Ausgerechnet im Kommunalwahljahr 2026 gibt es in Ansbach kein Politikerderblecken. Doch das hat gar nichts miteinander zu tun.
„Ich brauche einfach eine Josefi-Elternzeit”, liefert Fastenprediger Thorsten Siebenhaar die süffisante Erklärung für die Pause in diesem Jahr. Der 45-Jährige hat das Starkbierfest der Kammerevents und der Landwehr-Bräu in den vergangenen drei Jahren als One-Man-Show mit musikalischer Unterstützung gestemmt.
In einem mehrstündigen Programm, das er komplett selbst geschrieben hat, arbeitete er sich auf kabarettistische Weise an der Ansbacher Kommunalpolitik und der Stadtgesellschaft ab. Als Fastenprediger, als Kardinal Fehler, als Hausmeister Schorsch und seit dem vergangenen Jahr auch als Markgraf witzelte er in den Kammerspielen über die Promis der Stadt, die in der Regel unten im Publikum saßen.
Der Ansturm auf die Karten war so groß, dass die ursprünglich zwei Veranstaltungen immer in Windeseile ausverkauft waren. Im vergangenen Jahr gab es deshalb einen dritten Abend. Ebenfalls komplett ausverkauft. Doch trotz des Erfolgs fällt das spaßige Ereignis in diesem März aus. Der Hintergrund: Durch sein Engagement bei der Winter-Märchenproduktion von Kommando Grimm und seine Arbeit in der Kammer-Kneipe war Thorsten Siebenhaar von September bis Januar unter Doppelbelastung. „Ich habe einfach gemerkt: Der Akku ist leer.”
Um das Programm für den Derblecken-Abend zusammenzustellen, „muss ich mich drei bis vier Wochen komplett rausziehen”, erklärt Siebenhaar, der kürzlich zum zweiten Mal Vater geworden ist. Gerade in dieser Phase wollte er seinen Kindern und seiner Frau nicht antun, in Klausur zu gehen und allein im stillen Kämmerlein über den Witzen fürs Programm zu brüten. „In jedem anderen Beruf kannst du Elternzeit nehmen, das habe ich für mich nun auch in Anspruch genommen.”
Dass der Termin für die Derblecken-Veranstaltungen in diesem Jahr wenige Tage vor einer als wahrscheinlich geltenden Stichwahl ums Oberbürgermeisteramt gelegen hätte, „war mir völlig egal”, versichert Siebenhaar. „Ich hätte da auch zu einigen Dingen, die so passieren, etwas zu sagen”, betont er und ist fast ein bisschen wehmütig, das nicht vor großem Publikum tun zu können. „Ich lästere sowieso, diesmal halt eher in der Kneipe und nicht auf der Bühne.”
Sowohl Siebenhaar als auch Florian Brendel von den Kammerspielen versichern: „Es ist nur eine Pause. Die Termine für 2027 stehen schon fest.” Die Idee einen Ersatz für dieses Jahr zu suchen, habe weder den Kammerevents noch der Landwehr-Bräu gefallen. „Das haben wir sofort verworfen”, macht Brendel deutlich.
In den Kammerspielen gibt es an den Abenden um Josefi Programm mit einer DJ-Party und einer Band, betont Brendel. „Da setzen wir einen anderen Schwerpunkt.”
Thorsten Siebenhaar will die Zeit nutzen und genau beobachten, wie es im Stadthaus und im Stadtrat nach der Kommunalwahl weitergeht. „Es sprudelt ja trotzdem weiter. Ich freue mich schon aufs nächste Jahr.”