Die extreme Glätte in Westmittelfranken hatte nicht nur Auswirkungen auf den Straßenverkehr. Vor allem Rettungskräfte und Ärzte waren am Mittwoch schwer gefordert. Die Notaufnahmen der Krankenhäuser in der Region verzeichneten einen enormen Zulauf. Der Rettungsdienst kam nach Angaben der Integrierten Leitstelle (ILS) Ansbach nur mit großer Kraftanstrengung hinterher, die vielen Verletzten zu versorgen.
„Wir hatten seit 0 Uhr gut 200 Einsätze”, berichtete Roland Eischer, Lagedienstleiter der ILS, gegen Mittag. Das sei schon zu diesem Zeitpunkt das Doppelte dessen, was an normalen Tagen üblich ist. Die Situation sei „beherrschbar”, aber angespannt. Unter anderem wurden Ehrenamtliche angefordert, um bei der Notfallversorgung zu helfen. Man habe mit einem erhöhten Einsatzaufkommen gerechnet, sagte Eischer. Aber die Lage jetzt „hat uns in dieser Form schon ein bisschen überrascht”.
Dabei halten sich nach Angaben von Eischer schwerste Verletzungen in Grenzen. Stattdessen seien es die erwartbaren Blessuren, wenn Menschen ausrutschen. „Das sind Personen, die aus der Haustür treten, die zum Briefkasten gehen, die mit dem Fahrrad ausrutschen.”
Sie alle zu versorgen, stellte die Rettungskräfte vor Herausforderungen. Denn wo es glatt ist, tun sich auch Rettungsfahrzeuge mit der Anfahrt schwer. Zum Teil seien Ketten auf die Dienstautos gezogen worden. Doch alleine der Dienstantritt erschwerte sich laut ILS für viele Kräfte – denn auch sie mussten erst einmal bei spiegelglatten Straßen zu den Rettungswagen kommen.
„Hinzu kommt, dass wegen des Eises kein einziger Hubschrauber in Bayern fliegt”, erklärte Eischer. Rettungskräfte waren also darauf angewiesen, mit einem fahrbaren Untersatz zum Unglücksort zu gelangen. Entsprechend sei alles im Einsatz gewesen, was Räder hat: Rettungswagen, Krankentransportwagen, Fahrzeuge des Katastrophenschutzes. Wer sich verletzt hat und den Notruf wählte, musste im Zweifel länger auf Hilfe warten als im Normalfall. Wo sich eine längere Rettungszeit abzeichnete, wurden zudem Ortsfeuerwehren als Erstversorger alarmiert, sagte Eischer.
Doch nicht nur für den Rettungsdienst stapelten sich die Aufgaben. „Das Problem verlagert sich in die Krankenhäuser”, beschrieb Eischer nach einigen Stunden der Einsatzlage. Im Neustädter Klinikum sei gegen Mittag die Notfallversorgung „an der absolut obersten Belastungsgrenze” gewesen, erklärt der ILS-Mann. Und im ANregiomed-Klinikum in Ansbach seien über den Rettungsdienst alleine in einer Stunde 20 Verletzte angeliefert worden.
ANregiomed-Pressesprecher Rainer Seeger berichtete auf Nachfrage von „zahlreichen Patientinnen und Patienten”, die in die Notaufnahmen der Kliniken in Ansbach, Dinkelsbühl und Rothenburg gekommen seien – vor allem mit Sturzverletzungen.
„Wir behandeln die betroffenen Patienten in der Reihenfolge ihrer Dringlichkeit”, erklärte er. Das bedeutete faktisch eine Triage von Verletzten. Entsprechend sei mit längeren Wartezeiten zu rechnen. Wer schwerere Verletzungen hatte, sei vom Rettungsdienst erstversorgt und in Kliniken mit freien Kapazitäten gebracht worden.
Der hauptamtliche Sanitäter Timo Wilden war schon seit dem frühen Morgen im Landkreis Neustadt/Aisch-Bad Windsheim im Dienst. Er berichtete von vollen Kliniken in Neustadt, Bad Windsheim und Rothenburg. Die Häuser seien überlaufen, vor allem die Notaufnahmen. Nach Angaben der Kreiskliniken seien in Neustadt 50, in Bad Windsheim 30 Verletzte nach glättebedingten Unfällen versorgt worden.