Wenn der Landwirt mit dem Mähwerk auf seine Wiese fährt, schwebt immer eine Gefahr wie ein Damoklesschwert über ihm: Lässt er die Fläche vorher nicht nach Reh-Kitzen absuchen, droht diesen der Mäh-Tod – sie werden von den Klingen regelrecht geschreddert. Der Uffenheimer Jägerverein reicht den Bauern nun die Hand und will mit Hilfe einer Drohne Leben retten.
Jägervereinsvorsitzende Elfi Sappa und Drohnen-Spezialist Kristof Matthes warten Tag für Tag sehnsüchtig auf ein Paket. Der Inhalt: eine Drohne. Nein, die beiden wollen damit nicht ihre Nachbarn ausspähen, sondern Gutes tun – für Rehkitze und Landwirte. Allerdings gibt es Lieferschwierigkeiten. Aber bald wird es eintrudeln, das Päckchen.
Seit 2019 rettet Kristof Matthes schon Rehkitze. Tausende dürften es mittlerweile gewesen sein. Damit verhindert er nicht nur viel Tierleid, sondern erspart den Landwirten auch jede Menge Ärger. Denn das „Ausmähen“ von Kitzen ist kein Kavaliersdelikt. „Wir sind hier im Strafrecht, das ist keine Ordnungswidrigkeit“, betont Sappa. Um die Bauern nicht alleine zu lassen, will der Uffenheimer Jägerverein schon bald bei der Rehkitz-Suche unterstützen.
Noch allerdings ist es nicht so weit. Am 31. Mai steht um 18 Uhr im Gasthaus „Grüner Baum“ im Markt Nordheimer Ortsteil Herbolzheim der nächste wichtige Termin bevor. Eingeladen sind alle, die interessiert daran sind, als Drohnenpilot bei der Kitz-Suche zu helfen. „Es sind keine Vorkenntnisse nötig“, betont Sappa, „und man muss auch kein Jäger sein.“ Jeder ist willkommen.
Matthes wird an jenem Freitag eine Vorführung mit seiner Drohne absolvieren. Der Clou: Daran sind sowohl eine normale als auch eine Wärmebildkamera installiert. Mit Letzterer lassen sich die Rehkitze orten, mit der normalen Kamera wird gecheckt, ob es auch wirklich Kitze sind. Die Interessierten dürfen ihn mit Fragen löchern und gewinnen einen Einblick in die Rettung mit Drohnen.
„Man muss eben nur bereit sein, früh aufzustehen“, sagt Sappa. Über einen Zeitraum von vier bis fünf Wochen klingelt bei Matthes um 3 oder 4 Uhr der Wecker. Der Idealfall für die Kitzrettung ist der Sonnenaufgang: Dann ist die Umgebung noch kühl und die Jungtiere lassen sich leicht orten. Von Ende April bis Mitte Juni ist Hauptsaison für alle Kitz-Retter. Sappa: „Wir hoffen, dass sich auch hier viele junge Leute begeistern lassen.“ Allerdings benötigt man für das genutzte Exemplar einen Drohnenschein, der in einem Onlinekurs absolviert werden kann.
6500 Euro hat die Drohne für die Uffenheimer gekostet, 60 Prozent davon laufen über eine Förderung des Bundeslandwirtschaftsministeriums. Das Gerät erleichtert die Suche allgemein, früher mussten Landwirte und Jäger noch nachts mit einer Baustellenlampe durch die Wiese streifen oder „Kitzretter“ aufstellen – Technik mit Ton und Blinker. Da ist so ein Flug schon deutlich angenehmer.
„Aber die Drohne ist letztlich nur ein Gerät“, betont Sappa. „Wichtig ist das Team, das müssen 100-prozentig zuverlässige Leute sein.“ Und: „Es ist auch wichtig, dass die Landwirte zuverlässig sagen, wann sie mähen.“ Zwischen Absuche und Mahd sollte nicht zu viel Zeit liegen. Wird Matthes fündig, legt er die Kitze in einen Spezialkorb. Darin dürfen die Tiere aber maximal vier Stunden bleiben.
Ob die Uffenheimer heuer noch oder erst 2025 mit der Rettung starten, ist noch unklar. Zuvor muss nicht nur die Drohne ankommen, sondern es werden auch weitere Mitstreiter gesucht. Denn: „Kitz-Rettung funktioniert nur im perfekten Team.“