Noch sind sie Soldaten, Zivil-Angestellte oder Schüler, doch am Samstag und Sonntag werden sich zehn Mitglieder der US-Garnison in Angehörige des markgräflichen Hofstaats verwandeln. Die amerikanischen Freunde nehmen erstmals aktiv an den Ansbacher Rokoko-Festspielen teil. Begonnen hat alles am US-Unabhängigkeitstag vor einem Jahr...
Die erste Generalprobe am späten Dienstagnachmittag fällt schon mal ins Wasser – ein Wolkenbruch geht über dem Hofgarten nieder, und die amerikanischen Rokoko-Darsteller flüchten vor dem Regen in die Orangerie. Später, als der Regen nachlässt, ist zumindest Zeit für eine erste Stellprobe. Tanztrainerin Claudia Schoeppe vom Heimatverein ist gekommen, um die amerikanischen Teilnehmer einzuweisen.
So ganz genau wissen die nicht, was auf sie zukommt. „Wir machen, was man uns sagt“, bringt es Victoria Hanrahan auf den Punkt. Sie ist der „Entertainment Director“ der Garnison, also verantwortlich für die Planung, Organisation und Durchführung von Unterhaltungsveranstaltungen für die Soldaten und ihre Familien.
Eine solche Unterhaltungsveranstaltung fand am US-Unabhängigkeitstag, am 4. Juli 2024, in der Katterbach-Kaserne statt: Der Heimatverein präsentierte den Glanz des Rokoko am Hof des Ansbacher Markgrafen. Es entstanden bemerkenswerte Bilder: prächtige Roben des 18. Jahrhunderts vor modernen Hubschraubern. „Sie haben uns letztes Jahr besucht, jetzt besuchen wir sie“, sagt Victoria Hanrahan. Denn es kam eine Einladung des Heimatvereins an die Amerikaner, bei den Festspielen dabei zu sein.
Es fanden sich zehn Interessierte, alle Mitglieder der internen Theatergruppe, des Terrace Playhouse. Seit Juni üben sie im Theater die galanten Schritte. Die Kostüme bringen die Amerikaner übrigens selbst mit – sie stammen von Theatrix, dem Fundus für alle Theater der US-Armee in Europa in der Frankenkaserne bei Marktbergel.
Kostüm-Designerin Kimberly Stockton, Herrin über rund 100.000 Einzelstücke, ist noch dabei, die Kostüme individuell anzupassen. Laufend finden Anproben statt, damit am Samstag beim Besuch des Preußenkönigs im Hofgarten und am Sonntag bei der großen Gartenlust, ebenfalls im Hofgarten, alles sitzt.
Es sei die Faszination von der Architektur und der Musik des Rokoko, warum sie teilnehme, sagt Victoria Hanrahan, und ihre Kollegen Trude Moellmann pflichtet ihr bei. Sie ist begeistert von der Mode. Die Gewänder der höfischen Gesellschaft seien ein Statussymbol gewesen, „the best of the best“, wie heute die Autos: „Die Roben waren die Maseratis des Rokoko.“
Niemand verschließe die Augen davor, dass der Glanz des Rokoko nur eine winzige Oberschicht betreffe und die meisten Menschen in Armut lebten, sagen sie. In ihrer Heimat Amerika tat sich – während in Ansbach die höfischen Feste gefeiert wurden – Epochales: Am 4. Juli 1776 erklärten 13 „Vereinigte Staaten von Amerika“ ihre Unabhängigkeit von England – die Geburt der USA.