Udo Ammon aus Birnbaum fuhr mit dem Fahrrad bis zum Nordkap | FLZ.de

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Veröffentlicht am 23.08.2025 11:00

Udo Ammon aus Birnbaum fuhr mit dem Fahrrad bis zum Nordkap

Lebenstraum erfüllt: Udo Ammon am Wahrzeichen des Nordkaps: dem Globus.  (Foto: Udo Ammon)
Lebenstraum erfüllt: Udo Ammon am Wahrzeichen des Nordkaps: dem Globus. (Foto: Udo Ammon)
Lebenstraum erfüllt: Udo Ammon am Wahrzeichen des Nordkaps: dem Globus. (Foto: Udo Ammon)

Mehr als 500.000 Pedalumdrehungen hat Udo Ammon in den vergangenen Wochen geschafft. Er ist mit seinem Bike stolze 3415 Kilometer von Birnbaum im Landkreis Neustadt/Aisch-Bad Windsheim zum Nordkap, dem nördlichen Ende Europas, gefahren – und hat sich damit einen Lebenstraum erfüllt.

Am 19. Juli ging es los. Ursprünglich war eine 4000 Kilometer-Strecke geplant, die er in vier Wochen schaffen wollte – 1000 Kilometer pro Woche, rund 150 pro Tag. Birnbaum, das zu Gerhardshofen gehört, Dachsbach, Geiselwind, durch die Rhön Richtung Norddeutschland. Dann weiter über Hamburg, Dänemark, Schweden nach Norwegen.

Armin und Ulla Seefried, ein befreundetes Ehepaar, begleiten den Birnbaumer Diplom-Chemiker auf seiner Mammuttour. „Ulla fuhr mit meinem Wohnmobil, in dem ich übernachten konnte”, so Udo Ammon. An vereinbarten Treffpunkten kam das Dreiergespann am Abend zum Kochen, Essen und zu Gesprächen zusammen.

Die Freunde im Rücken boten dem Radsportler Sicherheit, denn so manches Mal gab es auch schwierige Straßenbedingungen. Einen Tiefpunkt der Tour erlebte er in Mittelschweden, als er erst auf einer schmalen Schotterpiste neben der Autobahn und dann im Nirwana mitten in einem Naturschutzgebiet mit brusthohem Schilf landete. Die Beine im Wasser, das Handy nass. Die Frage „Wo bist du” konnte er seinen Freunden nicht beantworten. „Irgendwo im Dschungel.” Dann ein Lichtblick: eine Holztrasse mit Elektrozaun. Die ist er dann entlang gelaufen, bis er wieder eine Straße fand. Voll mit Schlamm und müde traf er wieder auf die Freunde.

Eine Viertelstunde, um eine Reifenpanne zu reparieren

Apropos Sicherheit: Zwei Reifenpannen gab es. Für den erfahrenen Radsportler kein Thema, „das kostet mich eine Viertelstunde”. Nebenbei wurde noch ein Filmchen gedreht für seine Follower auf WhatsApp.

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Wie motiviert man sich beim täglichen Strampeln? „Gummibärchen sind meine mentale Brücke”, sagt Ammon. Mit sauren Glühwürmchen belohnt er sich für geschaffte Streckenabschnitte. Man führe oft einen inneren Dialog zwischen Körper und Geist, so der erfahrene Sportler, der auch schon einen Ironman absolviert hat und vor zwei Jahren mit seinem Freund Christoph Mößner mit dem Rad zum Ätna nach Sizilien gefahren ist.

„Der Körper kann alles, wenn man einfach weitermacht.” Die ersten zwei Stunden auf dem Rad seien psychisch anstrengender als die letzten sechs. Mit Musik im Ohr kam er in einen Flow-Zustand. Man entschleunigt, so der Umweltgutachter, der beruflich weltweit unterwegs ist. „Ich bin mental regeneriert.”

So manches Mal sei er aus dem tranceartigen Tagtraum gerissen worden, weil ein Rentier auf der Straße stand. Die Tiere seien zutraulich und es gab intensive „Auge-in-Auge-Begegnungen”. Einmal erblickte er aus dem Wohnmobil heraus sogar einen Elch. „Der Polarkreis ist eine andere Welt”, sagt Ammon. Nachts um 3 Uhr sei es taghell gewesen. Und mitten am nördlichsten Polarkreis gab es einen Campingplatz mit 27 Grad heißem Pool und Sauna.

5000 Kalorien am Tag verbraucht

Rund 300 Energieriegel hatte Udo Ammon im Gepäck, ein bis zwei gab es stündlich als Snack. Rund 5000 Kilokalorien brauchte er pro Tag. Und trotz Fünf-Liter-Tank im Gepäck musste er mit dem Wasser haushalten. Doch als Radreisender wisse man: Wo ein Kirchturm ist, ist auch ein Friedhof. Und wo ein Friedhof ist, gib es Wasser zum Gräbergießen.

Gegen Ende der Tour musste Udo Ammon dann noch einen Zahn zulegen. Ein Wetterumschwung war angesagt. Er entschloss sich, die Tour etwas abzukürzen und längere Tagesetappen zu fahren, um sein Traumziel noch bei schönem Wetter zu erreichen. Die letzte Etappe war 326 Kilometer lang, inklusive Reifenpanne war er elf Stunden im Sattel.

Am Schluss gab es auch noch einen Gruselmoment. Die Felsformation Nordkaphorn befindet sich auf der norwegischen Insel Magerøya. Um auf die zu gelangen, muss man einen Tunnel unter dem Meer durchqueren. „Man kann sich das wie eine Wasserrutsche vorstellen. Es wird immer dunkler.” Er folgte dem Tipp, sehr früh morgens in den Tunnel zu fahren. „Armin und Ulla versuchten, immer hinter mir zu bleiben.”

Sieben Kilometer durch einen Tunnel

An einer Stelle erreichte er mit dem Bike 80 Kilometer pro Stunde. „Ich habe die Carmina Burana gehört, um mich von den laut dröhnenden Autos abzulenken.” Sieben Kilometer galt es durchzuhalten. Die Seefrieds haben alles gefilmt. „Man hat nur ein kleines Licht gesehen und mich schnaufen gehört.”

Am Schluss hat sich der Endspurt gelohnt. Udo Ammon und das Ehepaar Seefried erreichten das Nordkap-Wahrzeichen, den Globus, am 10. August bei Sonnenschein und 20 Grad – am Tag danach musste die Daunenjacke ausgepackt werden. Die Anstrengungen wurden belohnt, es ist alles aufgegangen. „Es war ein magischer Moment und ein perfekter Tag”, so Ammons Fazit, der gerade wieder mit dem Wohnmobil auf dem Rückweg nach Birnbaum ist. 21.500 Höhenmeter hat er auf der Tour überwunden, das sei zweieinhalb Mal der Mount Everest. Gummibärchentüten leer, Lebenstraum erfüllt.

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