Patienten mit akuter Herzinsuffizienz kommen oft nicht nur einmal ins Krankenhaus: Besonders betroffen von diesem Drehtüreffekt sind jene Menschen, die mit einer solchen akuten Herzschwäche in die Klinik eingeliefert werden und generell eine eingeschränkte Pumpfunktion haben. Das berichtet ein internationales, vom schwedischen Karolinska Institut koordiniertes Team im „European Heart Journal“.
In Deutschland sind nach Angaben der Deutschen Herzstiftung rund 4 Millionen Menschen von einer chronischen Herzschwäche betroffen, die sich gewöhnlich allmählich entwickelt. Bei etwa der Hälfte von ihnen hat das Herz eine eingeschränkte Pumpfunktion. Frühe Symptome einer chronischen Herzinsuffizienz sind eine nachlassende Leistungsfähigkeit sowie Atemnot und Gewichtszunahme.
Im Gegensatz dazu kann eine akute Herzinsuffizienz sehr plötzlich eintreten und lebensgefährlich sein. Typische Symptome eines solchen Notfalls sind Wasseransammlungen in den Beinen, Schwindel, starke Atemnot und Druckgefühl in der Brust.
In der Studie wertete das Forschungsteam Daten von mehr als 10.000 Patienten aus 41 Ländern aus den Jahren 2018 bis 2020 aus. Zum Vergleich teilten die Forscher die Patienten in zwei Gruppen ein: zum einen mit akuter Herzinsuffizienz ins Krankenhaus eingelieferte Menschen und zum anderen Menschen mit chronischer Herzschwäche, die einen planmäßigen ambulanten Termin hatten.
Dabei zeigte sich:
Die Untersuchung zeige, dass bei Herzinsuffizienz maßgeschneiderte Behandlungen notwendig seien, betonen die Autoren. Das gelte vor allem für Patienten mit akuten Beschwerden und eingeschränkter Pumpfunktion.
Der nicht an der Studie beteiligte Kardiologe Stefan Frantz vom Universitätsklinikum Würzburg hält die Resultate der Studie für realistisch. In eigenen Auswertungen des vergangenen Jahres habe die Sterblichkeit bei stationären Patienten mit akuter Herzschwäche sogar bei 25 Prozent gelegen, und 66 Prozent seien erneut ins Krankenhaus eingeliefert worden.
Dies zeige, dass eine akute Herzinsuffizienz ein Anzeichen dafür sei, dass der Patient vulnerabler sei und das Herz instabiler. „Das bedeutet, dass wir gerade in dieser sensiblen Phase besonders aufpassen müssen“, so Frantz, der dem wissenschaftlichen Beirat der Deutschen Herzstiftung angehört. „Unsere aktuellen Leitlinien empfehlen deshalb auch, dass Patienten ein bis zwei Wochen nach Entlassung aus dem Krankenhaus noch einmal nachuntersucht werden sollen, um zu sehen, ob der Patient wieder stabil ist und die Medikation auch gut verträgt.“
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