Beispiel für eine gelungene Umnutzung: Aus dem alten Sportplatz in Schnelldorf wurde ein strukturreicher Naturgarten. Und aus dem dazugehörigen ehemaligen Vereinsheim des Sportvereins TSV Schnelldorf wurde ein privates Cottage, beinahe wie aus einem alten Roman oder einem englischen Märchen.
Mit dem Erwerb des rund 1200 Quadratmeter großen Geländes vor 15 Jahren von der Gemeinde haben die Schnelldorferin Christine Scharvogel-Ludwig und ihr aus Aurach stammender Mann Johann viel Kreativität in die Umnutzung der Fläche investiert, die jetzt einen neuen Zweck erfüllt. Das eigene Gemüse zu pflanzen, wachsen zu sehen und schließlich zu ernten, ist für das Rentnerehepaar erfüllend.
Als beide noch berufstätig waren, blieb kaum Zeit fürs Gärtnern. Mit Haus und Garten haben die beiden ihr eigenes ländliches Idyll geschmackvoll gestaltet und angelegt. „Im Ruhestand wollte ich immer einen großen Garten haben”, sagt die Schnelldorferin.
Mit ihren Kompetenzen in Sachen Planung und Gestaltung setzte sie ihre Ideen Schritt für Schritt in die Tat um. Heimische Vielfalt – so lautete ihre Devise. Sie wollte einen naturnahen Garten schaffen, der immer in Veränderung ist. Die Kunst bestehe darin, flexibel zu reagieren. „Man soll nicht den ganzen Garten überblicken können, sondern immer wieder mit Details überrascht werden.”
Die Grundstruktur besteht aus schmalen Wegen, in Buchsbaum eingefassten Beeten und in Form geschnittenen Gehölzen. Der Garten ist wie das pralle Leben: schön, bunt und duftend. Eine Mischung aus Nutz- und Zierpflanzen, die in einem lebendigen Durcheinander harmonisch zusammenfinden. Es ist gerade diese kontrollierte Wildheit, die dem Garten seinen besonderen Reiz verleiht. Die Atmosphäre wirkt gemütlich und einladend.
Duftende Blumen, sattes Grün, zartes Gemüse und saftiges Obst, Bäume, Sträucher und Hecken sind das Ergebnis einer sorgfältigen Planung und Ausführung. Hier reifen Blaubeeren, Johannisbeeren, Erdbeeren, Trauben, Äpfel, Trauben, Tomaten und Zitronen. Auch knackiger Salat, Peperoni, gelbe Rüben, Zucchini, Bohnen, Chinakohl, Lauchgewächse und Kräuter wachsen in den Beeten. Fast schon paradiesische Zustände.
Brennnessel und Löwenzahn würde Christine Scharvogel-Ludwig niemals als Unkraut bezeichnen, denn sie kennt sich mit Kräuterkunde aus. Auch der Giersch sei viel mehr als ein lästiges Unkraut, sondern ein delikates Heilkraut. Mittendrin ragt das Teufelsohr heraus, eine alte, robuste Salatsorte. Man erntet immer die unteren Blätter als Pflücksalat. Die Pflanze treibt dann weiter neu aus. Den Samen der historischen Nutzpflanze hat sie von einer Frau aus Dinkelsbühl bei einer Pflanzentauschbörse bekommen.
Die Ernte wird innerhalb der Familie mit Kindern und Enkeln frisch gegessen oder haltbar gemacht, um das selbst angebaut Obst- und Gemüse auch im Winter genießen zu können. Das Ehepaar hält auch Bienen im Garten. Die Insekten sorgen für eine gute Bestäubung der Pflanzen und für Honig direkt aus der Bienenwabe. Die Aufgaben in Haus und Garten teilt sich das Rentnerpaar. Johann Scharvogel hat im Ruhestand Freude am Kochen gefunden und sich das Einmachen angeeignet.
Christine Scharvogel-Ludwig hat verschiedene Sitzgelegenheiten im Garten umgesetzt: an windgeschützten Ecken und je nach Ausrichtung auch zum Schutz vor Sonne. Die begrünte Pergola und die Lauben oder der Rosenpavillon sind Rückzugsorte zum Lesen und Entspannen. Auch die Steinskulptur eines Auracher Steinmetzes und wetterfeste Vintage-Deko machen den Garten zu etwas Besonderen. Als begeisterte Flohmarktbesucherin hat die Schnelldorferin seltene und einzigartige Dinge in gutem Zustand zur Dekoration gefunden. Sie mag es „üppig”. Der Kreativität sind keine Grenzen gesetzt. Aus Holz und Metall hat sie einen dekorativen Gartenzaun gebaut.
„Die Winter sind mir immer viel zu lang”, sagt Christine Scharvogel-Ludwig. „Am schönsten ist es, wenn die Rosen blühen oder im Frühjahr, wenn die Tulpen und Narzissen rauskommen.” Ihren Vorsitz beim Obst- und Gartenbauverein Schnelldorf hat sie im vergangenen Jahr abgegeben, als ihre Mutter zum Pflegefall wurde.
Während ihrer zehnjährigen Amtszeit fanden Pflanzentauschbörsen in ihrem Garten statt und wurden mehr als 200 Hochstammbäume an Bürgerinnen und Bürger verschenkt. Beim Tag der offenen Gartentür Ende Juni öffnete die Schnelldorferin ihr privates Gartencafé, das sonst Familientreffen vorbehalten ist. Rund 600 Garteninteressierte kamen zur Besichtigung und äußerten sich begeistert über die Gestaltung.