Mit „Ich sehe dich” ist am Sonntag der elfte Franken-Tatort über die deutschen Bildschirme geflimmert – wie immer gespickt mit Lokalkolorit und ordentlich Nürnberger Szenerie. Für das westmittelfränkische Publikum ergab sich dann auch noch ein – nun ja – wenig schmeichelhafter Bezug: der Mörder stammt aus Ansbach.
Der Spielfilm, mit dem die ARD am 14. September aus der Tatort-Sommerpause zurückkehrte, war der erste Franken-Tatort ohne Hauptkommissarin Paula Ringelhahn (Dagmar Manzel). Sie hatte in der vorherigen Folge das Team verlassen – ganz unspektakulär: in den Ruhestand.
Dabei blieben weiterhin Chef-Ermittler Felix Voss (Fabian Hinrichs) und seine Kollegin Wanda Goldwasser (Eli Wasserscheid) – diesmal mit Schützenhilfe von Kult-Schauspieler und Kabarettist Sigi Zimmerschied. Dieser spielte in „Ich sehe dich” einen grummeligen Polizei-Archivar, der den lädierten Voss durch die Gegend kutschieren sollte.
Die Handlung führte die Ermittler zu einem zwei Meter tiefen Grab in einer Flussaue. Darin: der skelettierte Leichnam eines vor zwei Jahren ermordeten Nürnberger Fahrradhändlers. Auf den ersten Blick von allen als liebevoll beschrieben, offenbart sich Voss und Co. im Laufe des Films aber ein düsteres Geheimnis. Soweit das Set-up zu Beginn des Franken-Tatorts.
Wer den Film bis zum Schluss verfolgte, – Achtung Spoilerwarnung! – erfuhr mehr über die Abgründe des Getöteten, der heimlich Frauen nachstellte und sich letztlich an ihnen verging. Eines seiner Opfer, die blinde Lisa Blum (Mavie Hörbiger), trägt das Trauma Jahre später weiterhin mit sich umher – bis ihr Partner Stephan Gellert (Alexander Simon) davon erfährt. Der „gebürtige Ansbacher” und Ex-Militär macht sich daraufhin auf, den Mann in einem Akt der Selbstjustiz zur Strecke zu bringen.
Mehr Bezug zu Westmittelfranken gab der Film diesmal nicht her, auf Szenen aus der Region wurde verzichtet. Gedreht wurde laut ARD im November 2024 in „Nürnberg, Fürth und Umgebung”. Unverkennbar waren die vielen Luftaufnahmen über Nürnberg, vor allem rund um den Plärrer.
In der Vergangenheit hatte die Filmcrew des Bayerischen Rundfunks immer wieder für den Franken-Tatort in der Region gedreht. So waren schon für die erste Ausgabe Straßenszenen bei Hagenbüchach (Landkreis Neustadt/Aisch-Bad Windsheim) eingefangen worden. Später wurden etwa Großlellenfeld (Landkreis Ansbach) und sogar die Räume der FLZ in Ansbach zur Tatort-Location.
Im Kasten ist außerdem bereits der zwölfte Franken-Tatort. Dieser wurde überwiegend in Oberfranken gedreht. Schon jetzt ist aber klar, dass auch Westmittelfranken wieder mit von der Partie ist – mit einem skurrilen Star: der eigentlich gewöhnliche Mazda-Kombi von Familie Hammele aus Wassertrüdingen soll im Franken-Tatort eine entscheidende Rolle spielen.
Den Franken-Tatort vom 14. September sahen laut Branchenportal Quotenmeter insgesamt 6,51 Millionen Zuschauerinnen und Zuschauer ab drei Jahren mit fast 25 Prozent Marktanteil. Ein durchaus stabiler Wert: Eine Zuschauerzahl in dieser Höhe erreichte ein Tatort zuletzt Mitte Juni. Damit blieb der elfte Fall aber auch deutlich hinter den Zahlen der vorherigen Ausgaben zurück. Alle vorherigen Filme des Franken-Tatorts erreichten deutlich über 7 Millionen Zuschauerinnen und Zuschauer bei der Erstausstrahlung.
Im Netz fallen die Reaktionen der Tatort-Fans gemischt aus. Von „Wow! 9 von 10” bis „Da krallen sich einem doch die Fußnägel” ist das Spektrum der Kommentare in den sozialen Medien weit. Während die einen die schauspielerische Leistung und die beklemmende Story loben, ackern sich andere an vermeintlich fehlender Spannung und der als unpassend empfundenen Filmmusik ab. Freude von allen Seiten gab es für Voss' Fahrer und Sidekick: „Fred war cool!”, schreibt ein begeisterter Nutzer.