agentur untersagt. Diese hat bereits mitbekommen, dass wir versucht hatten, mit Hoteliers und der Gastwirtsfamilie des Kommunbrauhauses, das Teil der Kulisse ist, Kontakt aufzunehmen. Ein Hotelier, der das Filmgeschäft kennt, erzählt immerhin ein bisschen, aber auch nur das, was er darf. Ein paar Zaungäste schildern Beobachtungen, einer erzählt, er sei im Museum zufällig hautnah am Hauptdarsteller Andrew Garfield vorbeigestreift. Ein Art director berichtet uns ein bisschen über seine Arbeit an einer Kulisse, in der aber gerade nicht gedreht wird und einige unserer Kontaktpersonen melden sich dann doch noch, und sichern Interviews zu einem späteren Zeitpunkt zu. Den Zeitpunkt bestimmt die Agentur.