Fast 43 Jahre lang leistete Hedwig Treuheit treuen und sorgsamen Kirchendienst in der evangelischen Martinskirche in Unteraltenbernheim. Jetzt, mit 82 Jahren, geht sie in den Ruhestand. In einem besonderen Gottesdienst wurde sie verabschiedet und für ihr aktives und hoch engagiertes Wirken gewürdigt.
Wie Hedwig Treuheit zu ihrem Amt kam, ist eine amüsante Geschichte: Am 2. Mai 1981 klingelte ein junger Mann in sichtbar benutzter Latzhose am Hause Treuheit. Ihre Schwiegermutter öffnete. Der Mann stellte sich als Pfarrer Martin Ost vor, käme gerade von Arbeiten am Pfarrhaus und fragte nach Hedwig Treuheit, da ihm diese als eventuelle Mesnerin vorgeschlagen wurde.
„Sie sind kein Pfarrer, Sie laufen ja in Latzhosen rum“, meinte Treuheit senior. Es brauchte da schon wortreiche Überzeugungsarbeit, ihr seine Echtheit als neuer Geistlicher glaubhaft zu machen. Hedwig Treuheit kam hinzu, fast ebenso überrascht, sagte dem Ansinnen aber dennoch zu.
„Es war der Beginn einer intensiven, aber interessanten Zusammenarbeit“, weiß sie noch heute zu sagen. Liedanschläge, ständige Säuberungsarbeiten, Blumenschmuck, Paramente gemäß Kirchenplan platzieren und dergleichen mehr. Auch für die monatlichen Seniorennachmittag sorgte Treuheit all die Jahre. Sie hinterlässt eine große Lücke im kirchlichen Leben Unteraltenbernheims. Treue Kirchgängerin bleibt sie freilich weiterhin.
Bis 1996 war sie die gute Seele des Pfarrer-Ehepaars Sabine und Martin Ost. Während dieser Zeit stand besonders viel zusätzliche Arbeit an. So wurde das Pfarrhaus neu gebaut, ein Gemeindehaus geschaffen und das 1848/1849 erbaute Gotteshaus generalsaniert und im Kirchenschiff umgebaut. Von 1997 bis zu seinem Ruhestandsantritt im Sommer 2010 war sie dann ein Segen für die Arbeit von Pfarrer Gerhard Zahner. Damals war sie als Mesnerin so oft mit ihm in und außerhalb der Kirche gesehen worden, „dass manch Auswärtiger hätte meinen können, ich wäre auch dessen private bessere Hälfte“, erklärt Hedwig Treuheit schmunzelnd.
Dann kam die Ära der Pfarrerin Wiebke Schmolinsky, die im November vergangenen Jahres in den Ruhestand ging. Auch ihr ging Hedwig mit ihrer großen Erfahrung und Übersicht zuverlässig zur Hand.
Im Zuge der Kirchenreform des Dekanats wurden die fünf Kirchengemeinden innerhalb der Marktgemeinde Obernzenn zusammengelegt. Unteraltenbernheim, Unternzenn, Egenhausen, Urphertshofen und Obernzenn werden seit 1. Januar vom „Pfarramt Oberer Zenngrund“ geführt. Julia Schwab leitet, unterstützt von ihrer Kollegin Pfarrerin Annette Boxdorfer-Nickel, die fünf ehemals völlig selbstständigen Kirchengemeinden.
Hedwig Treuheit hat in den fast 43 Jahren ihrer Mesnerdienstzeit also viel erlebt und gelernt sich an Veränderungen anzupassen. Zuweilen war sie mehr als nur „Hüterin der Martinskirche“, sie war sogar so etwas wie „Oma Hedwig“ für die vier Jungen des Pfarrerehepaars Ost geworden. Und jetzt, nach so vielen Jahren, bekennt die Mesnerin nicht ohne Wehmut: „Ich habe mich hochengagiert in meine Position eingebracht und konnte auch lange das Pensum leisten. Irgendwann ist es aber genug. Nun geht es halt nicht mehr.“
Aus gesundheitlichen Gründen musste sie sich im vergangenen Jahr schon sehr zurücknehmen, hielt aber noch tapfer durch. In den über vier Jahrzehnten übte sie ihr Amt treu, motiviert und mit großer Über- und Weitsicht aus. „Ohne die Unterstützung meiner Familie hätte ich das so nicht leisten können“, erklärte sie dankbar. Besondere Höhepunkte ihrer kirchlichen Arbeit waren für sie Taufen und Hochzeiten.
Im Abschiedsgottesdienst unterstrich Pfarrerin Julia Schwab anhand von Zeilen eines Briefes des Apostel Paulus das soziale Engagement und den persönlichen selbstlosen Einsatz der Geehrten für das Gemeinwohl. Mit mutigem Sinn für Ironie verkündete sie aus eine Stellenanzeige: „Supermesnerin gesucht!“ Allerhand kann man da hineininterpretieren und packen, faktisch aber wird nun eine Mesnerin als Nachfolgerin dringend gesucht. So lange üben die Mitglieder des Unteraltenbernheimer Kirchenvorstands abwechselnd die Dienste aus.
„Kirche und Treuheit – das wurde zu einer Einheit im Dorf, angenehm, weil alle wussten, wen man ansprechen muss“, resümierte Martin Ost in einem Dankesbrief, da er und seine Frau aus terminlichen Gründen zur Ehrung nicht hatten kommen können. Hedwig Treuheits andere „Obrigkeiten“ indes hatten Zeit gefunden, zu kommen: Wiebke Schmolinsky und Gerhard Zahner. Auch zu ihnen hat Hedwig noch guten Kontakt.