Verschwundene Burgen: Ein Hintern und ein Streit in Oberhöchstädt | FLZ.de

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Verschwundene Burgen: Ein Hintern und ein Streit in Oberhöchstädt

Zwischen den Burgen Oberhöchstädt und Dachsbach (rechts) bestand einst Blickkontakt. Jetzt ist von ersterem nur noch ein überwucherter Hügel übrig (links). (Foto: Johannes Hirschlach)
Zwischen den Burgen Oberhöchstädt und Dachsbach (rechts) bestand einst Blickkontakt. Jetzt ist von ersterem nur noch ein überwucherter Hügel übrig (links). (Foto: Johannes Hirschlach)
Zwischen den Burgen Oberhöchstädt und Dachsbach (rechts) bestand einst Blickkontakt. Jetzt ist von ersterem nur noch ein überwucherter Hügel übrig (links). (Foto: Johannes Hirschlach)

Die Geschichte des Nachbarschaftsstreits ist so alt, wie die Menschheit sesshaft ist. Auch die Chroniken des Mittelalters sind voller kurioser Kabbeleien zwischen Anrainern. Eine besonders eingängige Erzählung der Region spielt an den Ufern der Aisch. Als Protagonist tritt auf: der Herr von Oberhöchstädt.

Seine kleine Festung stand einst auf einem Hügel am westlichen Dorfrand, am Ende der Schloßgasse. Heute ist die künstliche Anhöhe von niederen Sträuchern und Bäumen bewachsen. Sie hüllen den Hügel in eine schattige Decke, die vergessene Historie verbirgt. Nur wenige Zentimeter tiefe Gräben deuten auf eine frühere Bebauung hin. Erdverkrustete Ziegel- und Keramikreste zeigen: Hier lebten im Mittelalter Menschen.

Dachsbach und Oberhöchstädt als Erzfeinde

Die einstige Burg ist der Ausgangspunkt der ungewöhnlichen (fiktiven) Nachbarschaftsstreitigkeit. Denn in unmittelbarer Nähe, ja in Sicht- und Hörweite der kleinen Veste, lag nichts geringeres als eine weitere Burg. Eine größere und schönere, im Besitz eines stolzen und mächtigen Herrn: das Wasserschloss zu Dachsbach, Eigentum des Nürnberger Burggrafen.

Mehrere Herrensitze auf engem Raum waren im Mittelalter keine Seltenheit. Doch die Nähe rivalisierender Adelshäuser schuf in vielen Fällen den idealen Nährboden für Zoff, selbst für Kriege.

Auch den Dachsbacher und Oberhöchstädter Obrigkeiten bekam der ständige Sichtkontakt nicht: Davon erzählt zumindest die Sage vom „Meisterschuss“. Der Legende nach habe der Oberhöchstädter Burgherr auf perfide Weise Rache an seinem Dachsbacher Kontrahenten genommen.

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Bewaffnet mit einer Armbrust sei der Adelige durch die Aisch beziehungsweise den kleinen Nebenarm Saulach gewatet und habe am feindlichen Ufer dem hochmütigen Erzrivalen aufgelauert. Der hatte es sich zur Gewohnheit gemacht, nach dem Frühstück seinen Burgerker aufzusuchen. Dort widmete er sich Tag für Tag dem privatesten aller Geschäfte. Als nun das Gesäß des hohen Herrn in der Abortluke erschien, zielte der Armbrustschütze nach oben und jagte dem nichtsahnenden Dachsbacher einen Bolzen in den Allerwertesten.

Der wahre Kern der Legende zum „Meisterschuss”

Die Geschichte mag sich kaum so abgespielt haben. Einen wahren Kern hat sie allerdings wohl dennoch: Denn Streitereien zwischen den Burgherren beider Dörfer sind verbrieft. Dachsbach gehörte seit 1280 den zollerischen Nürnberger Burggrafen, während Oberhöchstädt dem Bamberger Bischof zustand. Beide gaben ihre Vesten treuen Vasallen zum Lehen – die ironischerweise zeitweise aus derselben Familie stammten: Im 14. Jahrhundert residieren laut dem Wissenschaftler Wolfgang Leiser Adelige der „von Seckendorff“ auf beiden Burgen. In der Folge schreibt der Rechtshistoriker von „langen Differenzen“.

Noch 1535 heißt es über Landbesitz und Zuständigkeit in Oberhöchstädt, die Räte des Bischofs und der Zollern hätten sich „keines Mittels vergleichen mögen“. Erst drei Jahre später trafen die Mächte regelnde Vereinbarungen.

Die Burg Oberhöchstädt lag da schon zum Teil in Ruinen, wie Autor Wolfgang Schippke feststellt, ehe sie 1553 endgültig zerstört wurde. Die gemauerte Rivalität zwischen den beiden Aisch-Orten war damit Geschichte. Doch in den Köpfen hat sie sich gehalten – wenn auch inzwischen im Scherz. Noch heute gehe in der Gegend ein Spottvers um, lässt der Dachsbacher Dichter Helmut Haberkamm im Buch „Das Kaffeehaus im Aischgrund“ wissen: „Kennt man nur die schwache Stelle, jagt man große Herrn zur Hölle, dass es brennt wie Glut und Gift, wenn man nur ins Schwarze trifft!“

Warum Burgen oft in Sichtkontakt gebaut wurden

Die Landkarte des heutigen Deutschlands glich im Mittelalter einem Flickenteppich. Das Heilige Römische Reich setzte sich aus den Gebieten zahlreicher Herrscher zusammen, die sich dem Kaiser mehr oder weniger unterworfen hatten.

Jene Fürsten vergaben ihre Besitzungen wiederum an die eigenen Getreuen. Das Prinzip reichte vom Hochadel hinab bis zu einfachen Verwaltungsbeamten für bestimmte Gebiete, den sogenannten Ministerialen. Hinzu kamen Ländereien der Kirche und der Reichsstädte.

Dabei wünschten die Besitzer, ihre Territorien mit befestigten Häusern abzusichern, besonders an strategisch wichtigen Orten. Denn die kleinteilige Grenzziehung beschwor Konflikte herauf, auch in der Region. Auf den Hügeln über Ippesheim errichteten die Nürnberger Burggrafen im Streit um Land nur hundert Meter neben der Burg des Würzburger Bischofs eine eigene Festung. In den 1380er Jahren führte die Reichstadt Windsheim einen Kleinkrieg gegen zahlreiche Herrensitze in der Umgebung, dem etwa die Altenburg bei Ergersheim und die Burg Külsheim zum Opfer fielen.

So fiel die Burg in Oberhöchstädt

Auch Oberhöchstädt geriet 1553 ins Kreuzfeuer: Die Nürnberger Reichsstädter hatten sich zu dieser Zeit das Wasserschloss Dachsbach des Markgrafen Albrecht Alcibiades einverleibt. Der Fürst hatte zuvor kriegslüstern unzählige Mächte befehdet. Als Albrecht von der feindlichen Übernahme seiner Dachsbacher Burg erfuhr, soll er mit List und Tücke einige Männer in die Anlage eingeschleust haben und ließ das eigene Gemäuer in blinder Wut in Brand stecken. Lediglich der sogenannte Wohnturm überlebte das Tosen der Flammen.

Um dem verhassten Bamberger Bischof noch eins mitzugeben, ließ der Markgraf daraufhin auch auf dem anderen Flussufer die Fackel schwenken. Am Abend des 12. November 1553, so das Resultat der Geschichtsforschung, lag auch Burg Oberhöchstädt in Schutt und Asche.

Hinweis der Redaktion: Der Text ist eine Wiederveröffentlichung vom 13. August 2019.

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Johannes Hirschlach
Johannes Hirschlach
Redakteur für Digitales
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