Das gestartete Schuljahr stellt nicht nur die Schülerinnen und Schüler vor neue Herausforderungen. Auch den Betreibern der öffentlichen Verkehrsmittel wird mit dem Schülerverkehr einiges abverlangt. Dieser funktioniert bislang durchwachsen, scheint sich nun aber zu bessern.
Im Landkreis Ansbach häufen sich derzeit die Beschwerden – insbesondere über die Buslinie 804, die Ansbach mit Feuchtwangen verbindet und unter anderem die Schulkinder zur Grundschule Aurach bringen soll. Eltern und Schulweghelfende berichten von Ausfällen, unzuverlässigen Abfahrtszeiten und schwierigen Umständen an den Haltestellen. Die Folgen seien nicht nur organisatorisch problematisch, sie belasten auch die Kinder psychisch.
Für Noreen Nargang ist die Situation kaum mehr tragbar. Seit vier Jahren steht sie als Schulweghelferin jeden Morgen an der Bushaltestelle in Weinberg. „Aktuell wollen dort 17 Grundschulkinder einsteigen. Der Bus soll um 7.23 Uhr kommen – tut er aber fast nie”, berichtet sie. „Wir sind jeden Tag erleichtert, wenn ein Bus kommt.”
Nur zweimal seit Schulbeginn sei der Bus pünktlich gewesen. Häufig komme er verspätet, teilweise erst um kurz vor acht. An einem Tag erschien ein schwarzer Kleinbus mit nur acht Sitzplätzen – ohne Beschriftung, berichtet sie. „Den Kindern predigt man, nicht in fremde Autos zu steigen – und dann kommt so ein Fahrzeug. Das verunsichert sie enorm.”
Das Busunternehmen Wellhöfer, das die Linie seit diesem Schuljahr betreibt, räumt Probleme ein. Grund seien vor allem krankheitsbedingte Ausfälle und der anhaltende Fachkräftemangel. Um den Betrieb aufrechterhalten zu können, habe man kurzfristig auf externes Fahrpersonal zurückgreifen müssen – teils mit mangelhafter Deutsch- und ohne ausreichende Ortskenntnis.
Für viele der jüngeren Kinder sei das eine überfordernde Situation. Einige wollen inzwischen gar nicht mehr mit dem Bus fahren, manche weinen morgens an der Haltestelle. Die Eltern der Kinder an Nagangs Haltestelle organisieren inzwischen täglich einen privaten Notfallfahrplan, um ihre Kinder mit dem Auto zur Schule zu bringen, sollte sich der Bus nicht blicken lassen.
In einer schriftlichen Stellungnahme gegenüber der FLZ verweist die Firma Wellhöfer auf strukturelle Probleme, die nicht nur das eigene Unternehmen betreffen: Der Erwerb des Busführerscheins sei mit bis zu 15.000 Euro teuer und zeitaufwändig, der Beruf wenig attraktiv. „Wir arbeiten mit qualifiziertem Personal aus dem Ausland, das über die notwendige Fahrerlaubnis und Erfahrung verfügt, allerdings nicht immer über umfassende Deutschkenntnisse”, heißt es in der Mitteilung.
Herausfordernd sei für den Betreiber der Beginn eines neuen Schuljahrs auch wegen der Kalkulation des Platzbedarfs. Das Unternehmen erhalte vom Landratsamt die Schülerzahlen der weiterführenden Schulen. Von den Grundschulen liegen aber keine Daten vor. Deshalb müssen die Fahrzeuggrößen angepasst werden, sobald die tatsächliche Auslastung sichtbar wird. Zudem habe die Firma mit technischen Ausfällen zu kämpfen gehabt und kurzfristig Ersatzfahrzeuge einsetzen müssen.
Deshalb erweitere Wellhöfer den eigenen Fuhrpark, verweist aber auf lange Lieferzeiten der neuen Fahrzeuge. Um mehr Personal zu gewinnen, übernehme das Unternehmen die Kosten für den Busführerschein und Schulungen wie Deutschkurse und Vorbereitungen auf die zu fahrende Strecke für das Fahrpersonal.
Davon kommt bei den Eltern und Schulkindern bislang offenbar wenig an. „Mein Eindruck ist das nicht”, sagt Simone Waldert über eine geschulte Ortskenntnis der Busfahrer. Die Mutter aus Weinberg ist in diesem Schuljahr bereits zweimal im Bus mitgefahren. „Der Busfahrer kam völlig aufgeregt an und wusste nicht, wohin”, sagt sie. Deshalb habe sie ihm den Weg zur Schule in Aurach gezeigt. Mit dem Erlebnis sei für sie aber „eine Grenze erreicht”.
Noreen Nargang ist auch frustriert von der Kommunikation. Das Unternehmen sei ihr gegenüber „unfreundlich, hört einem nicht richtig zu und hilft gar nicht”. Waldert berichtet von einem angenehmeren Telefonkontakt, die versprochene Rückmeldung durch die „Beschwerdeabteilung” gab es aber nicht. Wellhöfer beteuert derweil: „Wir nehmen jede Rückmeldung ernst und bearbeiten alle Beschwerden sorgfältig.” Wegen der hohen Zahl an Anfragen sei „eine sofortige Rückmeldung in jedem Einzelfall nicht immer möglich.”
Derweil sei man im Landratsamt sehr bemüht, meint Nargang – „leider auch ohne oder nur mit bedingtem, kurzweiligem Erfolg”. Auf Anfrage der FLZ erklärt die Behörde: „Zusammen mit dem Verkehrsunternehmen werden die Probleme analysiert und nach Lösungen gesucht.” Ursächlich für die Probleme auf der Strecke sei, dass unter anderem die Buslinie 804 spontan vor diesem Schuljahr an den neuen Betreiber ging – „im Rahmen einer Notvergabe aufgrund der kurzfristigen Entbindung des vorherigen Betreibers durch die Regierung von Mittelfranken”, schreibt Pressesprecher Fabian Hähnlein.
Eine weitere Schwierigkeit im Verlauf der Linie 804 stelle die Baustelle in der Weinberger Ortsdurchfahrt dar. „Daran kann es nicht liegen”, meint aber Noreen Nargang. Die Busse hätten eine Sondergenehmigung und dürften durch die Baustelle fahren, weiß die Mutter.
Immerhin: Es scheint sich langsam Besserung einzustellen auf der Problemlinie. Wenn auch stets verspätet, aber diese Woche sei an jedem Tag ein Bus gekommen, berichtet Nargang. Wellhöfer appelliert in seiner Mitteilung für Verständnis und Kooperationsbereitschaft. Dem stehen die Eltern nicht im Weg. Im Gegenteil: Nargang habe die ersten Schulwochen fast täglich mit der Firma in Kontakt gestanden, Waldert unterstützte ja als Navigatorin.
Wichtig ist den beiden, auch zu betonen: „Die Busfahrer tun uns leid, sie haben keine Schuld.” Einzig entscheidend sei eine funktionierende Busverbindung zur Schule:. „Wann er kommt, ist uns egal, Hauptsache es kommt zuverlässig ein Bus.”