Die Vorfreude bei den jungen Sängerinnen und Sängern ist groß. Die Neun- bis 18-Jährigen haben sich bei mehreren Wochenendprobephasen, zuletzt im Schullandheim Bad Windsheim, intensiv auf das musikalische und mediale Ereignis in Nürnberg vorbereitet: das Deutsche Chorfest.
Der 37-köpfige Kinderchor des Fränkischen Sängerbundes (FSB) ist der überregionale Auswahlchor für die jüngsten Sängerinnen und Sänger, die aus Franken und der nördlichen Oberpfalz kommen. Für die jungen Leute ist es etwas Besonderes, dass sie am Donnerstag, Christi Himmelfahrt, den Auftakt zum größten Amateurmusikfestival Deutschlands bestreiten dürfen.
Sie werden bei der Eröffnung auf dem Nürnberger Hauptmarkt inmitten politischer Prominenz um 15 Uhr singen. Der Präsident des Deutschen Chorverbandes, Ex-Bundespräsident Christian Wulff, Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier als Schirmherr, Bayerns Ministerpräsident Markus Söder und dessen Kultusministerin Anna Stolz sowie Nürnbergs OB Marcus König werden erwartet.
An den insgesamt 600 Konzerten an vier Tagen (einschließlich Sonntag) an 28 Spielstätten, bei 15 sozialen Einrichtungen und in sechs Gottesdiensten sind 420 Chöre beteiligt, darunter auch der Windsbacher Knabenchor mit dem Mädchenchor. Der Eintritt zu den Tages- und den Wettbewerbskonzerten sowie allen Veranstaltungen auf dem Hauptmarkt ist frei. Das Programm und Informationen zu den kostenpflichtigen Konzerten finden sich online unter www.chorfest.de.
Drei Stücke wird der FSB-Chor vortragen. Ein Lied aus Ghana mit der Botschaft „Wir sind alle eins“, das die Gruppe auf Englisch singt. Mit dem Song „Laut sein“ von Oliver Gies setzen die jungen Leute ein Zeichen für eine pluralistisch-wehrhafte Demokratie.
Außerdem werden sie das deutsche Volkslied „Die Gedanken sind frei“ singen und dabei eine Strophe mit Gebärden begleiten, um die Menschen für Inklusion zu sensibilisieren. Ein junges Chormitglied ist trotz Hörverlust auf einem Ohr ganz selbstverständlich in das Ensemble eingebunden.
Sechs- bis achtmal im Jahr treffen sich die Chormitglieder zu Probenwochenenden in Jugendhäusern, um für Konzerte, Konzertreisen und jetzt für das Deutsche Chorfest zu üben. Chorleiter Mario Frei, ein erfahrener Gesangslehrer, und Stimmbildnerinnen setzen klare Ziele. Am Ende soll ein Erfolgserlebnis stehen in Form gut klingender Stücke.
Übungen helfen, richtig zu atmen und die Atmung beim Singen zu kontrollieren. Der ganze Körper wird in das Aufwärmen und Dehnen einbezogen. Es wird auch auf eine gute Körperhaltung und Ausstrahlung geachtet, um das Selbstbewusstsein und die mentale Stärke der jungen Chormitglieder zu fördern.
Jeder trägt Verantwortung im Ensemble. Eine Aufführung gelingt nur, wenn alle ihre Bestes geben. Entsprechend konzentriert wurde geprobt und noch ein Konzert in der Gemeindehalle Westheim (Illesheim, Landkreis Neustadt/Aisch-Bad Windsheim) gegeben als Generalprobe für den großen Auftritt in Nürnberg. Zur Projektarbeit gehörte auch eine Nachbesprechung des Konzerts in der Gruppe zur Reflexion.
Fragt man die jungen Sängerinnen und Sänger zur Motivation für das Chorsingen, erhält man erstaunliche Antworten. Lina (18), die gerade eine Ausbildung zur Krankenpflegerin begonnen hat, sagt: „Singen macht Spaß. Der Chor ist ein schönes Umfeld, das auch anspruchsvolle mehrstimmige Sachen hinbekommt.“ Ihre Eltern sind beide Musiker. Sie selbst hat mit dem Singen im Schulchor begonnen, mag Abba und Fußball.
Hanna (17) singt im Schul- und Dorfchor, spielt Klavier und Geige. Am FSB-Chor gefällt ihr das höhere musikalische Niveau: „Anspruchsvolles wird am Ende immer cool.“ Selbst für das Kinderlied „Alle meine Entchen“ mit seinen einfachen Strukturen lasse sich ein Arrangement kreieren, „das Spaß macht“.
Liah (12) nannte als Beispiel für einen Aha-Effekt im Chor das Kinderlied vom „Bi-Ba-Butzemann“. Es besingt eine Schreckgestalt, die zunehmend freundliche Züge annimmt. „Das lässt sich musikalisch interessant gestalten.“ Neben dem Singen wollte sie Cello lernen, „aber der Lehrer war nicht der Beste“. Liah hat auch Reiten als Hobby.
Musikalisch zu sein findet Felix (12) „richtig cool“. Er möchte seine Fähigkeiten verbessern. „Meine Cousine singt sehr gut und ich will in ihre Fußstapfen treten, auch wenn ich das vielleicht nicht schaffe.“ Felix überlegt, zusätzlich in einem Kirchenchor mitzusingen. „Es ist schön, für andere zu singen.“ Der Zwölfjährige mag Musik von gestern und heute: Klassik, AD/DC, Volkslieder und Popsongs.
Bei Leon (12) ist die ganze Familie musikalisch. Sein Vater arbeitet als DJ und er singt im Chor und spielt Gitarre. Er treibt Sport in der Freizeit, spielt Handball und macht Krafttraining im heimischen Fitnesskeller.
Die jungen Chormitglieder sind in gespannter Erwartung als Teil des großen Festivals, das zeigen wird, welch verbindende Kraft von Musik ausgehen kann beim Zuhören und Mitmachen. Ein wichtiger Bestandteil des Chorfests sind die Mitsingformate. Die jungen Leute haben deshalb auch das Frankenlied „Wohl auf, die Luft geht frisch und rein...“ und die Chorfest-Hymne „Stimme der Vielfalt“ geübt.