Tsunami in Thailand 2004: Wie eine Neustädterin die Katastrophe überlebte | FLZ.de

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Veröffentlicht am 26.12.2024 07:00

Tsunami in Thailand 2004: Wie eine Neustädterin die Katastrophe überlebte

Eigentlich wollte Anne Junhom am 26. Dezember 2004 auf die Insel Koh Phi Phi reisen – doch der Tsunami verwüstete alles. (Archivbild: picture alliance / dpa)
Eigentlich wollte Anne Junhom am 26. Dezember 2004 auf die Insel Koh Phi Phi reisen – doch der Tsunami verwüstete alles. (Archivbild: picture alliance / dpa)
Eigentlich wollte Anne Junhom am 26. Dezember 2004 auf die Insel Koh Phi Phi reisen – doch der Tsunami verwüstete alles. (Archivbild: picture alliance / dpa)

Wenn Anne Junhom an den 26. Dezember 2004 zurückdenkt, überfällt sie noch immer eine große Traurigkeit. An diesem Tag vor 20 Jahren wütete der Tsunami in Thailand – sie erlebte das verheerende Ereignis mit rund 230.000 Toten und unzähligen Verletzten hautnah mit. Seitdem feiert sie mit ihrer Familie immer eine Art „zweiten Geburtstag“ am zweiten Weihnachtsfeiertag.

„Ja, es hat mein Leben geprägt und ich bin für vieles dankbar“, sagt sie rückblickend. Viele hatten nicht so viel Glück wie sie, Tausende starben, unzählige Opfer konnten nicht einmal mehr identifiziert werden, wurden in Massengräbern beigesetzt. Auch Deutschland hatte Tote zu beklagen – 537 Menschen.

Weihnachten unter Palmen war der Plan

Nun jährt sich das schreckliche Ereignis zum 20. Mal. Anne Junhom ist mittlerweile 40 Jahre und Mutter zweier Kinder. Seinerzeit war sie schon einige Zeit vor der Katastrophe in Nordthailand, in der Stadt Chiangmai. Hier hatte sie damals bei einer deutschen Unternehmerin gearbeitet, die nach Thailand ausgewandert war und dort eine Art Veranstaltungsagentur betrieb. Anne Junhom absolvierte ein Praktikum für Eventmanagement. Eine größere musikalische Veranstaltung sei damals auf dem Programm gestanden, erinnert sie sich.

Weihnachten aber wollte die damals 20-jährige Frau aus Mittelfranken unter Palmen feiern und reiste in den Süden des Landes, nach Phuket, einem Touristengebiet. Ein Stückchen abseits des Strandes mietete sie sich mit einer Freundin in einem kleines Gästehaus ein.

Am 26. Dezember 2004 änderte sich plötzlich das Wetter

Am 26. Dezember 2004 war Anne Junhom auf dem Meer. Ein Tagesausflug sollte es werden, mit dem Boot auf die kleine Insel Ko Phi Phi, fernab des Massentourismus. Vor dem eigentlichen Ziel steuerte das Schiff noch die Anlegestelle einer größeren Insel an, wo etliche Mitreisende das Schiff verließen, um zu baden, erinnert sich Junhom.

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Strahlender Sonnenschein herrschte in diesen Stunden noch, nichts unter dem blauen Himmel hätte sie darauf vorbereiten können, was wenig später folgte. Denn auf der Weiterfahrt änderte sich schlagartig das Wetter – das angepeilte Ziel konnte nicht mehr erreicht werden.

„Wir mussten Schwimmwesten anziehen“, erinnert sich Anne Junhom. Stundenlang seien sie dann auf offenem Meer umhergeschippert, niemand an Bord wusste so recht, was jetzt zu tun war. Die Weiterfahrt nach Ko Phi Phi kam aufgrund der Wetterlage nicht in Frage – schließlich kehrte das Schiff tatsächlich um.

Das Strandtuch diente als Druckverband

Was folgte, war für alle an Bord surreal, unbegreiflich, entsetzlich. Als das Schiff jene größere Insel ansteuerte, bei der einige der Mitreisenden ein paar Stunden zuvor ausgestiegen waren, konnte man die extremen Zerstörungen schon von weitem sehen: Die Gebäude in Trümmern, die Vegetation – weggerissen, von der Gewalt der gigantischen Welle regelrecht zerschmettert. Menschen schrien um Hilfe; als Anna Junhoms Schiff anlegte, sah sie die ersten Toten. Sie erinnert sich an die Szenerie, an die Bilder, an den Moment, als sie ihr Strandtuch, das sie für einen unbeschwerten Badetag mitgenommen hatte, einem Mann um den verletzten Fuß band, damit er nicht verblutete.

Anna Junhom half, Anne Junhom funktionierte. Sie versuchte ihre Eltern in Neustadt anzurufen, was lange Zeit nicht klappte. Das Mobilfunknetz war völlig überlastet, die Struktur teilweise zerstört. Mutter Ingrid Tisch-Rottensteiner, und ihr Vater hatten in den deutschen Nachrichten gehört und gesehen, was der Tsunami mit jenem Ort gemacht hatte, in dem ihre Tochter an diesem Tag Urlaub machen wollte, waren in Panik, konnten ihre Anne nicht erreichen. „Wir mussten uns auf das Schlimmste vorbereiten“, sagte Ingrid Tisch-Rottensteiner, aber wie bereitet man sich auf so etwas vor? Umso größer dann Freude, als Anne ihre Mutter schließlich doch erreichte – minutenlang habe diese vor Erleichterung nur geweint.

Nur noch Ruinen und Schutt am Stand

Als Anne Junhom am Abend in ihren Urlaubsort zurück kommt, folgt der nächste Schock. Auch Phuket existiert faktisch nicht mehr. Nur Ruinen und Schutt sind in Strandnähe noch übrig. Die etwas abgelegene kleine Unterkunft von Anne Junhom und ihrer Freundin hingegen war vom Tsunami nicht betroffen.

Anne Junhom hatte unfassbares Glück. Während des Tsunamis befand sie sich so weit draußen auf dem Meer, dass die große Welle buchstäblich unter dem Boot hindurch glitt. Auch ihre Reisebegleiterin, eine deutsche Praktikantin, blieb unversehrt.

Das Waisenhaus im traumatisierten Land

Anne Junhom studierte danach Tourismusmanagement und unterstützte während dieser Zeit ein thailändisches Waisenhaus, das nach dem Tsunami gebaut worden war. Tausende von Eltern hatten ihre Kinder verloren,Tausende von Kindern mussten ohne die Eltern weiterleben. Der 26. Dezember ist der Tag des großen thailändischen Traumas.

Für Anna Junhom ist das Land dennoch zur zweiten Heimat geworden. Auch nach dem Tsunami reiste sie weiter dorthin, lernte dort ihren heutigen Mann kennen, der gegenüber ihres Lieblingscafés eine Galerie betrieb. Sie verliebten sich, er zog mit mit ihr nach Neustadt, hat sich gut eingelebt und hadert nur manchmal mit dem deutschen Wetter. Sogar an die fränkische Küche habe er sich gewöhnt, sagt Anne Junhom – sogar sehr gründlich. Als Koch bereitet er im Gasthaus „Zur Sonne“ deutsches Essen zu. Doch oft reisen sie in seine Heimat, denn dort leben seine Eltern noch.

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