Traditionell trifft sich die CSU an Himmelfahrt am Dreifrankenstein, der an der Grenze der drei fränkischen Regierungsbezirke steht. Natürlich feiert die CSU sich dabei selbst bei Bratwurstsemmel und dem Frankenlied. Neben dem Wahlkampfmodus waren aber auch andere Töne zu hören.
„Wir können Bierzelt“ ist Teil der DNA der CSU. Vor allem die beiden ersten Redner zeigten, dass das nach wie vor gilt. Steffen Vogel begrüßte die Gäste als Vorsitzender des – diesmal – gastgebenden Bezirksverbands Unterfranken, der Bundestagsabgeordnete Thomas Silberhorn vertrat die Oberfranken.
Beide gaben Sprüche zum Besten, die schlagzeilentauglich sind – vom Oberbayern-Bashing über die Kritik am queeren Zeitgeist bis zur Klimapolitik in Berlin. Beispiele gefällig? „Die Oberbayern haben die Berge – wir haben den Weitblick“, verkündete Vogel und empfahl den „Klima-Klebern“ den JU-Vorsitzenden Geiselwinds als Vorbild, der diese Veranstaltung organisiert habe und Deutschland damit wirklich voranbringe.
Silberhorn hatte den Eindruck, dass einige Parteien Politik für die Minderheiten machen. Auffassungen wie „gebärende Menschen sind nicht nur Frauen“ müsse man nicht verstehen. Manchmal habe er den Eindruck, dass Parteien sich die Hilfsbedürftigkeit derer erhalten wollen, die auf Sozialleistungen angewiesen seien. „Wir brauchen Menschen, die etwas lernen und leisten und unseren Wohlstand sichern.“
„Bravo“- und „Jawohl“-Rufe gab es für Vogels Äußerung „es ist mir zehnmal lieber, der Steigerwälder holt den nachwachsenden Rohstoff Holz aus dem Steigerwald und heizt damit sein Haus“ als zum Beispiel energieintensiv gefördertes und transportiertes Fracking-Gas als Wärmequelle zu nutzen. Gegen die Heizungspläne der Regierung konnten die Anwesenden auch unterschreiben.
Sachlicher wurde der Ton dann, als der bayerische Innenminister Joachim Herrmann ans Rednerpult trat, der sich davor mit der Auffassung durchgesetzt hatte, dass von „Großer Gott, wir loben dich“ mehr als nur die erste Strophe gesungen werden sollte. Er betonte nicht nur das „C“ im Namen der christlich-sozialen Union, sondern verwies auf Zahlen: niedrigste Arbeitslosigkeit, niedrigste Kriminalitätsrate, gelungenste Integration von Migranten in den Arbeitsmarkt in Bayern. Den kräftigsten Applaus gab es für die Arbeit der Polizei.
Hauptrednerin war die 37-jährige bayerische Digitalministerin Judith Gerlach aus dem Landkreis Aschaffenburg. Sie verzichtete darauf, die Besucher und Besucherinnen von der CSU zu überzeugen – „ich glaube, das sind Sie sowieso schon alle“. Die zuvor geäußerte Auffassung „andere brauchen einen Bürgerrat, wir sind nah bei den Leuten“ war bei ihr mehr Herausforderung als Selbstverständlichkeit.
Corona habe mit seinen Videokonferenzen den persönlichen Kontakt erschwert. „Wir müssen viel dafür tun, dass wir im momentanen Getöse der Welt das Vertrauen behalten“, warb sie und berichtete von ihrem Projekt: Seit mehr als einem Jahr kellnere sie wieder – wie in Studienzeiten. Damit unterstütze sie Vereine, die ein Fest ausrichten und sammle Geld für einen guten Zweck. Sie komme aber auch ins Gespräch mit den Menschen.
„Wir können nicht alle Probleme lösen, aber wir brauchen das Vertrauen, dass wir es mit ganzer Kraft versuchen“, warb sie mit eher leisen Tönen. Trotzdem dürfe man keine Angst vor Entscheidungen haben und müsse die Zukunft gestalten. Das gelte ganz besonders für ihren Fachbereich, das Digitale.