Der Landkreis Ansbach will sich erneut als Fairtrade-Landkreis zertifizieren lassen. Dem mehrheitlichen Beschluss im Kreisausschuss ging allerdings eine lebhafte Debatte voraus, denn nicht alle Kreisräte sind davon überzeugt, dass das Zertifikat etwas bringt.
Die Auszeichnung als Fairtrade-Landkreis wird vom Verein TransFair Deutschland für jeweils zwei Jahre vergeben. Die erste Zertifizierung erfolgte im Jahr 2022, so dass nun erneut nachgewiesen sein muss, dass die nötigen Kriterien erfüllt sind. Der Agenda-21-Beirat des Kreises hatte vor kurzem die erneute Zertifizierung empfohlen. Kosten entstehen dafür nicht, aber es gibt einen Verwaltungsaufwand.
Die Bilanz der ersten Jahre, die Thomas Merkel vom Landratsamt präsentierte, fällt durchwachsen aus: Merkel, der neben Franziska Wurzinger einer der Sprecher der Fairtrade-Steuerungsgruppe ist, berichtete von vier Sitzungen der Gruppe, die „teilweise sehr schwach“ besucht gewesen seien. Insgesamt sei das Interesse und vor allem das Engagement am Thema „dürftig“. Die Verwaltung könne nicht empfehlen, die Arbeit in der jetzigen Art und Weise fortzusetzen.
Trotzdem beschloss der Kreisausschuss mit elf zu vier Stimmen, der Zertifizierung „noch eine Chance zu geben“, wie es ÖDP-Kreisrätin Maria Hetzel formulierte. Sie stelle eine Wertschätzung der Akteure vor Ort dar und der Landkreis könne eine Vernetzung bieten.
Seitens der CSU sprach Stefan Horndasch von einem „bedingten Ja“. Derzeit laufe es zu verwaltungslastig. Vieles von dem, was mit Zertifizierung gemacht werde, würde man auch ohne sie machen.
Von einer kontroversen Diskussion innerhalb der SPD-Fraktion berichtete Petra Hinkl. Es gebe keine Zweifel an den inhaltlichen Zielen, „aber ein Label setzt nichts in die Tat um“. Die Frage nach Nutzen und Ertrag, die Landrat Dr. Jürgen Ludwig (CSU) gestellt habe, sei berechtigt. Sie selbst würde eher auf andere Aktivitäten setzen, aber die Mehrheit in der Fraktion sehe das nicht so.
Gabi Schaaf (Grüne) meinte, die Rezertifizierung sei wichtig, da sich aus diesem Zeichen eine Verpflichtung und Aufgabe ergebe. Fairtrade-Produkte seien teurer und daher schwer an den Mann zu bringen. Dies sei aber der Mühe wert.
Von einem „überschaubaren Interesse“ in den Gemeinden berichtete Hans Henninger (Freie Wähler). Dennoch werde er noch einmal für die Rezertifizierung stimmen, denn grundsätzlich sei Fairtrade „super“ und kleine Gemeinden könnten angesichts ihrer zahlreichen Aufgaben so etwas nicht selbst übernehmen.
Gegenwind kam unter anderem von Feuchtwangens Bürgermeister Patrick Ruh. Die Stadt strebt selbst eine Fairtrade-Zertifizierung an. Auf Landkreisebene sei sie verzichtbar, meinte er. Es sei schwer, mit dem Thema „in die Breite zu kommen. Die Leute haben offensichtlich ganz andere Sorgen“.
Dem stimmte Oberbürgermeister Dr. Christoph Hammer aus Dinkelsbühl zu. „Man muss nicht jeden Käse machen“, sagte er. Fairtrade-Nikoläuse an die Kreisräte zu verteilen, sei „lächerlich“ und das Fairtrade-Thema habe „nur bedingt mit dem Aufgabenbereich des Landkreises zu tun“.
Auch Dietenhofens Bürgermeister Rainer Erdel (FDP) stimmte mit Nein. „Man macht sich hier romantisiert etwas vor“, argumentierte er. Ein örtlicher Supermarktbetreiber habe ihm mitgeteilt, dass das Konsumenteninteresse anders liege. Statt wirklichen Fortschritten sieht Erdel bisher eher „Placebo-Effekte“.