Uralte Getreidesorten wurden 2022 in Triesdorf und im Fränkischen Freilandmuseum in Bad Windsheim ausgesät. Damit sollen Hausdächer im Fränkischen Freilandmuseum gedeckt werden. Doch der Ernteerfolg ist sehr unterschiedlich.
Das „Dachgetreide“ heißt Langstrohroggen. Denn die Halme wachsen sehr hoch. Doch dies erwies sich nun in Triesdorf als Nachteil. Nun scheint wieder die Sonne über den Landwirtschaftlichen Lehranstalten. Doch zuvor hatten sich zu häufig dunkle Wolken über dem Langstrohroggen zusammengezogen. Die andauernden Regenfälle haben die erntereifen Halme zerstört.
Dies ergibt sich aus den Antworten von Markus Heinz, dem Direktor der Einrichtung des Bezirks Mittelfranken, auf eine FLZ-Anfrage. „Der Roggen wuchs sehr hoch, etwa 1,80 Meter“, erläuterte er. Doch weil er sich mit Wasser vollsaugte, knickten die schweren und brüchig gewordenen langen Halme umso leichter um, so dass die meisten nun auf dem Feld liegen.
Weil das Stroh somit stark beschädigt ist, sei „die Verwendung als Dacheindeckung nicht mehr möglich“. Markus Heinz: „Auch das Korn wurde durch die Niederschläge in Mitleidenschaft gezogen, so dass die Verwendung als Saatgut, Futter- und Nahrungsmittel ebenfalls ausscheidet.“ Zudem seien die Körner am Halm teilweise ausgewachsen: Die Backqualität und die Keimfähigkeit seien erheblich reduziert.
Sobald es die Witterung zulässt werde das Feld mit einem normalen Mähdrescher abgeerntet. Mit den gedroschenen Körnern werde voraussichtlich Energie erzeugt.
Ursprünglich sollte die Ernte mit einem Oldtimer aus dem Fränkischen Freilandmuseum in Bad Windsheim erfolgen – nämlich per Mähbinder. So hießen die ersten Landmaschinen, die das manuelle Mähen mit Sichel und Sense und das Binden des Strohs mit der Hand durch eine spezielle Mechanik ersetzten.
Ein Mähbinder schneidet die Halme ab, so Heinz. Sie fallen auf einen Tisch und werden zu Büscheln zusammengebunden, die früher auf dem Feld zum Trocknen aufgestellt wurden
Der Triesdorfer Roggen hätte nach Bad Windsheim ins Freilandmuseum des Bezirks gebracht werden und zum Trocknen in einen Container eingelagert werden sollen, um im nächsten Jahr Dächer damit zu decken, erläuterte Dr. Michael Tröster, der Leiter der Triesdorfer Abteilung Pflanzenbau und Versuchswesen. Im Museumsbetrieb, so Tröster und Heinz, wäre die Verarbeitung mit einer „Stiftendreschmaschine“ erfolgt – „damit werden die Ähren abgerissen“.
Danach sortiert man die Halme; „mit dem geeigneten Stroh werden von Hand Schauben gebunden die zur Dacheindeckung verwendet werden“, teilte Markus Heinz mit. Der Bad Windsheimer Museumsleiter Dr. Herbert May schilderte auf Anfrage, dass die Schauben einen Durchmesser von nur fünf Zentimetern haben. Sie sind somit viel dünner als die etwa 30 Zentimeter dicken Büschel, die der Mähbinder auswirft. Weil die Ähren fehlen sind die Schauben zudem nur rund 1,20 bis 1,25 Meter lang.
Ganz anders als in den Landwirtschaftlichen Lehranstalten kann man sich im Fränkischen Freilandmuseum über eine sehr gute Langstrohroggenernte freuen. Laut May wurden dort auf 0,5 Hektar Lichtkorn-Roggen und auf 0,2 Hektar Waldstauden-Roggen angebaut.
Entscheidend für die positive Bilanz war: „Die Ernte erfolgte noch vor der Regenzeit, die Qualität des Langstrohroggens ist ausgezeichnet, das heißt als Dachstrohroggen ist er bestens geeignet“, so May. Geerntet wurde mit einem Mähbinder der Firma FAHR aus den 1960er Jahren.
Das geerntete Stroh wird zum Trocknen eingelagert. Ab dem nächsten Jahr werden damit die Dächer in der Baugruppe Mittelalter erneuert.
Zuvor, nämlich noch heuer, sind dafür die Strohdächer des Firstpfostenhauses und des Grubenhauses an der Reihe. Beide Häuser stammen aus der Zeit um das Jahr 1000 und stehen im Archäologischen Gehöft. „Das hierfür im vergangenen Jahr eingekaufte Roggenstroh reicht dafür aus“, teilte May mit.
Derzeit werden – überwiegend von ehrenamtlichen Helfern – die Schauben für die Dächer gebunden. „Das ist eine Heidenarbeit“, betonte er. So halfen beim Museumsfest Besucher. Insgesamt seien es etwa ein Dutzend Leute gewesen, „und die haben nur 250 Schauben an einem Tag geschafft“.
Insgesamt werden für die beiden Dächer im Archäologischen Gehöft 3500 Schauben benötigt – gebunden sind bis dato rund 2500.
Dr. Herbert May betonte: „Voraussichtlich im Herbst wird das Schaubenbinden abgeschlossen sein, und wir können mit dem Dachdecken beginnen.“
Dr. Michael Tröster, der Leiter der Triesdorfer Abteilung Pflanzenbau und Versuchswesen, erläuterte die wissenschaftlichen Ziele des Anbaus von Langstrohroggen in Triesdorf und Bad Windsheim. So wurden in Triesdorf die Sorten „Inspector, Danko, Schmidt-Roggen, Lichtkorn-Roggen und Karlshulder“ ausgesät. Man wolle die Sorten vergleichen und die ausfindig machen, „die sich gut als Dachstrohroggen eignen und eine gute Standorteignung für den Anbau in der Region haben“.
Wichtig für Dachstrohroggen sei eine Länge von mindestens eineinhalb Metern und jeweils ein „stabiler Halm, nicht brüchig“. Warum nahm man alte Sorten, für die das Saatgut heute sehr schwer zu beschaffen ist? Tröster antwortete: „Bei neuen Sorten steht das Korn und nicht die Strohqualität beziehungsweise die Strohlänge im Vordergrund.“ Im Herbst wird erneut Langstrohroggen in Triesdorf und in Bad Windsheim im Fränkischen Freilandmuseum ausgesät.