„Sozialpolitik darf in der Prioritätenliste nicht ganz unten stehen“, sagen Susanne und Karl-Werner Hirsch. Sie sind die Initiatoren der neuen Uehlfelder Boule-Gruppe. Vor geraumer Zeit hatten sie einen Antrag an den Gemeinderat gestellt – auf eine Boule-Bahn am Rathaus auf dem ehemaligen Eisenbahn-Gelände. Der ging auch durch. Bis heute ist aber nichts passiert.
Drei Sets Boule-Kugeln liegen am Boden. Zwei Teams sind startklar. Ein Mann klaubt noch schnell die fauligen Äpfel auf dem Grünstreifen vor dem Rathaus zusammen. Dann kann’s losgehen. Das Schweinchen, wie die kleine Zielkugel beim Boule genannt wird, liegt. Schon fliegt eine silberne Kugel nach der anderen. Plopp, plopp, treffen sie auf den Boden. „Jetzt kommt das Zählen“, ruft Karl-Werner Hirsch am Ende. Wer näher dran ist? Um das zu ermitteln, wird Fuß vor Fuß gesetzt – so werden die Abstände bestimmt. Und es ist eindeutig: Team eins hat den Start für sich entschieden. Runde zwei …
Es ist eine missliche Situation in Uehlfeld: Da gibt es nun einen aktiven Boule-Treff mit rund 15 Personen, die alle 14 Tage am Rathaus zusammenkommen – und die Voraussetzungen sind ideal: Eine öffentliche Toilette ist vorhanden und Schatten auch. Allein es fehlt eine Boule-Bahn. Warum ausgerechnet Boule? Weil es Generationen verbindet, die Gemeinschaft fördert und für jeden erlernbar ist, sagt Hirsch. Der Grundgedanke: Sport trifft auf Geselligkeit – in entspannter Atmosphäre.
Die Ideengeber Karl-Werner und Susanne Hirsch hatten gemeinsam mit der Uehlfelder Seniorenbeauftragten Martina Wawroschek vor geraumer Zeit einen Antrag auf eine Boule-Bahn im Ratsgremium gestellt. Die Räte waren begeistert von der Idee. Die Boule-Freunde wären ja sogar bereit, bei der Umsetzung tatkräftig mit anzupacken. Aber so weit ist es bisher nicht gekommen.
Ein Club, das betont Hirsch, sind sie nicht: „Das Vereinsgedöns ist nicht so unser Ding.“ Karl-Werner und Susanne Hirsch sind vor rund zwei Jahren von Nordrhein-Westfalen nach Uehlfeld gekommen. „Wir haben uns gesagt: Okay, wir wollen unsere Nachbarn kennenlernen.“ Am Tretbecken gab es erste Treffen, dann im Gasthaus Zwanzger und nun eben am Rathaus. Die Gruppe ist bunt gemischt – Senioren sind dabei, Menschen mit Handicap und im Rollstuhl. Hirsch betont den Mehrgenerationen-Gedanken: Jeder ist bei ihnen herzlich willkommen.
Der Dienstag beginnt mit einem Vesper. Denn vor den Sport hat der liebe Gott bekanntlich die Stärkung gesetzt. Jeder aus der Runde bringt etwas mit, das Buffet ist reichlich gedeckt. Ein Stück gelebte Sozial- und Seniorenpolitik. Eigentlich sollte die Gemeinde froh sein, dass auf ehrenamtliche Initiative ein solcher Treff entstanden ist, findet die Truppe. Aber die Boule-Freunde fühlen sich von Bürgermeister Detlef Genz im Stich gelassen.
Vor einigen Monaten, erzählt Karl-Werner Hirsch, hat mit dem Bürgermeister eine Ortsbegehung stattgefunden. Bis zum Spätsommer sollte etwas passieren, das habe Genz ihnen zugesichert. Seitdem haben sie aber nichts mehr gehört – und es sei wirklich schwer, ihn zu erreichen.
„Da ist die Frage, wie die Prioritäten gesetzt sind“, sagen die Hirschs enttäuscht. „Sozialpolitik darf auf der Liste nicht ganz unten stehen.“ Diesen Eindruck aber hat die Gruppe mittlerweile: „Es zieht sich.“ Günther Freimann ergänzt: „Das, was wichtig ist, ist, dass was passiert“ und nicht die schönen Worte.
Genz selbst bedauert diese Entwicklung sehr. Das Gelände der ehemaligen kleinen Eisenbahn, auf dem die Boule-Bahn entstehen soll, muss noch geräumt werden. Der Schotter muss weg, der Rasen gebändigt und die Zukunft des Teichs geklärt werden. Denn die Anlage soll öffentlich werden, da habe die Sicherheit höchste Priorität, sagt der Uehlfelder Bürgermeister.
Hinzu kommt: Der gemeindliche Bauhof soll die Arbeiten für die spätere Boule-Bahn größtenteils in Eigenregie erledigen. „Aber die Bauhofmitarbeiter hatten jetzt andere Baustellen.“ Genz nennt beispielsweise die Schornweisacher Kläranlage, die eine Störung hatte und deshalb massiv Arbeitskräfte gebunden habe. „Das ist in diesem Jahr alles ein bisschen schwierig.“ Wenig Personal, zu viel Arbeit.
Entsprechend habe sich das Boule-Projekt „ein bisschen nach hinten verschoben. Aber der ganze Gemeinderat steht dahinter“, versichert Detlef Genz. Es soll so schnell wie möglich angegangen werden, ob es aber in diesem Jahr noch klappt, das könne er nicht versprechen. Der Bürgermeister will nun eine Zwischenlösung für die Boule-Freunde finden.
Die spätere Umsetzung aber soll schön werden, da sind sich alle einig: ein kleiner Bürgerpark, der den Rathaus-Umgriff würdevoll ergänzt – mit Boule-Bahn, Bänken und hoher Aufenthaltsqualität. „Natürlich sind wir schon ganz heiß darauf, endlich auf der neuen Bahn zu spielen“, sagt Karl-Werner Hirsch. Er ist sich sicher: Wenn die Bahn erst einmal steht, werden noch viele weitere Boule-Spieler dazustoßen.
Bis dahin muss aber wohl der Rasenstreifen vor dem Rathaus noch ein bisschen als Ersatz-Boule-Bahn herhalten. „Ihr seid näher dran“, ruft Günther Freimann. Unentschieden. Runde drei ... Voller Ungeduld und Tatendrang warten sie weiter, die Boule-Freunde – und warten und warten.