Es war ein Abenteuer quer durch die Pampa: Dr. Dagmar Wötzel aus Ullstadt (Landkreis Neustadt/Aisch-Bad Windsheim) machte sich mit ihrem Pferd Lailaa auf zum Distanzritt einmal durch Deutschland und zwar vom Allgäu bis an die Nordsee nach Cuxhaven. Sie legte mit ihrem Pferd an 21 Reittagen exakt 1304 Kilometer zurück. Aber nicht alle auf dem Rücken von Lailaa.
Sie musste immer wieder Pausen einlegen, sagte Wötzel. Insgesamt nahmen 66 Reiter an der „TransGermania – vom Alpenrand zum Meeresstrand“ teil. 150 Leute waren täglich abends im Camp zusammen. Jeden Tag schlugen die Reiter „ihre Zelte“ an einem anderen Ort neu auf.
Dr. Wötzel freute sich, dass es trotz der vielen Menschen nie zu Konflikten kam. Der jüngste Teilnehmer war ein fünf Monate altes Baby und der älteste Mann über 80, berichtete die Pferdeliebhaberin. Zur Vorgeschichte: Nach der Grenzöffnung 1989 haben viele Reitervereinen Mehrtagesritte als Zeichen der Freiheit und Verbundenheit unternommen. Damals verlief einmal eine Strecke vom Elsass bis an die Nordsee.
Das sollte nun wiederholt werden. Als Dr. Sabine Pfaff vor Jahren von ihrer Idee für den erneuten Ritt erzählte, waren alle Teilnehmer bei einer Vereinstagung sofort begeistert. Wötzel unterstützte das Vorhaben, das sie fünf Jahre begleitete, sofort und sponserte es auch. Vor gut drei Wochen war es dann soweit, am 25. August begann die Reise auf vier Hufen und endete am 14. September in Cuxhaven.
22 Nächte hat die Pferdeliebhaberin im Auto geschlafen. Lailaa nächtigte im Hänger. Natürlich wurden alle teilnehmenden Vierbeiner regelmäßig von den Tierärzten überwacht. Besonders Lailaa, die erst im Frühjahr einen Asthmaanfall erlitt. Aber Anstrengung an der frischen Luft sei deswegen besonders gut für sie.
Lailaa lief von den gut 1300 Kilometern etwa 205 mit der Reiterin auf dem Rücken. Die restliche Strecke war sie so gelaufen oder mit dem Hänger gefahren worden, um sich von der Strapazen zu erholen. Denn die Etappen waren lang.
Von 40 Kilometern angefangen bis hin zu 70 Kilometern waren die Tiere täglich unterwegs. Mit Futter und viel Wasser waren die vierbeinigen Teilnehmer bestens versorgt worden. Die Strecken gingen meist über Wald- Schotter- und Feldwege, berichtete die Fachfrau für Pferde. Ein einziges Pferd habe die gesamte Strecke schließlich geschafft, erzählte Dr. Wötzel. Natürlich waren „Ross und Reiter“ stolz, am Ziel in Cuxhaven angekommen zu sein. Es fand zum Abschluss eine große Siegerehrung statt.
Die gebürtige Saarländerin liebt Pferde über alles. In Ullstadt in der Wiesenmühle haben ihre sechs Pferde, eine Familie aus arabischen Vollblütern, ihre Heimat mitten in der Natur gefunden. Es sind alle auch Coachingpferde, erklärte die „Pferdeflüsterin“, die einen besonderen Draht zu ihnen hat. Wötzel ist Coach- und Organisationsentwicklerin und für große Organisationen weltweit tätig. Die promovierte Betriebswirtin und Organisationsentwicklerin hat ihren Master am Institut für Systematische Beratung gemacht. Seit 2011 wohnt die 55-Jährige in Diespeck. Sie hat einen 14-jährigen Sohn, der ihr geliebtes Hobby nicht teilt. Er will Fußballprofi werden und verbringt seine Freizeit lieber beim Kicken auf dem Sportplatz, erzählte sie lachend.