Im März 2026 feierte der internationale Kurs 4 des Zentrums für Pflegeberufe NEA den Abschluss. Die Auszubildenden kamen aus Deutschland, Vietnam, Kamerun, Marokko, Namibia, Indien und der Mongolei – und wuchsen in diesen drei Jahren zu einer starken Gemeinschaft zusammen.
Der Beginn ihrer Ausbildung zur Pflegefachfrau und zum Pflegefachmann im Jahr 2023 wurde zu einer der erfolgreichen Integrationsgeschichten des Zentrums für Pflegeberufe NEA. Sie haben medizinisches und pflegerisches Wissen erworben und gelernt, sich in einem neuen Land, einer neuen Sprache und in einem anspruchsvollen Beruf zu behaupten. Wie herausfordernd dieser Weg sein kann, schildert die Auszubildende Ellarie Ngnintedem Magnifack. „Zu Beginn meiner Ausbildung in Deutschland habe ich viele Herausforderungen erlebt. Eine der größten Schwierigkeiten war, dass ich am Anfang keine Freunde hatte“, erzählt sie.
Der Umzug von einer großen Stadt in Kamerun nach Bad Windsheim sei ein Kulturschock gewesen: „Ich habe mich oft allein gefühlt.“ Auch die Sprache stellte eine große Hürde dar: „Ich habe viel Zeit beim Lernen gebraucht. Ich habe immer an meine Ziele gedacht und mich daran erinnert, warum ich diesen Weg gewählt habe.“ Besonders wichtig sei für sie gewesen, Unterstützung anzunehmen und aktiv auf andere zuzugehen. Neben positiven Erfahrungen berichtet sie auch von schwierigen Momenten im Pflegealltag: „Manchmal wurde ich wegen meiner Hautfarbe mit unangenehmen Fragen konfrontiert oder Patienten wollten sich nicht von mir pflegen lassen.“ Dennoch habe sie weitergemacht: „Auch wenn ich oft geweint habe, habe ich nicht aufgegeben.“ Ihre Bilanz fällt klar aus: „Mit Unterstützung, Durchhaltevermögen und Selbstvertrauen kann man diese Schwierigkeiten überwinden. Wichtig ist, an sich selbst zu glauben und niemals aufzugeben.“
Auch Absolventin Sanae Ziane erinnert sich an einen schwierigen Start: „Die Sprache, die vielen Fachbegriffe und die Arbeitsweise im Pflegealltag haben mich oft verunsichert. Ich hatte Angst, Fehler zu machen“. Doch Schritt für Schritt gewann sie Sicherheit: „Ich habe jeden Tag gelernt, Fragen gestellt und mir Zeit genommen, alles zu verstehen.“ Besonders die Unterstützung im Team habe ihr geholfen. Heute blickt sie stolz auf ihren Weg zurück: „Am stolzesten bin ich auf den Moment, als ich Aufgaben selbstständig übernehmen konnte und das Vertrauen der Patienten gespürt habe.“
„Ich würde sagen, die Herausforderungen für eine Klassenleitung einer internationalen Klasse gehen über die klassische pädagogische Arbeit hinaus“, reflektiert Klassenleiterin Andrea Strauß rückblickend. Sie hat sich an der Schnittstelle von Fachvermittlung, Integration und persönlicher Begleitung bewegt. Gerade die unterschiedlichen sprachlichen Voraussetzungen stellten alle Beteiligten vor Herausforderungen: „Unterschiedliche Deutschkenntnisse haben zum Teil das Verstehen von Fachinhalten erschwert – besonders in der Pflege bei Fachbegriffen oder Dokumentation“, so Strauß.
Auch die Lernbiografien seien sehr verschieden gewesen, was etwa Schulsysteme oder Lernmethoden betrifft. Doch aus den anfänglichen Unsicherheiten entwickelte sich mit der Zeit eine große Stärke. „Positiv war die interkulturelle Kompetenz: Die Azubis haben ein besonders gutes Gespür im Umgang mit vielfältigen Patientengruppen entwickelt“, betont die Klassenleitung. Viele hätten zudem eine „hohe intrinsische Motivation“ gezeigt und eine bemerkenswerte Resilienz entwickelt.
Ein prägender Moment für die Klassengemeinschaft war ein gemeinsames Seminar: „Besonders unser zweitägiges Sterbeseminar ist mir in wertvoller Erinnerung geblieben“, erzählen Strauß und ihre Kollegin Lena Stang. „Eigentlich ein schwieriges Thema – aber die Azubis waren unglaublich motiviert und haben die unterschiedlichen kulturellen Rituale reflektiert. Diese zwei Tage waren definitiv der Grundstein für eine starke und vertrauensvolle Klassengemeinschaft.“
Neben dem Schulalltag engagierte sich der Kurs auch bei zahlreichen Veranstaltungen: Die Auszubildenden betreuten Informationsstände für das Zentrum für Pflegeberufe im Landkreis Neustadt an der Aisch–Bad Windsheim, wirkten bei Seniorentagen mit, organisierten eine internationale Modenschau und traten bei schulischen Veranstaltungen als Schulchor auf. Diese Aktivitäten stärkten nicht nur die fachlichen Kompetenzen, sondern auch das Selbstbewusstsein – und förderten das Ankommen in der neuen Heimat.